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Die nächsten Programmpunkte entnehmen Sie bitte unserem Programm!

RNZ von Montag, 24.Oktober 2016
Südstaaten-Feeling im Hirsch
Richie Arndt nahm das Publikum mit auf seine Mississippi-Reise

Schriesheim (sk). Plastikrosen und grellbunte Perlenketten schmücken das Grab, die Innenräume des Südstaatenpalazzos könnten auch zum Refugium eines Scheichs gehören: Graceland erfüllt alle Erwartungen, die ein Memphis-Tourist nur haben kann, wenn er das einstige Wohnhaus von Elvis Presley besucht. Richie Arndt hat das getan, und sein Reisebegleiter und Fotograf Raphael Tenschert machte davon Bilder, bei deren Anblick man Gänsehaut bekommen konnte. Die Villa des King of Rock’n’Roll ist ein Höhepunkt seiner Mississippi- Reise, die ihn zu einer ungewöhnlichen Mischung aus Reisebericht, Geschichtsstunde und Blueskonzert inspiriert hat.

Die konnte man auf Einladung des Kulturkreises im Saal des Restaurants „Goldener Hirsch“ erleben. „Im Grunde genommen ist das heute der Ersatz für unsere heiter-literarische Weinprobe“, sagte Vorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer. Aufgrund von Bauarbeiten im Zehntkeller beschloss man, die Herbst- Veranstaltung kurzerhand in das Gasthaus schräg gegenüber zu verlegen und ein völlig anderes Programm zu wählen. Das Experiment ist geglückt; von Beginn an begeisterte Arndt das Publikum im voll besetzten Saal, brachte es zum Lachen, zum Nachdenken und auch mal zum Träumen. „Das war mal was ganz anderes“, sagten begeisterte Zuhörer.

Der Musiker und Lehrer, mit bürgerlichem Namen Heinrich Richard Arndt, hat schon seit Jahren von einer Reise in den tiefen Süden der USA geträumt und seiner Schwärmerei 2000 im Stück „I Never Saw The Mississippi“ Ausdruck verliehen. Eigentlich, sagte er, dürfe er das jetzt nicht mehr spielen, wo er den Mississippi doch gesehen hat– spielte es aber trotzdem.

Die beiden Freunde sind dem Lauf des Stroms in einer zehntägigen Reise von Tennessee bis zum Golf von Mexiko gefolgt. Dabei tauchten sie tief ein in die Geschichte dieser Region, die geprägt war vom Sklavenhandel, dem Bürgerkrieg und der lang anhaltenden Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung.

Dazu passt Arndts Version von Billie Holidays düsterem Lied über den gehängten Mann, „Strange Fruit“, dem er den Klassiker „Ol’ Man River“ folgen ließ– gesungen mit eindrucksvoll-tiefer Stimme. Auf der Tour machte er einen Abstecher zur Geburtsstätte des Blues, der Dockery Farm, auf der damals viele Musiker als Tagelöhner arbeiteten; man erfährt, dass Gitarrist Robert Johnson dem Teufel seine Seele verkauft haben soll, um gute Musik machen zu können.

„Crossroads“, die Kreuzung zweier Highways, ist für Arndt ein weiterer magischer Ort. Er habe sich an die Stelle setzen und Musik machen wollen, erzählte Arndt: „Ich dachte, das ist eine besonders gute Idee. Aber leider hatten die vor mir schon viele andere.“ In die Schlange stellte er sich aber nicht, sondern suchte lieber eine einsame, verwunschene Stelle auf, von denen es im Mississippi-Delta eine ganze Menge gibt.

Bilder von dramatischen Sonnenuntergängen, üppiger Vegetation, aber auch heruntergekommenen Livemusik- Scheunen und Jam-Sessions mit Einheimischen folgten – und die Zeit verging wie im Flug, bis das Ende der Reise in Ocean Springs erreicht war: Wieder servierte Arndt einen Bluesklassiker, doch die Zuhörer wollten ihn noch nicht gehen lassen. Und so bekamen sie am Ende eine Zugabe aus der Feder des Kings: „LoveMe Tender.“ Zum Mitsingen, Klatschen und Freuen.
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Richie Arndt
Eine Reise in den „Tiefen Süden“…

Richie Arndt, Blues- und Rock-Gitarrist, Sänger, Erzähler und Songschreiber kommt am 21. Oktober 2016 nach Schriesheim - mit einer multimedialen „Reise“ durch den tiefen Süden der USA. Sein Reisebericht, sein Blues auf der akustischen Gitarre und seine überwältigenden Fotografien aus dem Delta des „Ol´ Man River“ Mississippi, Bilder von New Orleans, Memphis, vom „Blues“-Highway 61 und Golf von Mexiko machen sehnsüchtig und lassen Szenarien aus „Vom Winde verweht“ oder dem mythischen Graceland Elvis Presleys lebendig werden. Der Künstler, ausgezeichnet mit dem „Blues in Germany Award 2014“ als bester zeitgenössischer Bluesmusiker Deutschlands, beschreibt mit seiner einzigartigen musikalischen Reportage ein Land voller Gegensätze, Geschichte und Geschichten, Land zwischen Bluesclubs, Baumwollpflückerhütten, Jukejoints und luxuriösen Grand Hotels.

Die Reisedaten: 21. Oktober 2016 – ab 19:00 Uhr
Einstieg im Saal des Gasthauses „Zum Goldenen Hirsch“ mit der Möglichkeit, für „Proviant“ zu sorgen.
Richie Arndt startet um 20 Uhr.
Reisepreis: € 12,00
Vorverkauf in Utes Bücherstube und im Gasthaus „Zum Goldenen Hirsch“
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Vernissage der 2. Sonderausstellung
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Fotos: Hans Waldenmayr
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Schriesheim: Ausstellung von Installationen des Künstlers Fritz Stier im Museum Théo Kerg eröffnet

„Nicht ganz leichte Kost“

© greg

Dass die Ausstellung von Fritz Stier aus Mannheim sich von anderen Ausstellungen, die bislang im Kerg-Museum zu sehen waren, völlig unterscheiden würde, das ahnten die Vernissage-Besucher schon, die am Sonntag Morgen zur Ausstellungseröffnung in das Schriesheimer Museum kamen. Hatten sie doch zuvor einige der exzentrischen und provozierenden Werke des Künstlers im Ausstellungsheft gesehen.

Bürgermeister Hansjörg Höfer, der wegen des schönen Wetters die Ausstellung vor den Türen des Museums eröffnete, bereitete die Besucher auf eine "nicht ganz leichte Kost" vor. Er sei gespannt auf die Reaktionen seitens der Besucher und hoffe und freue sich auf intensive Gespräche. "Es ist eine Ausstellung, die sensibilisieren und auch aufrütteln soll".

Die Einführung in die teils makabren Szenen übernahm die Heidelberger Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel. Erstaunt, erschrocken, aber auch fasziniert und beeindruckt standen die Besucher vor den Videoinstallationen mit dem Titel "Dèjá-vu". Dass es sich hierbei um bewegte Bilder handelt, das merkte man erst nach wenigen Sekunden intensiven Betrachtens. "Das Portrait von den beiden Kindern, das ist gut getroffen", so eine Besucherin, doch dann konnte sie es nicht glauben - hatte sie sich getäuscht? Die Köpfe und Augenlider bewegten sich und drehten sich in Richtung des Betrachters.

Im oberen Bereich des Museums schockte die szenische Darstellung zweier Menschen: ein Mann und eine Frau pendelten wie Schlachtvieh nackt an einem Haken. "Bodhi" ist der Titel einer weiteren Installation, die bei den meisten Besuchern Entsetzen auslöste. Auf vier Tafeln ist ein Szenario dargestellt, das stark an eine Exekution erinnert. Mit geschlossenen Augen, doch mit entspannter Miene sind zwei Menschen zu sehen, auf deren Schläfe eine schussbereite Waffe gerichtet ist. Der Schuss geht los, doch statt Todesangst zu zeigen, breitet sich auf den Gesichtern ein Lachen aus.

Seine ersten Versuche mit bewegten Bildern, die er selbst "bewegte Malerei" nennt, machte Stier bereits 1970. Im Laufe der Jahre verbesserte er seine Technik, heute bevorzugt er schnelle und kurzzeitige Abläufe und reproduziert sie in einer langsameren Geschwindigkeit in einer Endlosschleife. Seine Visionen und Bilder entstehen zuerst in seinem Kopf, gleichzeitig wird er von den Schreckensszenarien aus den Medien, Berichten über Terror, Folter und Tod zu seinen Szenen inspiriert. Mit Hilfe seiner "Models", alles Freunde und Bekannte, sowie durch Schnitt und Nachbearbeitungen werden die Szenen zu einem filmischen Werk.

Diese Ausstellung ins Kerg-Museum holen zu dürfen, sei ein lang gehegter Wunsch gewesen, der für sie nun endlich in Erfüllung gegangen sei, sagte Lynn Schoene, die Leiterin des Museums, in ihrer Begrüßungsansprache. Es ist eine Ausstellung, die Gespräche über Folter ebenso anregt wie die Frage "Muss man so etwas zeigen?". Am 22. Oktober findet um 15 Uhr eine Führung durch die Ausstellung statt. greg

© Mannheimer Morgen, Montag, 26.09.2016

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RNZ von Montag, 26.September 2016
Das Blut floss nur im Kopf
Gestern wurde die Sonderausstellung „Déjà-Vu“ des Videokünstlers Fritz Stier im Museum Théo Kerg eröffnet

Von Stephanie Kuntermann
Schriesheim (sk). Zwei nackte Menschen hängen kopfüber von der Decke; erbarmungslos ausgeleuchtet von grellen Strahlern, drehen sich ihre Körper langsam im Kreis: Es ist einer der ersten Eindrücke von der Sonderausstellung, die gestern im Museum Théo Kerg eröffnet wurde. „Rotes Rauschen“ heißt die Installation des Videokünstlers Fritz Stier, die in meditativem Schweigen abläuft. Der Name leitet sich ab vom weißen Rauschen, einer atmosphärischen Störung, und wird assoziiert mit dem Blut, das den hängenden Menschen langsam in den Kopf fließt. Dieses Blut ist aber auch das einzige, das fließt; tatsächlich passiert nichts weiter, als dass die Körper still in einer Endlosschleife pendeln.

„Keine leichte Ausstellung“ Man geht schweigend durch den Raum und lässt die Filme, die überall auf dunkle Metallplatten projiziert werden, auf sich wirken. Draußen im Hof versammeln sich derweil die Vernissage-Gäste; ein schöner Spätsommertag kündigt sich an. „Wir haben Glück mit dem Wetter“, bemerkt Bürgermeister Hansjörg Höfer. Auch er steht noch unter dem Eindruck des eben Gesehenen und findet: „Es ist keine leichte Ausstellung“, hofft aber, dass sie Stoff für gute Gespräche bietet.

Seit längerem habe sie versucht, Stier für eine Sonderausstellung zu gewinnen, sagt Kuratorin Lynn Schoene. Eine Woche der Vorbereitungen liegt hinter ihr, in der die technisch aufwendigen Installationen im Museum gehängt und angeschlossen wurden. Schon vor über 40 Jahren, als das Medium Videofilm noch neu war, habe sich Fritz Stier damit auseinander gesetzt, nimmt Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel den Faden auf: Bis heute halte es ihn in seinem Bann, spreche er von „bewegter Malerei“.

Mit Highspeed-Kameratechnik werden schnelle Bewegungen aufgenommen und in verändertem Tempo wiedergegeben wie in dem Film von der „Schlangenfrau“: Die Artistin bewegt sich in der Schwarz-Weiß-Aufnahme so langsam, dass man eine Weile hinsehen muss, um zu begreifen, dass man kein Standbild vor sich hat. „Dabei haben seine Arbeiten keine wirkliche Botschaft“, bemerkt Weigel. Die Bilder würden im Kopf des Betrachters entstehen und sich verdichten. So stellen sich bei ihr „Assoziationen zu Foltermethoden“ ein, als sie die beiden aufgehängten Nackten sieht, „wie Schlachtvieh zum Ausweiden bereitgestellt“.

Auch die übergroßen Aufnahmen zweier Köpfe können alles oder nichts bedeuten. Ein „Film“wird daraus durch die beiden Pistolen, die auf zwei anderen Bildträgern auf die Gesichter zielen. Im Moment des Abdrückens beginnen die Menschen zu lächeln. „Bodhi“, Erleuchtung, heißt die Arbeit, über die Weigel sagt: „Das Erwartete kehrt sich in sein Gegenteil.“ Der Buddhismus habe Pate gestanden, der Moment der Erkenntnis, wenn der Mensch aus dem „Dämmerschlaf der Unwissenheit“ erwache. Auch die jüngste Arbeit, „Déjà-Vu“, nach der die Ausstellung benannt ist, hat Bezüge zu der fernöstlichen Religion.

Man sieht zwei Kinder, jedes auf einem Bildschirm, die einander gegenüber sitzen und sich schweigend betrachten. „Eine Situation, die so nie stattfinden würde, auch nicht bei Erwachsenen“, sagt der Künstler selbst. Er denkt an die Zuschreibungen von Unschuld, Unbedarftheit, daran, dass Kinder noch nicht so sehr den gesellschaftlichen Normen unterliegen, so dass sich alles auf den Moment des Kennens, Wiedererkennens und Wahrnehmens konzentriere: „Ich arbeite gerne in den Grenzbereichen menschlichen Daseins.“

Info: Die Ausstellung „Déjà-Vu“ ist bis einschließlich 30. Oktober zu sehen.
Am Samstag, 22. Oktober, um 15 Uhr bietet das Museum eine Führung an.
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FEUILLETON der RNZ von Montag, 26.September 2016
Das Rauschen im Kopf
Fritz Stiers Video-Arbeiten im Museum Théo Kerg in Schriesheim

Von Julia Behrens
Kopfüber schweben sie von der Decke auf ein kleines, durchsichtiges Wasserbecken zu, tauchen mit dem Gesicht ein, müssen dort eine gefühlte Ewigkeit verharren und werden schließlich langsam wieder hochgezogen: Drei Menschen in Jeans und Shirts, „Sirenen“ aus Fritz Stiers gleichnamiger, großformatiger Videoarbeit von 2014. Ihr zeitlupenartig gedehnter „Tauchgang“ lässt sich jetzt in der Einzelausstellung des renommierten Mannheimers im Museum Théo Kerg in Schriesheim erleben. Er erzeugt auf fast verstörende Weise eigene Bilder im Kopf.

Fritz Stiers eindrucksvolle Installationen arbeiten intensiv mit dem kollektiven Gedächtnis der Besucher, ihre Reaktionen und Projektionen sind ein wesentlicher Bestandteil seiner Werke. Nicht umsonst hat der 1951 geborene Künstler seine Schau in Schriesheim „déjà vu“ genannt.

Ungewohnte Momente des „Wiedererkennens“ stellen sich auch bei der Arbeit „Rotes Rauschen“ ein: Diesmal sind es ein Mann und eine Frau, die splitterfasernackt und fast lebensgroß an den Füßen hängend vor einem schwarzen Hintergrund baumeln. Mittels Video- Loop, dem tatsächlich nur wenige Aufnahmeminuten zugrunde liegen, scheinen sie sich unendlich lange und langsam auf der Stelle zu drehen.

Assoziationen von Folter oder Schlachtung machen den Anblick dieser eigentlich unaufgeregten Anordnung schwer erträglich. Fast ergreift das „Rote Rauschen“, das sich auf den durch die unbequeme Haltung der Protagonisten verursachten Stau des Blutes im Kopf bezieht, selbst Besitz von einem. Auch die Tatsache, dass die Akteure neutral lebendig und entspannt aussehen, hilft da nur wenig. Jedes Mal setzt diese „bewegte Malerei“, wie der Künstler seine Videos selbst nennt, eine ganze Reihe von Emotionen frei.

Fritz Stiers Installation „Bodhi“ besitzt ebenfalls große Suggestionskraft. Menschen, deren Gesichter in Großaufnahme zu sehen sind, werden scheinbar mit einer daneben projizierten Pistole „erschossen“, bleiben aber am Leben und zeigen statt Angst oder Entsetzen Erleichterung. Die Erwartung wird ins Gegenteil verkehrt, das mögliche Ableben positiv konnotiert. Tatsächlich löst der Künstler das „Ausgesetztsein“ hier anders auf: Den Kontrollverlust verwandelt er in Zuversicht und gibt auch dem Tod eine schöne, versöhnliche Seite.

Auf subtile Art ästhetisch sind alle Arbeiten, die er – häufig in schwarz-weiß– auf ganz unterschiedliche Flächen projiziert. Wenn eine Aufnahme besonders formvollendet ist, wirft er sie gern auf einenwiderständigen Untergrund, auf vom Rost zerfressene Metallplatten zum Beispiel. Dass Fritz Stiers Videokunst internationale Strahlkraft besitzt, wird angesichts der Ausstellung im Museum Théo Kerg mehr als deutlich.
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Schriesheim: Am Sonntag wird im Museum Theo Kerg die traditionelle Herbstausstellung eröffnet / Fritz Stier zeigt unter dem Motto „Déja vu“ Video-Installationen

Über die Grenzbereiche menschlicher Existenz

Von unserer Mitarbeiterin Gerlinde Gregor

Seit Jahren gelingt es dem Museum Theo Kerg und seiner engagierten Leiterin Lynn Schoene, für ihre Ausstellungen hochkarätige Künstler zu gewinnen und damit auch viele Kunstfreunde aus der gesamten Region anzulocken. Fortgesetzt wird diese Erfolgsserie am Sonntag mit der Schau "Déja vu" des in Mannheim lebenden Künstlers Fritz Stier.

Bei den Werken von Stier, der in Berlin und in Mannheim Kunst studiert hat, handelt es sich um Video- Installationen. "Man kann es auch 'bewegte Malerei' nennen", erläutert der Künstler sein Genre. Inhaltlich behandelt er den Grenzbereich menschlicher Existenz und bewegt sich dabei zwischen Traum, Phantasie und Realität. "Diese Grenzbereiche umfassen auch grausame, folterähnliche Szenen, die jeder aus den Medien kennt", beschreibt der Künstler sein Werk.

Damit greift der Künstler ein hochaktuelles und brisantes Thema auf. "Die Menschen haben mehr Angst vor Terror als vor einem Unfall im Straßenverkehr", weiß Stier: "Und das, obwohl viel mehr Menschen bei Unfällen sterben als bei Terrorangriffen." Auch von seinen Werken werden die Besucher zwar sicher fasziniert, womöglich aber auch erschrocken, ja schockiert sein.

Zu sehen ist etwa eine Szene mit einer Frau und einem Mann, die nackt an den Füßen aufgehängt sind und deren Köpfe ganz langsam in ein Wasserbecken getaucht werden, um dann wieder ebenso langsam und bedächtig hochgezogen zu werden. Diese wie die weiteren Videoaufnahmen werden in Unendlich-Schleife gezeigt, so dass ihnen der Betrachter nicht entfliehen kann.

Gedreht wurden diese Videoinstallationen zumeist mit Modellen in Stiers Atelier. "Wobei die männlichen Darsteller im Vorfeld der Drehs ängstlicher waren als die weiblichen", wie der Künstler berichtet.

Die Ausstellung wird am Sonntag 25. September, um 11 Uhr durch Bürgermeister Hansjörg Höfer offiziell eröffnet. Die inhaltliche Einführung nimmt die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel vor. Danach sind die Werke noch bis zum 30. Oktober im Kerg-Museum zu sehen, und zwar mittwochs 17 bis 19, samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 24.09.2016

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RNZ von Freitag, 16.September 2016
Im „Urgefühl der Existenz“
Kulturkreis zeigt ab 25. September die Sonderausstellung „Déjà-vu“ mit Werken von Fritz Stier im Museum Théo Kerg

Von Stephanie Kuntermann
Schriesheim. Auf dem Schwarz-Weiß-Foto sieht man drei Körper, deren Köpfe irgendwie deformiert wirken. Das Motiv ist auf den Einladungskarten abgebildet, die der Kulturkreis dieser Tage für die neue Sonderausstellung „Déjà-vu“ mit Fritz Stier verschickt. „Sirenen“ nennt der Videokünstler die Arbeit, aus der das Foto stammt. Fünf junge Frauen sind insgesamt zu sehen: Ihre Füße stecken in einer Art Manschette, während sie kopfüber in ein Aquarium gesenkt werden. Dort verweilen sie einen Moment im Wasser, während ihnen das Wasser in die Nasenlöcher läuft – was sie dabei empfinden, kann man sich vielleicht vorstellen, doch ihre optisch verzerrten Gesichter bleiben ausdruckslos, erinnern eher an Puppenköpfe. „Ein meditatives Sich-Nähern an eine äußere und innere Form der Existenz“ nennt Martin Stather vom Mannheimer Kunstverein die Arbeiten und ihre „verstörende, poetische Qualität“.

Sein „Handwerk“ lernte der 1951 geborene Künstler während des Studiums in Mannheim und Berlin; bis 1980 arbeitete Stier als Kunst- und Gestaltungstherapeut, später ging auf ihn der Kunstraum „art now“ in Mannheim zurück, wurde er Mitherausgeber des Videoart-Magazins „Schauinsland“ und initiierte den „Videocongress“. Das Mitglied der Künstlergruppe „Tafelrunde“ setzte ab 1989 die verschiedensten Einzel- und Gruppenausstellungen um und organisierte in der Metropolregion auch Veranstaltungen wie „Unter Tage“ in Mannheim, die „Internationalen Videotage“ in Heidelberg und Mannheim sowie das Mannheimer Kunstflug- Festival, das sich als Plattform für die Szene der Metropolregion versteht; seit zehn Jahren ist er zudem künstlerischer Leiter des Kunsthauses Viernheim. Eigene Ausstellungen waren in Amsterdam, Prag, Worms, Landau oder Köln zu sehen; 2017 ist er im Filmmuseum Frankfurt oder dem Konsumverein Braunschweig. Doch zuvor kann man Stiers Installationen, die auf große Metallplatten projiziert werden, im Museum Théo Kerg bewundern.

„Déjà-vu“, auf Französisch „schon gesehen“, bezieht sich auf die tranceartigen Zustände, während derer man das Gefühl hat, eine bestimmte Situation schon einmal erlebt zu haben. Seine „Sirenen“ spielen an auf die halbmenschlichen Wesen, gegen deren verführerischen, ins Verderben lockenden Gesang sich der Seefahrer Odysseus am Mast seines Schiffes festbinden ließ, während er seinen Männern die Ohren verstopfte. Die Frauengestalten Stiers wirken im Gegensatz dazu ausgeliefert und hilflos, zudem tauchen sie vollkommen geräuschlos und unendlich langsam ins Wasser.

In extremer Zeitlupe bewegt sich auch die Artistin seines Videos „con torso“, die ihren Körper extrem verrenkt. Bei „Floating“ treiben Menschen schwerelos durch einen schwarzen Raum – die Assoziation mit Computer-Bildschirmschonern drängt sich auf. Die Figuren wurden wiederum als „Fotomodifikationen“, eine Art großer Collagen, aus ihrem Kontext herausgenommen und zum Teil einer weiteren Ausstellung.

Für ihn habe Kunst eine große Nähe zum „Urgefühl der Existenz, der Wahrnehmungen und Sinne“, sagte Stier einmal im Gespräch mit der RNZ, und: „Meine Arbeiten changieren, machen vielseitige Bedeutungen sichtbar, drehen sich, lösen sich auf, formen sich neu und bewegen sich auf einander zu wie ein Mann und eine Frau.“

Info: Die Sonderausstellung „Déjà-vu“ im Museum Théo Kerg beginnt mit der
Vernissage am Sonntag, 25. September um 11 Uhr.
Zu sehen ist sie bis einschließlich 30. Oktober, und zwar immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr, mittwochs von 17 bis 19 Uhr sowie
nach Vereinbarung.
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DÉJÀ VU – FRITZ STIER
Sonderausstellung im Museum Théo Kerg
25. September – 30. Oktober 2016

Vernissage: Sonntag, den 25. April 2016, 11 Uhr
Begrüßung: Bürgermeister Hansjörg Höfer und Museumsleiterin Lynn Schoene
Einführung:  Dr. Maria Lucia Weigel
Öffnungszeiten: Mi: 17-19 Uhr, Sa + Sa: 14 -17 Uhr u .n.V.

Fritz Stier, deja vu
Sirenen“ – Videostill, 2014 © Fritz Stier

Fritz Stier : déjà-vus

Fritz Stiers Videoarbeiten sind von einer verstörenden, poetischen Qualität, die den Betrachter niemals unbeteiligt lassen. Es sind inszenierte Vorgänge, in denen jedoch vordergründig so gut wie nichts geschieht; meist wird die Zeit gedehnt, jede noch so kleine Bewegung festgehalten. Traum- oder oft eher Alptraumsequenzen werden ins Bild umgesetzt und wie im Traum bewegt sich die Wahrnehmung aufs Äußerste geschärft, wie durch eine in Zeitlupe versetzte zähe Flüssigkeit. Das Medium Video wird von Stier gezielt als Medium mit eigenem Zeitablauf und größtmöglicher Vermittlung von Wirklichkeits-simulation genutzt.
Wir alle erleben immer wieder radikale Veränderungen in unserem Leben, manchmal von uns selbst ausgelöst, dann wieder durch äußere Einflüsse bewirkt. Indem der Künstler den Mikrokosmos solcher Zustände und ihrer Veränderung beobachtet und dokumentiert, schärft er unseren Blick für das Wesentliche im Leben – das Leben selbst in all seinen Ausdrucksformen und Unwägbarkeiten. Seine Arbeiten feiern das Wunder des Lebens, berühren zentrale Schnittstellen im Leben eines Jeden.
Stiers Methodik ist ein meditatives sich Nähern an eine äußere und innere Form der Existenz. Auch wenn Spannungsmomente eine gewichtige Rolle in den Arbeiten spielen ist ihnen dennoch eine Form der Gelassenheit zu eigen, die die Dinge zulässt und ein Bild des Menschen schafft, das ihn mit sich selbst versöhnt – wenn wir das für uns zulassen.

Text: Dr. Martin Stather (Kunstverein Mannheim)

Fritz Stier

geb. 1951 in Mannheim; Kunststudium (Berlin u. Mannheim); Ausbildung zum Kunst- und Gestaltungstherapeuten; 1980 Gründung von "art now ", einem Kunstraum in Mannheim; Mitinitiator  von "Videocongress" (independent media artists) und Mitherausgeber von „Schauinsland“ (videoart magazine); Mitglied der Künstlergruppe "Tafelrunde" (Düsseldorf. Zürich, Madrid); Seit 1989 Realisation und Organisation von div. Ausstellungen und Festivals u.a. „Abenteuer unter Tage“ Mannheim, Kunst in Aktion“ Mannheim, „Internationale Videotage“ Mannheim/Heidelberg, „Ladenhüter“ Viernheim u.a.;
Seit 1999 Ausstellungsleiter des Kunstverein Viernheim; Seit 2006 Künstlerischer Leiter des Kunsthaus Viernheim; 2010 Mitinitiator von KING KONG Contemporary Art Project; 2015 Mitinitiator von KUNSTFLUG Kongress/Festival.

Ausstellungen (Auswahl):
– 2004 Kunstverein Worms (E)(K) - 2007 Kunstverein Bellevue, Wiesbaden(E) – 2009 bluebabana, Landau/Isar (E) – 2010 Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen/Rh. (G)(K) – 2012 Kunstverein Mannheim (G)(K), - 2013 Kunstverein Leimen (E)  – 2014 Museé Schoenenbourg (France) (G)(K), Kunstverein Schwetzingen (E)(K), Kunstverein Heiden-heim (G), Kunstverein Regensburg (G), - 2016 Designhaus Darmstadt (G)(K), Museum Théo Kerg Schriesheim (E), - 2017 Filmmuseum Frankfurt (G), Konsumverein Braunschweig (E).

Diverse Auszeichnungen und Preise. Lebt und arbeitet in Mannheim und Viernheim.
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RNZ von Montag, 11.Juli 2016
Das Festival mit dem besonderen Stellenwert
Genau 1473 Gäste kamen zu „Schriesheim jazZt“ – Hochkarätig besetztes Programm – Höfer: „Eine große Werbung für unsere Stadt“

Von Carsten Blaue
Schriesheim. Anke Helfrich, Rainer Pusch, Volker Engelberth, Knut Rössler: Jeder einzelne dieser Namen reicht schon, um Jazzfreunde ins Schwärmen zu bringen. „Schriesheim jazZt“ bot sie am Samstagabend alle auf. Die elfte Auflage des Festivals in den Höfen und auf den Plätzen der Innenstadt war besonders hochkarätig besetzt. Schon das beweist, welch besonderen Stellenwert dieses außergewöhnliche Event auch in der Jazzszene genießt. Wenn die Veranstalter des Kulturkreises (KKS) und die beteiligten Winzer und Gastronomen dann noch so viel Glück mitdemWetterhaben,wiediesesMal,dann wird daraus ein lauer Sommerabend des Lächelns und der Freude. Und ein absoluter Erfolg.

KKS-Pressesprecher Dieter Weitz teilte gestern die offizielle Besucherzahl mit: Genau 1473 Gäste aus der ganzen Region bevölkerten die sieben „Spielplätze“ der insgesamt sieben Gruppen. Beim Kulturkreis waren sie schon nach dem Vorverkauf optimistisch gewesen. Doch an den Abendkassen wurden die Erwartungen noch getoppt. Entsprechend froh begrüßte KKS-Vorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer gemeinsam mit Bürgermeister Hansjörg Höfer die Gäste bei der Eröffnung am Alten Rathaus. Sie dankte allen Akteuren, verwies auf die „Hochkaräter“ im Programm und dankte der Stadt, den Sponsoren und der Rhein-Neckar-Zeitung, die den „JazZ“ seit dessen Premiere unterstützt. Höfer freute sich später im Gespräch über die „wunderschöne Atmosphäre“: „Mein großes Lob gilt dem Kulturkreis für dieses gelungene Fest. Es ist eine große Werbung für unsere Stadt. Mein Dank gilt auch den teilnehmenden Gastronomen. Man merkt, dass wir hier inzwischen ein Stammpublikum haben.“ Recht hatte der Bürgermeister. Ein Heidelberger Jazzfan hob auf Anfrage hervor, regelmäßiger Gast bei „Schriesheim jazZt“ zu sein: „Wir bleiben auch nicht an einer Bühne, sondern wir gehen herum und wollen möglichst überall gewesen sein.“

Beim Knut Rössler Quartett zum Beispiel, das nicht nur Jazzstandards wie „Autumn Leaves“ und „All Blues“ spielte und mit Regina Litvinova und Richie Beirach gleich zwei Pianisten aufbot. Oder bei „Echo Jazz Award“-Preisträgerin Anke Helfrich, die erstmals überhaupt mit Bassist Dietmar Fuhr und Schlagzeuger Jens Düppe zusammenspielte – was sie zugab, man aber nicht merkte. Düppe nutzte eine Pause zwischen den Sets, um kurz bei der L.A. Reed Big Band vorbeizuschauen, die neben großen Goodman- und Miller-Stücken sogar Schlagerhaftes wie John Miles’ „Music“ dabei hatte. Bandleader Rainer Heute kennt Düppe von der Big Band des HR. Man plauderte, und Düppe freute sich über „dieses tolle, überschaubare Festival“. Dann klingelte sein Handy. Anke Helfrich bat ihn zurück ans Schlagzeug.

Kammermusikalisch und improvisationsfreudig gab sich auch Saxofonist Rainer Pusch. Mit Pianist Michael Quast und Schlagzeuger Kristof Körner bildete er das Trio „Changes and Things“, das Freunde des Modern Jazz besonders anzog.

Dagegen meinte man im Diehm-Hof in der Oberstadt nicht recht zu hören: Blues- und Countryrock bei „Schriesheim jazZt“? Und das mit Slide-Bars und sogar einer Pedal-Steel-Guitar gespielt? Die Gruppe SMAF sorgte dafür – und man vernahm es mit großer Dankbarkeit.Denn schließlich ist der Blues ein Verwandter des Jazz, der bislang bei Schriesheims Festival immer etwas zu kurz kam.

Jede Menge Spaß und leichtes Zuhören garantierte auch die „Kicks’n Sticks Big Band“ vor dem Zehntkeller. Hier traf man Professor Theo Stemmler, ein „Schriesheim jazZer“ der ersten Stunde. Auch ihm gefiel das Programm: „Eugen Fallmann macht das sehr schön.“ Dieser hatte ja wieder die Bands des Abends engagiert. Zu Anke Helfrich befragt, sagte Stemmler: „Sie ist genial! Aber ihr Programm ist für ein Open Air vielleicht etwas zu anspruchsvoll.“ Ebenso hohe Anforderungen ans Gehör stellte Volker Engelberth im „Goldenen Hirsch“, wurde dafür aber nicht weniger gefeiert. Zugaberufe zu später Stunde auch hier. Und so erklangen die letzten Takte von „Schriesheim jazZt“ erst nach Mitternacht.
(siehe weiteren Bericht)
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RNZ von Montag, 11.Juli 2016
Eine Weltreise für Genießer
Wirte und Köche servierten internationale Gaumenfreuden bei „Schriesheim jazZt“

Schriesheim. (cab) „Schriesheim jazZt“– und isst. Jedes Jahr ist das so. Und immer wieder sorgen die beteiligten Köche und Wirte für kulinarische Überraschungen. Das einzige Problem für die Fans von Jazz und Gaumenfreuden: Man kann unmöglich alles probieren. Die Vielfalt ist einfach zu groß – und sie ist international.

Im Evangelischen Kirchgarten hält sich das „Doppio Gusto“ noch zurück, kredenzt lediglich Panzerotti. „Mono Gusto“ aus Bella Italia quasi. Aber gleich nebenan geht es zur Sache.

Marcus Schleicher vom „Strahlenberger Hof“ hat die US-Südstaatenküche geöffnet: Pulled Pork Burger, Baked Potatoes, Po’ Boys-Varianten, Austern und Fischsuppe. Unter anderem. Wie soll man sich da entscheiden? Schwierig ist es auch im „Kaffeehaus“, das Spanisches auf der Karte hat: spanischen Salat, spanischen Burger, spanischen Flammkuchen, Entrecôte auf spanische Art, Tapas. Langsam dämmert einem, dass es vielleicht keine schlechte Idee ist, die Auswahl der Speisen an diesem Abend konsequenter nach den eigenen Vorlieben auszurichten und weniger nach den Verführungen neuer Geschmackserlebnisse. Denn sonst kommt man sicher nicht weit – und ist schon satt, bevor man überhaupt an jeder Bühne gewesen ist.

Die Vorsätze werden schon im Hof der Küferei Hauser über den Tellerrand geworfen. Das Restaurant „La Perseria“ hat Hähnchencurry, Chili con Carne und vegetarische Sambuse mitgebracht. Eine interkontinentale Auswahl also, die im Schulhof noch ergänzt wird. Hier steht „La Perseria“ nämlich auch, aber mit Falafel, einem Lammcurry mit Spinat und dem Hähnchencurry auf fruchtige Art mit Ananas. Spätestens hier muss man passen, vertröstet sich damit, dass der Fußweg zu den nächstenBühnensicher wieder etwas Platz schafft für noch mehr Genuss. Denn wer will beim „JazZ“ schon ruhen? Dann lieber die 1000 Schritte. Ein wenig funktioniert’s. Vielleicht liegt es auch am Wein.

Majer, Bielig, die WG: So international wie das Essen ist, so lokal ist die Weinauswahl an den meisten Plätzen. Und ziemlich alle Sorten, die in Schriesheims Lagen wachsen, stehen auf den Karten. Das Weingut Jäck hat am Diehm-Hof einen eigenen Stand. Gegenüber steht der Partyservice Muth aus Heddesheim mit gegarter Lammhüfte und ebenfalls Chili con Carne (aber mit Cheddar und Brot). Kommt man zu guter Letzt zu Jürgen Opfermann in den „Hirsch“. Er hat den Grill angeworfen und feine Dips abgeschmeckt, die Ochsenfetzen, marinierterLammhüfteund Wildschweinbratwürsten eine besondere Note verleihen. Eine Quiche von Sommergemüse rundet alles ab.

Weil alles so lecker ist, rührt das komische Gefühl in der Magengegend von etwas anderem her. Es kann eigentlich nicht sein, dass bei einem so etablierten Festival nicht alle Höfe von Schriesheimer Gastronomen betreut werden. Dass zudem ein und dasselbe Restaurant gleich an zwei Bühnen serviert, sollte auch nicht vorkommen, wenn man an das große gastronomische Angebot in der Weinstadt denkt. So könnte etwa im „Kaiser“ nächstes Jahr wieder die Musik spielen – und vielleicht fühlt sich ja auch noch der eine oder andere Schriesheimer Wirt dazu inspiriert, ein Teil dieser großartigen Sache zu werden, auf die alle beteiligten Akteure so stolz sein können.
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Samstag, 9. Juli 2016: Schriesheim jazZt

Am 2. Julisamstag wird unsere Weinstadt mal wieder grooviges „Epizentrum“ der Metropolregion sein: Schriesheim jazZt zum elften Mal auf den Plätzen, Straßen und Gassen der Altstadt!

Die Bühne auf dem Marktplatz vor dem alten Rathaus ist wieder Plattform für den „Take-off“ des traditionellen Sommerfestivals, das von Bürgermeister Hansjörg Höfer als Schirmherr um 19:30 Uhr eröffnet wird.

Download des Plakates: hier ...
Download des Spielstättenplans: hier ...

Um 20:00 Uhr starten dann die einzelnen Formationen auf sieben verschiedenen Bühnen der Altstadt mit ihren ersten Sets:

  • Knut Rössler Quartett im Evangelischen Kirchgarten
  • Anke Helfrich Trio im Strahlenberger Hof
  • L.A. Reed Bigband vor dem alten Rathaus
  • Rainer Pusch´s Changes and Things Trio im Hof der Küferei Hauser
  • SMAF in der Oberstadt
  • Kick´n Sticks Bigband vor dem Zehntkeller
  • Volker Engelberth Quintett im Hof des Rest. „Zum goldenen Hirsch“

Anke Helfrich Kick´n Sticks Bigband
Rainer Pusch L.A. Reed Bigband
SMAF Volker Engelberth Quintett
 
Knut Rössler  
Fotos: Fotos wurden von den jeweiligen Musikern zur Verfügung gestellt.

Nach jeweils 45 Minuten folgt eine 15-minütige Pause – Zeit, um vielleicht zu einer weiteren Band auf einer anderen Bühne zu gehen oder einen kulinarischen Zwischenstopp einzuschieben.

Apropos „kulinarisch“: neben musikalischen Highlights sind natürlich auch wieder diverse Schlemmereien zu erwarten. Die beteiligten Gastronomiebetriebe - Ristaurante La Pineta / Bistro Doppio Gusto im Evangelischen Kirchgarten, Strahlenberger Hof im urigen Innenhof des Restaurants, Kaffeehaus Schriesheim vor dem Alten Rathaus, La Perseria im Hof der Küferei Hauser, das Weingut Max Jäck in der Oberstadt, die Winzergenossenschaft Schriesheim und La Perseria vor dem Zehntkeller und das Restaurant „Zum Goldenen Hirsch“ im eigenen weinbelaubten Hof - sorgen für „sommerlich- jazzige“ Überraschungen…!

Weitere Infos und Näheres zu den einzelnen Ensembles werden wir im Mitteilungsblatt der Stadt Schriesheim, Ausgaben Nr. 25 – Nr. 27, bekannt gegeben.

Eintritt für das Gesamtprogramm mit 7 Bands auf 7 Bühnen: 12,50 Euro im Vorverkauf in der RNZ-Geschäftsstelle Schriesheim, in Utes Bücherstube, im Laden der Winzergenossenschaft Schriesheim sowie bei allen beteiligten Gastronomiebetrieben. Abendkasse: 15,00 Euro. Jugendliche, Schüler, Auszubildende und Studenten zahlen generell 5 Euro (nur an der Abendkasse). Für Kinder, die noch nicht zur Schule gehen, ist der Eintritt frei.

Wir haben hoffentlich neugierig gemacht und erahnen lassen, was bei
Schriesheim jazZt am 9. Juli 2016, DEM groovigen, swingenden,
rockigen Happening an der Bergstraße, abgehen wird…!
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Bilder (Auswahl) der 1. Sonderausstellung 2016: PLASMA
  1. Sonderausstellung, Plasma  
  Fritz Eicher
Bürgermeister Stellvertreterin Dr. Barbara Schenk-Zitsch , Hartmuth Schweizer
Dr. Maria Lucia Weigel, Lynn Schoene
 
Foto: Hans Waldenmayr

 
1. Sonderausstellung, Plasma 1. Sonderausstellung, Plasma 1. Sonderausstellung, Plasma
Fritz Eicher
Leben unter Wasser / Wasserturm (oben), 2016 Habitat 1, II, II (unten), 2016
Eicher & Schweizer
Ausstellungsansicht EG
Hartmuth Schweizer
Entropie leuchtet, 2016
1. Sonderausstellung, Plasma 1. Sonderausstellung, Plasma 1. Sonderausstellung, Plasma
Hartmuth Schweizer
Blutschiff 2015
Hartmuth Schweizer
Metamorphose, 2016
Hartmuth Schweizer
Labor, 2016
1. Sonderausstellung, Plasma 1. Sonderausstellung, Plasma 1. Sonderausstellung, Plasma
Fritz Eicher
Plankton Licht Reaktoren, 2016
Fritz Eicher
Vier Türme, 2009
7, 4,5 & X
Fritz Eicher
Das Vertikale Dorf, 2016
Fotos: Kunstblog Mannheim
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FEUILLETON der RNZ von Samstag/Sonntag, 07./08. Mai 2016
Wo Bienen brummen und Schimmel gedeiht
Fritz Eicher und Hartmuth Schweizer mit „Plasma“ im Museum Théo Kerg in Schriesheim

Von Julia Behrens

Künstler haben die Welt schon immer auf individuelle Art vermessen. Seit den 1960er Jahren spielte dabei verstärkt die „Sichtbarmachung“ sozialer, politischer, ökonomischer und kultureller Strukturen eine Rolle. Auch die Darstellung naturwissenschaftlicher Phänomene und ökologischer Probleme gewann zunehmend an Bedeutung, so dass diese Richtung bis heute einen wichtigen Platz in der zeitgenössischen Konzeptkunst einnimmt.

Fritz Eicher und Hartmuth Schweizer zeigen jetzt in ihrer Gemeinschaftsausstellung „Plasma“ im Museum Théo Kerg in Schriesheim, wie Kunst naturwissenschaftliche Erkenntnisse aufgreifen und daraus Werke mit gesellschaftsrelevanten Inhalten generieren kann.In diesem Zusammenhang spielt der Titel „Plasma“ im Sinne des Begriffs „Protoplasma“ auf die Zell- und Urform allen Lebens an.

Fritz Eicher (geb.1951) befasst sich auf beeindruckend vielen Ebenen mit der Natur: Einerseits nützt der in Bad Dürkheim lebende Künstler Pflanzen als Sujet, andererseits setzt er organische Prozesse – unter anderem das Wachstum von Moos, Algen oder Pilzen – als bildkünstlerische Mittel ein. Außerdem schafft Eicher, der an der Kunstakademie Düsseldorf studierte, in groß angelegten Projekten Lebensräume für Flora und Fauna, in denen seine Handschrift sichtbar bleibt. Zum Beispiel in seinen von orientalischen Mustern durchzogenen Wildbienenhäusern, in denen er seine Hinwendung zum Ornament mit der Markierung der Einfluglöcher der Bienen verbindet. Durch die Aufstellung seiner kunstvollen Kästen in Europa und China trägt Eicher zum Erhalt der Wildbiene bei und macht gleichzeitig auf die Bedrohung dieser ökologisch äußerst wichtigen Insektenart aufmerksam. Auch in seine leuchtend grünen Algen-Generatoren lässt der Künstler aktuelle Forschungsergebnisse mit einfließen und sensibilisiert den Museumsbesucher für ganz neue, revolutionäre Möglichkeiten der Nahrungs- und Energiegewinnung. Jedes Mal aber kommt der ästhetischen Anmutung der Exponate eine große Bedeutung zu und weist sie eindeutig als Kunstwerke aus.

Das ist auch bei Hartmuth Schweizer (geb. 1949) nicht anders. Bevor er an die Kunstakademie in Karlsruhe ging, hatte Schweizer in Saarbrücken Biologie, Physik und Chemie studiert. Seine Liebe zu den Naturwissenschaften spiegelt sich bis heute in hochinteressanten Objekten und Versuchsanordnungen. Dabei dient dem in Walldorf ansässigen Künstler vor allem das in der Natur enthaltene Wechselspiel von Ordnung und Chaos, von Werden und Vergehen, von Geometrie und Asymmetrie als Impulsgeber und Inspiration. Gern arbeitet er mit vergänglichem Material, weil es spannende Zufallsprozesse auslöst und sich permanent verändernde Ergebnisse zeitigt. Tatsächlich sind die in Petrischalen gezüchteten Schimmelkulturen, die der Künstler auch fotografisch festhält, von seltsamer Schönheit. Ihre runde Grundform korrespondiert mit Schweizers Faszination für den Kreis, der – auch im Rekurs auf kosmische Zusammenhänge– durchgängig in seinem Oeuvre auftaucht. Eine Fülle unerwarteten plastischen Ausdrucks findet an anderer Stelle in einer Reihung fledermausartiger Gebilde aus Perlonstrümpfen, Ästen, Wachs und Asphalt, auch hier entsteht die jeweilige Arbeit fast von selbst, mit unvorhersehbarem Ergebnis.

Wie eine Hommage an Dieter Roth liest sich schließlich Schweizers „Laborinstallation“ – ein bis heute benutzter Tisch mit einer Unmenge von gefüllten Reagenz- und Einmachgläsern sowie offen gelagerten Naturmaterialien und einem Mikroskop – zur Erforschung von organischen Systemen und privaten Parametern.

Die Ausstellung „PLASMA“ im Museum Théo Kerg ist bis Sonntag, 29. Mai, zu sehen. Geöffnet ist das Museum in der Talstraße 52 samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie mittwochs von 17 bis 19 Uhr, außerdem ist der Besuch nach Vereinbarung möglich.
Telefonische Auskünfte dazu unter 0 62 03 / 95 28 19 oder per Mail an museum@kk-schriesheim.de. Parkmöglichkeiten gibt es auf dem Festplatz vor dem Rathaus.

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RNZ von Donnerstag, 28.April 2016
Wo die Schimmelkultur zur Kunst wird
Beeindruckend: Das Kerg-Museum zeigt unter dem Titel „PLASMA“ die Werke von Fritz Eicher und Hartmuth Schweizer

Von Karin Katzenberger-Ruf Schriesheim. Nicht jeder hat ein Auge für die künstlerische Schönheit von Schimmelkulturen oder von Fraßgängen, die Ameisen und Käfer in Totholz hinterlassen. Die Ausstellung „PLASMA“, die jetzt im Museum Théo Kerg eröffnet wurde, könnte die Sichtweise verändern.

Wie bereits berichtet, präsentieren mit Fritz Eicher aus Bad Dürkheim und Hartmuth Schweizer aus Walldorf zwei Künstler ihre Werke, die eine besondere Beziehung zu den Naturwissenschaften haben. Bei der Vernissage verglich Kunsthistorikerin Dr. Maria Lucia Weigel den schöpferischen Prozess mit der Erkundung der Welt. Ihren Worten nach besticht die Ausstellung durch eine besondere optische Fülle und Vielgestaltigkeit. In der Tat ist die Mischung zwischen Zeichnungen, Skulpturen und Objekten gelungen.

Die Architektur der Natur und ihre Baupläne haben Fritz Eicher, Jahrgang 1951, von Kindheit an fasziniert. Für ihn ist der Bezug zwischen Insektenbehausungen und großstädtischen Wohnanlagen naheliegend, und das bringt er auch zum Ausdruck. Der „Do-it-yourself-Biologe“ kennt sich nicht nur gut in der Welt der Pilze samt deren unterirdischen Vernetzungen aus, sondern besitzt selbst Bienenvölker und benutzt die Waben wiederum als Arbeitsmaterial.

Auch Hartmuth Schweizer, Jahrgang 1949, arbeitet gerne mit Bienenwachs, aber eben auch mit besagten Schimmelkulturen. Auf den ersten Blick Abstoßendes und Ekelerregendes in Gläsern mit konservierenden Flüssigkeiten ausstellen: Da muss man erst mal drauf kommen. Schweizer experimentiert aber auch gerne mit Wurmerde und Seegras sowie den Wirbelknochen vom Pferd.

Zu seiner Vita gehören die Tätigkeit als Kunsterzieher am Gymnasium in Walldorf und jene als Kunstbeauftragter der Stadt. Bei der Vernissage im Kerg- Museum begrüßte Vize-Bürgermeisterin Dr. Barbara Schenk-Zitsch die zahlreich erschienenen Gäste. „Wirklich witzig“ sei die Ausstellung, sagte eine Besucherin und dass sie sich das alles nochmals zusammen mit einer Freundin anschauen wolle, die heute keine Zeit gehabt habe.

Den „Algen-Reaktor“ von Fritz Eicher hatte sie da schon genauer unter die Lupe genommen. Ebenso die Installation mit allerlei Messgeräten von Hartmuth Schweizer.

Doch was daran ist die Kunst? Es mag das Strukturierte und Rhythmisierende in den Darstellungen und Anordnungen sein, der Verweis auf das Vergängliche, das Wandelbare in Farbe, Form und Stofflichkeit. Und die im Schaffensprozess kreierte Ästhetik, mit der die beiden Künstler das genuin Naturwissenschaftliche zum Ausgang künstlerischen Ausdrucks machen. Und nicht zuletzt ist es die kreative Kraft des Natürlichen selbst, der sich beide bedienen. Dass das Wort „Plasma“ aus dem Griechischen stammtund „Gebilde“ bedeutet, hatte Dr. Barbara Schenk-Zitsch vor der Ausstellungseröffnung nachgelesen.

In der Physik bezeichnet man damit dagegen einen Aggregatzustand. Die experimentierfreudigen Künstler Eicher und Schweizer haben sich vor der Gemeinschaftsausstellung übrigens gar nicht gekannt, passen aber ihr Werk betreffend prima zusammen. Da hatte Kuratorin Lynn Schoene einfach wieder ein gutes Händchen.

Die Ausstellung „PLASMA“ im Museum Théo Kerg ist bis Sonntag, 29. Mai, zu sehen. Geöffnet ist das Museum in der Talstraße 52 samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie mittwochs von 17 bis 19 Uhr, außerdem ist der Besuch nach Vereinbarung möglich.
Telefonische Auskünfte dazu unter 0 62 03 / 95 28 19 oder per Mail an
museum@kk-schriesheim.de.
Parkmöglichkeiten gibt es auf dem Festplatz vor dem Rathaus
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Schriesheim: Ausstellung von Fritz Eicher und Hartmuth Schweizer im
Kerg-Museum eröffnet

Außergewöhnliche Künstler verwenden organisches Material

Von unserer Mitarbeiterin Gerlinde Gregor

Mit Plasma im Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Kunst beschäftigten sich zwei außergewöhnliche Künstler. Fritz Eicher und Hartmuth Schweizer präsentieren noch bis zum 19. Mai im Kerg-Museum Schriesheim eine Ausstellung mit Skulpturen und Installationen, die jeder Betrachter auf seine eigene Weise interpretiert und versteht.
Schriesheims Bürgermeister-Stellvertreterin Barbara Schenk-Zitsch übersetzte "Plasma" mit "Bild". Diese neue und ungewöhnliche Darstellungsweise aus organischen und alltäglichen Materialien eröffne dem Betrachter ganz neue Welten, zeige Metamorphosen und rege zu eigenen Interpretationen und Fantasien an.
Lynn Schoene, die Leiterin des Museums, begrüßte die vielen Besucher der Vernissage. Ihr war es gelungen, die beiden Künstler für eine Ausstellung zu gewinnen. Die promovierte Kunsthistorikerin aus Heidelberg, Maria Lucia Weigel, führte in die Ausstellung ein. "Es sind Momentaufnahmen eines sich stetig weiter entwickelnden kreativen Prozesses", führte sie aus. Während der Künstler Fritz Eicher seinen Schwerpunkt auf architektonische Strukturen aus der Natur lege, greife sein Kollege Hartmuth Schweizer die vielseitigen Erscheinungen in der Natur auf und verleihe ihr einen künstlerischen Hauch.
Fritz Eicher beschäftigt sich in seinen Werken mit der Frage: Wird nach dem Ansteigen des Meeresspiegels überhaupt ein Überleben möglich sein? Dabei geht es ihm weniger um das einzelne Individuum, sondern um das Ganze. Er bedient sich dabei nachhaltiger Baumaterialien. Eines seiner Werke nennt er "Megacities". Dabei handelt es sich um Behausungen, die von Käfern ausgehöhlt wurden und jetzt von Wildbienen besiedelt werden. Der Künstler verfremdet diese Behausungen und stellt sie als eine Wohnanlage in Großstädten dar. Als Werkstoffe dienen ihm dabei auch Waben von Wespen.
Gefäße mit Teichwasser gefüllt
Seit seiner Studienzeit ist er auch vom Zusammenleben von Pilzen mit Bäumen fasziniert. Ungewöhnlich und faszinierend zugleich sind seine "Algengeneratoren", Gefäße mit Teichwasser gefüllt, die als Nahrung für Algen dienen. Mit dieser Installation will er ausdrücken, dass Algen als Nahrungsmittel ein Überleben sichern kann.
Auch die Werke von Hartmuth Schweizer beschäftigen sich wissenschaftlich und künstlerisch mit der Schönheit und der Ästhetik in der Natur. Er versteht es, den für viele Betrachter oft ekelerregenden Schimmelkulturen eine Ästhetik zu verleihen. Beeindruckend und vielsagend zugleich ist die Installation eines Labors. Auf einem Tisch und in Regalen befinden sich in Reagenzien und Gläsern unterschiedliche Materialien, sogar Blut. Daneben liegen ein aufgeschlagenes Lehrbuch und ein chirurgisches Besteck. "Hier werden künstlerische Kriterien mit wissenschaftlicher Methodik zusammengebracht", so die Kunsthistorikerin.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 26.04.2016
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PLASMA
FRITZ EICHER & HARTMUTH SCHWEIZER
SONDERAUSSTELLUNG IM MUSEUM THEO KERG:       

24. APRIL – 29. MAI 2016

VERNISSAGE: SONNTAG, 24. APRIL, 11 UHR
BEGRÜSSUNG: BÜRGERMEISTER STELLVERTRETERIN
DR. BARBARA SCHENK-ZITSCH

EINFÜHRUNG:  DR. MARIA LUCIA WEIGEL
ÖFFNUNGSZEITEN: MITTWOCHS 17-19 Uhr, SA +SO 14 -17 UHR

Fritz Eicher, Algenreaktionen Fritz Eicher, Plankton Licht Reaktor Hartmuth Schweizer, Schimmelkultur Pflaume

In der Idee interdisziplinärer Arbeit sehen Fritz Eicher und Hartmuth Schweizer die Möglichkeit Verfahren zu nutzen, die über die klassischen künstlerischen Abbildungs- und Darstellungsmethoden hinaus Fragestellungen sichtbar machen, die nur an der Grenze zwischen Wissenschaft und Kunst auftreten können. Die von beiden hier vorgestellte künstlerische Praxis in der Arbeit mit organischen Materialien, aber auch mit ursprünglich kunstfernen Objekten und Installationen kann den Betrachter für Wahrnehmungen sensibilisieren, die traditionelle ästhetische Kategorien der Kunst in Frage stellen.
Seit Jahren beteiligt sich deswegen der Künstler Fritz Eicher am ökologischen Diskurs, reflektiert die Architektur und entdeckt nachhaltige Nahrungsmittel, die häufig noch nicht in unser gemeinsames Bewusstsein gedrungen sind. Durch seine Pilz-Herbarien, Algen-Reaktoren und seine, aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse optimierten Bienenhäusern, stellt er ein Beziehungsgeflecht zur natürlichen Umwelt, zum eigenen Körper her.
Im Dunkel des Raumes leuchten biolumineszente Pilze, es werden Räume mit unendlichen Reihungen von grüner „Algensuppe“ inszeniert. In seinem Gartenkunstprojekt „Anthropozän (NATUR IS OVER), 2013“ studierte der Künstler das erstaunliche Wachstum von Pflanzen, das unter dem Eingriff des Menschen stattfindet. 
Ähnlich betrachtet Hartmuth Schweizer natürliche Prozesse. Bei ihm stehen Schimmelkulturen für das Leben und seine zyklische Kraft der Erneuerung. In Sammlungen verschiedenster Naturmaterialien wird die Bedeutung chaogener Muster im Zerfall lebender Strukturen untersucht und in laborähnlichen Installationen sichtbar gemacht. Hautähnliche und knochenartige Materialien verweisen auf zoomorphe Zusammenhänge und stehen exemplarisch für die ursprüngliche, naturhafte Existenz, in der wir uns selbst wiederfinden.

Hartmuth Schweizer, Messungen Fritz Eicher, Algensuppen-Generator Hartmuth Schweizer, Laborinstallation
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RNZ von Samstag/Sonntag, 12./13.März 2016
„Der Tausendfüßler hat das Scannen überlebt“
Noch bis Sonntag ist im Schriesheimer Feuerwehrhaus die Mathaisemarkt-Kunstausstellung „Lichtzeichnungen. Ohne Kamera“ zu sehen

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Die Lautsprecher an den Mathaisemarkt-Karussells schicken ein buntes Durcheinander von Popmusik über den Festplatz, eine verkleidete Mickymaus formt Luftballontiere, und von den Imbissbuden wehen einem verführerische Düfte in die Nase. Nur ein paar Schritte entfernt öffnet sich die Tür des Feuerwehrsaals für die Besucher der Kunstausstellung, und man lässt Lärm und Trubel des Volksfests für einen Moment hinter sich. „Lichtzeichnungen. Ohne Kamera“ ist der schlichte Titel, den der Kulturkreis (KKS) als Veranstalter, Jo Goertz als Kuratorin und Künstler Walter Spagerer gewählt haben, und damit wird schon allerhand gesagt.

Nämlich über die Arbeitsweise des Mannheimer Fotografen: Er blickt nicht durch Linse und Objektiv auf seine Motive, sondern durch die gläserne Platte eines Scanners. Und weil der jedes Detail mit großer Schärfe und Eindringlichkeit wiedergibt, Blätter und Strukturen bis in die feinsten Verästelungen darstellt, passt auch „Lichtzeichnungen“ sehr gut.

Filigrane Gräser sieht man auf den Bildern, Orchideen mit glänzenden, wachsartigen Blättern und einmal auch einen anthrazitgrauen Tausendfüßler, der seinen Chitinpanzer mit den vielen weißlichen Beinen zu einer Schnecke aufgerollt hat. Doch das große Thema des Künstlers ist die Darstellung der Vergänglichkeit, von Werden und Vergehen, für die er immer wieder Hibiskusblüten auf die Scannerplatte gelegt hat. Er stellt sie in präzisem Schwarz-Weiß dar, manche leuchten aber auch rot und violett vor mattschwarzem Hintergrund wie alte Stillleben: Da gibt es eine voll entfaltete Blume, die ihre kräftig- gelben Blätter ausstreckt wie einen aufgespannten Schirm.

Nichts, das hat der Künstler der RNZ bereits im Vorgespräch zur Ausstellung verraten, sah nach dem Scannen noch so aus, wie es die Bilder zeigen: Hitze und helles Licht setzten den Blumen, dem Obst und Gemüse meist so zu, dass sie danach allenfalls noch zu Trockengestecken getaugt hätten – auch das eine wenn auch ungewollte Symbolik für ihre Endlichkeit. „Aber“, und da beruhigt Spagerer die Tierfreunde, „der Tausendfüßler hat das Scannen überlebt“.

Mal zeigt er die Knospe einer Amaryllis, mal eine Iris, doch gerade der Hibiskus mit seinen im Absterben eingerollten Blättern hat es ihm angetan: Die größten der ausgestellten „Scanografien“ zeigen die eigenartigen Gebilde, die beim Verwelken entstehen, ihre Strukturen werden mit harten Hell-Dunkel-Kontrasten hervorgehoben. Automatisch verliert man sich beim Betrachten in Details; fast jeder, der durch die Ausstellung geht, verlangsamt sein Tempo und wird stiller, sogar die Kinder, die an der Hand von Eltern und Großeltern hier herein kommen. „Das ist mein Lieblingsbild“, sagt ein Junge und meint eine fuchsiafarbene Hibiskusblüte, auf deren Blatt ein einzelner Tautropfen glitzert.

Am Eingang sitzt KKS-Mitglied Dieter Seegelken, der die zu Beginn des Volksfests begonnene Besucherzählung fortsetzt. Gestern Nachmittag gegen fünf sind es 450 Menschen, die die Bilder gesehen haben. Viele blättern nach ihrem Rundgang noch das ausliegende Exemplar von Spagerers Bildband „Ohne Kamera“ durch, fasziniert von der ganz speziellen Atmosphäre der Bilder. „Ich nehme das Buch mit für eine Freundin, die nicht zur Ausstellung kommen kann“, sagt eine Besucherin. Für 39,90 Euro ist es zu haben, neben Erläuterungen findet man darin auch noch Prosa und Gedichte, die es dem Künstler besonders angetan haben. Besonders ein Brecht-Zitat scheint auf viele der „Scanografien“ zu passen: „Es gibt keine Kunst ohne Geheimnis.“

Info: Die Mathaisemarkt-Kunstausstellung dauert noch bis Sonntag, 13. März und ist am Wochenende wie folgt geöffnet:
am Samstag von 12 bis 19Uhr
sowie am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.
Der Eintritt ist frei.

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Bilder zur Mathaisemarkt Kunstausstellung 2016
Mathaisemarktausstellung 2016 Mathaisemarktausstellung 2016 Mathaisemarktausstellung 2016
Mathaisemarktausstellung 2016 Mathaisemarktausstellung 2016 Mathaisemarktausstellung 2016
Mathaisemarktausstellung 2016 Mathaisemarktausstellung 2016 Mathaisemarktausstellung 2016
Mathaisemarktausstellung 2016 Mathaisemarktausstellung 2016 Mathaisemarktausstellung 2016
Fotos: Hans Waldenmayr
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Schriesheim: Kunstausstellung des Kulturkreises im Feuerwehrhaus eröffnet / Der Mannheimer Fotokünstler Walter Spagerer zeigt „Scanographien“

Porträts von Kraft und Vergänglichkeit

Von unserem Mitarbeiter Frederick Mersi

Dynamisch und zerbrechlich zugleich stellen sich die Blüten und Blätter in den hochauflösenden Bildern dar - und doch strahlen sie Anmut aus. "Wenn man langsam durch die Ausstellung geht, wird man ganz ruhig", begrüßten Bürgermeister Hansjörg Höfer und die scheidenden Weinhoheiten die Besucher der Vernissage zur Eröffnung der Ausstellung "Lichtzeichnungen. Ohne Kamera". Die Vorsitzende des Kulturkreises, Stadträtin Gabriele Mohr-Nassauer, bezeichnete die Veranstaltung als "die inoffizielle Mathaisemarkt-Eröffnung".

In diesem Jahr konnte der Kulturkreis dafür den Mannheimer Fotokünstler Walter Spagerer gewinnen. Jo Goertz, die im vergangenen Jahr ihre Bilder präsentiert hatte, stellte den Kontakt zu dem an Parkinson erkrankten Künstler her. Bis zum Sonntag, dem 13. März, sind Spagerers "Scanographien", eine Mischung aus Scans und Fotografien, im Feuerwehrhaus zu sehen, ja zu bewundern. In Farb- oder Graustufen präsentieren sich dort unterschiedlichste Pflanzen und sogar ein Tausendfüßler in beeindruckender Detailschärfe. "Ich bin seit Jahren ein großer Fan von Walters Bildern", sagte Kuratorin Goertz in ihrem Grußwort. Gudrun Schön-Stoll, selbst freischaffende Künstlerin in Ladenburg, ging in ihrer Laudatio zunächst auf den Lebensweg Spagerers ein. In der Schule habe dieser großes Interesse an Bildender Kunst und Chemie gehabt, das Interesse an Letzterer sei ihm "durch einen Lehrkörper abhandengekommen". Trotz seiner Leidenschaft für Kunst begann Spagerer zunächst ein Germanistikstudium, das er laut Schön-Stoll nach "exakt zwei Stunden" abbrach. An der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe platzte erst nach einigen Semestern der Knoten.

Zur "Scanographie" kam der Mannheimer Künstler durch seine Krankheit, die für ihn die Fotografie immer schwieriger machte - und durch Zufall. Er habe eine fast verwelkte Mohnblume auf seinem Nachttisch "aus einem inneren Impuls" auf den Scanner geworfen, so Schön-Stoll. Es war der Anfang eines eindrücklichen Werkzyklus, bei dem der Zufall durch das Werfen der Objekte nach wie vor eine wichtige Rolle spielt: "Eine gelegte Komposition war ihm immer zu starr. Das Unplanbare wird zur zweiten schöpferischen Kraft", sagte Schön-Stoll.

In vielerlei Hinsicht stellt Spagerer mit seinen Objekten somit die großen Thematiken des Lebens dar: Fruchtbarkeit und Vergänglichkeit, Kraft und Zerbrechlichkeit, Ungeplantes und Genauigkeit.

Im Ausstellungsraum nimmt ein dreiteiliger Zyklus von Hibiskusblüten eine dominante Stellung ein, für Schön-Stoll ein Ausdruck der Schönheit des Alternden und Vergehenden. "Haben Sie keine Angst vor dem Nichts", schlug Schön-Stoll die Brücke zum Leben und Sterben selbst: "In diesem Nichts ist alles Vorangegangene enthalten, nur nicht mehr sichtbar." Als in sich ruhender und zum Nachdenken anregender Kontrapunkt zum Spektakel des Mathaisemarkts erwarten Spagerers Werke und der Schriesheimer Kulturkreis nun zahlreiche weitere Betrachter.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 05.03.2016
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RNZ von Samstag/Sonntag, 05./06.März 2016
Junges Gemüse und reife Früchte
Die Kunstausstellung des Mathaisemarktes eröffnete gestern Nachmittag im Feuerwehrhaus – mit „Scanografien“ von Walter Spagerer

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim.Das Grünzeug fällt ins Auge: Gleich neben den Laugenhäppchen am Eingang zum Feuerwehrsaal ist anstelle der sonst üblichen Blumentöpfe eine dicke Fenchelknolle postiert, daneben Brokkoliröschen und feinblättrige Ranunkeln. Floristin Marlies Edelmann hat die ungewöhnliche Deko abgestimmt auf das Plakat der diesjährigen Mathaisemarkt- Kunstausstellung, die einen filigranen Brokkoli zeigt. „Lichtzeichnungen. Ohne Kamera“ heißt die Werkschau des Mannheimer Künstlers Walter Spagerer, der sich in den letzten 11 Jahren von allem inspirieren ließ, was grün und lebendig ist.

Viel sieht man zunächst nicht von den 40 groß- und kleinformatigen Arbeiten, denn die Vernissage hat eine Menge Besucher angezogen. Bürgermeister Hansjörg Höfer freut sich, dass sie trotz des „garstigen Wetters“ gekommen sind, kann sich aber auch erklären, warum: „Wenn man die Bilder betrachtet, wird man ganz ruhig.“ Und ein wenig nervös sei er schon vor dem Mathaisemarkt. Das sind auch die Weinhoheiten bei ihrem letzten Auftritt vor der Abkrönung. Doch diesen, versichert Weinkönigin Stefanie Keller,werde sie nun richtig genießen.Für den Kulturkreis (KKS) als Ausrichter begrüßt Vorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer Kuratorin Jo Goertz: Letztes Jahr noch selbst ausstellende Künstlerin, sei der Fotografin jetzt die Ausstellung mit Spagerer zu verdanken. „Ich bin schon seit Jahren ein großer, großer Fan von Walters Bildern“, sagt Goertz und gibt das Mikro an Gudrun Schön-Stoll weiter.

Die Ladenburger Künstlerin und Poetin trägt als Einstieg in ihre Laudatio ein selbst geschriebenes Gedicht vor. „Wenn Kunst und Mensch und Mensch und Kunst im Dialog sich finden“, beginnen die eindringlichen Verse, bevor sie zu Spagerers Vita überleitet. 1948 geboren, studierte er ab 1970 an der Karlsruher Kunsthochschule bei Horst Egon Kalinowski, der ihn mit seinen Lederplastiken nachhaltig beeinflusste. Später Kunsterzieher an einer Mannheimer Schule, wurde er vor 30 Jahren mit der Diagnose „Parkinson’sche Krankheit“ konfrontiert, die ihn nach 20 Berufsjahren zum Aufhören zwang. In der folgenden Zeit fotografierte und experimentierte der Künstler; 2005 legte er statt eines Briefs eine Mohnblüte auf seinen Scanner. Es war der Beginn seiner „Scanografien“, und dieser leicht welken, zarten Pflanze folgten in den nächsten Jahren Hunderte anderer Gewächse. Er arrangiere sie nicht, sondern werfe sie auf das Gerät, erklärt Schön-Stoll: „Das Unvorhersehbare, Unplanbare wird zur zweiten schöpferischen Instanz.“

Auf- und Durchlicht-Technik beim Scanner erzeugten eine „fast schon mikroskopische Genauigkeit der Details“ mit Strukturen, die hauchzart und doch präsent seien. Vieles werde später am Computer nachbearbeitet, mit Farben werde der Zyklus von der frischen Pflanze über das filigrane Gebilde bis zur Schönheit des Alters und Vergehens vertieft. Kontraste bildeten Symbole des Lebens wie ein Gingkoblatt oder ein Granatapfel. Dargestellt mit narbiger Struktur, ist er auf einem großformatigen Bild zu sehen. Vorn am Eingang hängt die Mohnblüte: Ihre schwarz-weißen, fein strukturierten Blätter machen die Faszination nachvollziehbar, die die „Scanografien“ auf Spagerer ausübten. Nicht nur auf ihn.

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RNZ von Samstag/Sonntag, 30./31.Januar 2016
Gemüse aus dem Scanner
KKS zeigt in seiner Mathaisemarkt-Ausstellung die Werke von Walter Spagerer

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Soll das Bild mit dem leuchtend fuchsiafarbenen Hibiskus auf das Ausstellungsplakat oder doch lieber der Mohn mit seinem behaarten Stiel? Noch ist Zeit für derartige Überlegungen, denn die Kunstausstellung des Kulturkreises (KKS) wird erst am 4. März mit der Vernissage eröffnet. Doch die Verantwortlichen um die neue Kuratorin Jo Goertz haben die Qual der Wahl aus unzähligen Bildern, die sie aus dem Oeuvre von Walter Spagerer aussuchen dürfen. Der Künstler und Fotograf ist ein Freund von Goertz; letztes Jahr stellte sie bei der Reihe „Foto-Talk“ im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum auch seine Werke vor, und für dieses Jahr gewann sie ihn für die Schau im Feuerwehrhaus.

Immerhin, der Titel steht schon fest: „Lichtzeichnungen. Ohne Kamera“ lautet er und sagt viel aus über die Arbeitsweise Spagerers. Denn er arbeitet viel mit der Kamera, aber auch mit moderner PCTechnik. Sein „Instrument“ ist ein handelüblicher Scanner, der im Laufe der Jahre Pflanzen, Obst und sogar kleine Tiere ablichtete: Vieles davon ist bald in der Kunstausstellung zu sehen. Die Abbildung der Mohnblüte war für ihn vor Jahren das Aha-Erlebnis, das ihm nach und nach die technischen Möglichkeiten der von ihm „Scanografie“ genannten Arbeitsweise eröffnete. Die Besonderheit ist dabei, dass die Belichtung von unten durch das Gerät und von oben ausdemDeckel erfolgtundso Bilder von großer Schärfe, aber auch räumlicher Dimension entstehen. Obst hat er so abgebildet, Amaryllisblüten oder auch einen Brokkoli, der mit seinen präzise modellierten Schatten beinahe wie eine Skulptur wirkt.

Auf der Staatlichen Kunstakademie Karlsruhe beschäftigte sich der 1948 geborene Mannheimer einst mit Skulpturen, studierte bei Horst Egon Kalinowski und wurde schließlich Kunsterzieher an einer Mannheimer Gesamtschule. Die Parkinson’sche Krankheit zwang ihn zum Aufhören, und in den folgenden Jahren widmete er sich ganz der Kunst.

Im Oktober erschien im Verlag „dpunkt“ der Bildband „Ohne Kamera“, außerdem wurden Bilder von ihm in Mannheim, Frankfurt, Heidelberg, Bochum oder Paris gezeigt. Bei www.spagerer- fotokunst-blogspot.de kann man sich auch im Internet einen Überblick verschaffen, jedoch wirken die Bilder im Ausstellungsformat DIN A 2 viel intensiver.

Das Wirsingblatt in seinen prächtigen Grüntönen scheint wie mit dem Scheinwerfer angestrahlt zu sein, die kräftigen Blattrippen werden herausgearbeitet, so dass man den Eindruck eines unbelaubten Baumes hat; Rosenblüten mit leicht welken Blättern erinnern an Trockenblumensträuße, eine flaumige Iris stellt zeigt gebrochene Farbtönen mit Weiß und zartem Grün. Nicht das Perfekte oder Plakative faszinieren Walter Spagerer, sondern die Vielfalt und Endlichkeit seiner Modelle: „Wenn ein Hibiskus verwelkt, sieht er immer aus wie eine kleine Plastik“, sagt er und zeigt die eingedrehten Blätter.

Seine Experimente mit Farben bringen leichte Verfremdungen hervor, arbeiten Manches heraus, was beim flüchtigen Betrachten nicht aufgefallen wäre. Detailverliebt zeigt er charaktervolle Gräser und trockene Blütenstände, die man im Beet vielleicht abgeschnitten hätte. Immer wieder sind die KKS-Mitglieder begeistert: Man darf jedenfalls gespannt sein, welches Motiv sie und Spagerer letztlich für das Ausstellungsplakat wählen.

Info: Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 4. März, um 17 Uhr mit einer Vernissage und einführenden Worten der Ladenburger Künstlerin Gudrun
Schön-Stoll, zu sehen sind die etwa 60 „Scanografien“ an beiden Fest-Wochenenden.
Der Eintritt ist frei.

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Mathaisemarkt-Kunstausstellung 2016
Lichtzeichnungen. Ohne Kamera


Walter Spagerer mit Scanogrammen, fotografische Meisterwerke aus dem Scanner

Eröffnung: Freitag, 4. März 2016, um 17:00 Uhr im Haus der Feuerwehr

Einführung mit der Ladenburger Künstlerin Gudrun Schön-Stoll

Ausstellungsdauer:   bis Sonntag, 13. März 2016

Öffnungszeiten: samstags 12-19 Uhr, sonntags 11-18 Uhr sowie
Montag, Dienstag und Freitag 16-19 Uhr

Wie die Presse bereits ausführlich berichtete, wird die diesjährige Mathaisemarkt-Kunstausstellung in einem besonderen LICHT stehen.
Im Fokus der traditionellen Expo im Schriesheimer Feuerwehrhaus stehen „Lichtzeichnungen. Ohne Kamera“, beeindruckende, facettenreiche, ästhetische Werke des Mannheimer Fotografen und Fotokünstlers Walter Spagerer.
Die Arbeiten, entstanden aus der Kombination fotografischer Verfahren mit dem Scanner und modernster Digitaltechnik,  zeigen wunderbar filigrane, faszinierende Strukturen aus der Natur. Zu sehen sind Blätter, Blüten und andere Pflanzenteile in erstaunlichen Perspektiven, in einer Beleuchtung aus dem Zusammenspiel von Durchlicht und Auflicht.
Zur Eröffnung der Ausstellung mit rund 60 Werken wird der Künstler anwesend sein.

Mathaisemarkt - Kunstausstellung Mathaisemarkt - Kunstausstellung Mathaisemarkt - Kunstausstellung
     
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Bilder zur Matinée mit Prof. Jochen Hörisch
Matinee mit Jochen Hörisch Matinee mit Jochen Hörisch Matinee mit Jochen Hörisch
Fotos: Hans Waldenmayr
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Schriesheim: Matinee im Kerg-Museum / Jochen Hörisch sprach über die Funktion der Kunst

Vom Pfau und der Krähe

Von unserer Mitarbeiterin Gerlinde Gregor

Es war nicht gerade eine leicht verdauliche Kost am frühen Sonntagmorgen, die der Kulturkreis des Kerg-Museums den Kulturfreunden mit dem philosophischen Titel "der schöne und notwendige Überfluss - Zur Funktion der Kunst?" servierte. Es referierte der Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaftler Professor Jochen Hörisch.

Das Thema versprach, so interessant und packend zu sein, dass die 70 vorbereiteten Sitzgelegenheiten im Obergeschoss des Museums bei Weitem nicht ausreichten. Viele Besucher der Matinee mussten sich deshalb mit einem Stehplatz oder einen Platz auf der Treppe zufrieden geben. Es sollte sich lohnen: Jochen Hörisch verstand es, das hoch wissenschaftliche und philosophische Thema so auszuführen, dass es auch für Laien und Nichtkunstexperten verständlich war.

Begrüßt wurden die Gäste von Lynn Schoene, die auch die einführenden Worte sprach und musikalisch von Knut Rössler auf dem Saxofon von Werner Goos an der Gitarre. Mit jazzigen Klängen bekannter Komponisten brachten sie richtig Schwung ins Museum. Hörischs Betrachtungen über das komplexe Thema "Kunst" lässt sich auf einen Nenner herunterfahren.

Kunst als Abwehr des Bösen

Die frühe Kunst der Höhlenmalerei mit den auf die Wände gemalten wilden Tieren sollte das Böse und das Unheil von den Menschen abhalten und dem Betrachter Mut zusprechen. Im krassen Gegensatz dazu steht die Malerei der Moderne. Hier wird nicht mehr bildhaft exakt das Reale dargestellt, hier wird Interpretation und Vieldeutigkeit reingelegt.

Als Beispiel nannte Hörisch, dass man eine Flasche als "halbvoll oder halbleer" sehen könne, das liege im Auge des Betrachters. Er verwies auf den Philosophen Platon, der Kunst mit "falschem Schein hinter dem Wahren", beschreibt. Als Beispiel hierfür stehe der Pfau, der für seine erotische Schönheit einen hohen Preis zu zahlen hat, weil sich schlechter einer bedrohlichen Gefahr entziehen kann. Ein Gegenstück sei die Krähe, deren Aussehen schon bedrohlich wirkt und die bei Gefahr wegfliegen kann.

Während der Künstler sich von der Wahrheit entfernt, habe der Autor und Schriftsteller ohnehin die "Lizenz zum Lügen". Als Beispiel brachte der Literaturwissenschaftler Schillers Drama "Maria Stuart", das recht wenig mit den historischen Personen gemein habe. Das habe Schiller als studierter Historiker sehr wohl gewusst, als er sich mit Vorsatz aus der Realität entfernt habe. Die Kunst arbeite nicht mit Deutungsfragen - "ist das Leben gut oder schlecht": "Kunst ist nicht auf Eindeutigkeit reduziert, sie strahlt Vieldeutigkeit aus".

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 23.02.2016
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RNZ von Dienstag, 23.Februar 2016
„Kunst ist ein Versprechen des Glücks“
„Der schöne und notwendige Überfluss“: Matinee im Kerg-Museum mit Joachim Hörisch zur Funktion der Kunst

Schriesheim. (sk) „Wir freuen uns über die Riesen-Resonanz“, begrüßte Museumsleiterin Lynn Schoene die vielen Besucher im Museum Théo Kerg. Die Stühle waren besetzt, und noch immer kamen Gäste zur ersten Matinee des Kulturkreises im neuen Jahr. „Der schöne und notwendige Überfluss: Zur Funktion der Kunst“ hieß der Vortrag von Professor Joachim Hörisch, der mit Musik begann, sobald jeder einen (Steh-)Platz gefunden hatte.

Saxofonist Knut Rössler und Werner Goos (Gitarre) verwöhnten ihre Zuhörer eingangs mit Tönen wie von einer Meditations- CD: Weich und schmeichelnd, mit einem Schuss Lässigkeit, schälte sich allmählich das Thema von „Summertime“ heraus. Auf einem angenehmen sonntäglichen Entspannungs-Level eingependelt, konnte man nun den komplexen Gedankengängen des Literatur- und Medienwissenschaftlers folgen, der seine Zuhörer zunächst mitnahm in die Höhlen von Lascaux: Die prähistorischen Wandmalereien dienten den Menschen dazu, Unheil und das Gefühl der Bedrohung zu bannen, indem die gefährlichen Tiere künstlerisch dargestellt wurden.

Schönheit in der Natur sei dagegen gefährlich, wenn Pfauen mit prächtigen Federn und Hirsche mit großen Geweihen dem anderen Geschlecht signalisieren wollten: „Ich kann mir das leisten“. Trügerische Schönheit und Lügen in der Kunst wurden wiederum von Platon im X. Buch seiner „Politeia“ kritisiert, weil sie die Erscheinung und nicht die Wahrheit nachahmten und deshalb in seinem idealen Staat nichts zu suchen hätten.

Lügen gehörten allerdings zu den Freiheiten des Dichters, fand Hörisch. Hans Castorps Schicksal verlief in Wahrheit anders als im „Zauberberg“, der Showdown zwischen Maria Stuart und Elisabeth spielte sich nicht so ab wie bei Schiller: „Das ist ein Überfluss, der uns irritiert, der uns von der Rationalität entfernt.“

Seit der Renaissance habe sich der Kontext der Kunst geändert, ging Hörisch auf die soziologische Systemtheorie ein. Verschiedene Teilbereiche erfüllten darin eine Funktion für das Ganze: die Justiz helfe bei der Konfliktbewältigung, die Wissenschaft bei der Unterscheidung von wahrem und unwahrem Wissen, und die Kunst reagiere auf die Vieldeutigkeit. Die bekannte Frage, ob das Glas halb voll oder halb leer sei, gehöre dazu: „Das sind Deutungsfragen.“ Wie die Undeutlichkeiten in einem Bild Théo Kergs, auf die er die Zuhörer hinwies: „Daraus treten Zeichen hervor; jeder kann daraus etwas anderes herauslesen.“ Ob sie nun „stimme“ oder nicht, Kunst müsse jedenfalls in sich stimmig sein. Der gute „Sound“ eines ansonsten „blödsinnigen“ Gedichts sei Zeugnis für ein Genie, das dem lieben Gott mit seinen Schöpfungen ins Handwerk pfusche. Oberflächlicher und zufälliger seien die Assoziationen in Anagrammen wie „Geburt“ und „Betrug“, vielleicht unbeabsichtigt ein Hexameter im BGB, wo es in Paragraf 923 heißt: „Steht auf der Grenze ein Baum, so gebühren die Früchte, und, wenn der Baum gefällt wird, auch der Baum den Nachbarn zu gleichen Teilen.“

Der Kreis zu den Höhlenmalereien schließe sich, weil Kunst versuche, „die Zumutungen der Zeit und Sterblichkeit zu überwinden“. Der Mensch sterbe, das Tier verende, bezog er sich auf Heidegger, der Unterschied sei die Erfahrung von Endlichkeit, und insofern sei Kunst „ein Versprechen des Glücks“. Und als ihre rätselhafteste Form sage Musik nichts, bemerkte Hörisch zum Schluss: „Trotzdem hat man das intuitive Gefühl, dass sie allem anderen vorausgeht.“ In diesem Falle beendete sie die Matinee gedämpft und stimmungsvoll. Und im Foyer konnte man diesen anregenden Vormittag bei einem Glas Wein und guten Gesprächen ausklingen lassen.

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Sonntag den 21. Februar, 11 Uhr: Matinee

"Der schöne und notwendige Überfluss - Zur Funktion der Kunst?"
Vortrag von Prof. Jochen Hörisch

Musikalische Intermezzi: Knut Rössler, Saxophon & Werner Goos, Gitarre

"Aut prodesse volunt aut delectare poetae", heißt es bei Horaz. Frei übersetzt: Künstler wollen entweder (bzw. sowohl als auch) belehren und/oder erfreuen. Ob Kunst über ihre schöne, erfreuende Funktion hinaus weitere Funktionen übernimmt (etwa eine politische oder Sacherkenntnisse fördernde) - das ist ein Dauerthema der ästhetischen Diskussion. Wichtige Positionen in dieser Diskussion möchte der Vortrag referieren und analysieren. (Jochen Hörisch)

Prof. Jochen Hörisch Kurt Rössler und Werner Goos
Prof. Jochen Horisch
(©Ulrich Bechtel)
Knut Rössler & Werner Goos
(©Knut Rössler)
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