KKS LOgo

Nachlese 2017

    *
*

Startseite


Aktuell

Programm 2017

>> Nachlese 2017
>> Dreikönigsmatinée
>> Mathaisemarktkunstausstellung
>> Matinée: El Paradiso
1. Poetry Slam
1. Sonderausstellung 2017
Schriesheim jazZt 2017
2. Sonderausstellung 2017

>> Nachlese 2016

Kerg Museum

Unsere Förderer

Kontakt


Impressum

*
Die nächsten Programmpunkte entnehmen Sie bitte unserem Programm!
RNZ von Dienstag, 07.November 2017
Karen Lakars Kunst sorgte für großes Interesse
Ausstellung unter dem Titel „Engel und Dämonen“ ging jetzt zu Ende – Lakars Ehemann Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt war dabei

Von Marco Partner
Schriesheim. Über einen Monat trieben „Engel und Dämonen“ ihr Unwesen im Théo-Kerg-Museum. Nun aber ist die gleichnamige Sonderausstellung von Karen Lakar zu Ende. Zur Finissage öffneten sich am Sonntag zum letzten Mal die Pforten zu einer Kunstschau, welche die Verbindung zwischen den Welten, zwischen dem irdischen Hier und dem kosmischen Dort einzufangen und auf die Leinwand zu bannen versucht. Wobei:Geht es nach der Künstlerin, ist auf der Welt ohnehin alles mit allem verwoben. „Im kosmischen Prinzip verbinden sich uralte Mystik und Wissenschaft“, so die in München und Südfrankreich lebende Lakar beim abschließenden Künstlergespräch mit Maria Lucia Weigel deutlich.

Lichtgestalten wie Engel und Dämonen verknüpfe sie daher nicht nur mit christlichen Attributen, sondern auch mit einer inneren Einsicht: „Was sich im Inneren zeigt, ist auch im Äußeren vorhanden. Wir sind wie ein Spiegel. Hineinzuschauen fällt aber vielen schwer, weil man nicht sehen will, was da ist.“ Daher habe sie diesen inneren Dualismus von Gut und Böse ganz bewusst nach außen gekehrt. Oft wirken die Bilder wie ein erschreckender Kampf kosmischer Kräfte. Manchmal ist auf den Gemälden aber auch die weiße Fläche dominierend, zieren nur zarte Blau-, Beige- und Rottöne das Werk. „Sie sind sparsam mit der Farbe“, stellt auch Weigel fest. „Es geht mir darum, das Unbewusste zu erforschen, aber auch Grenzen zu akzeptieren. Kunst kann dabei sehr hilfreich sein. Sie macht etwas Unsichtbares sichtbar, gibt Anlass, darüber zu sprechen.“

Rund 40 Museumsbesucher finden sich bei der Finissage ein. Insgesamt, so schätzt Museumsleiterin Lynn Schoene, zählte die „Engel und Dämonen“-Ausstellung 250 bis 300 Besucher: „Es war ein visuelles Erlebnis, daher kamen mehr als bei komplexeren Themen.“ Auch Gäste aus Luxemburg zählten zu den Museumsgängern. Zum Abschluss ihres Schriesheim-Besuches gibt Karen Lakar auch viele Einblicke in die Prozesse ihres kreativen Schaffens. Erklärt, wie durch das Wachsausschmelzverfahren bloße Tonskulpturen in Bronze gegossen werden, oder warum sie ab und an beidhändig malt. „Als Rechtshänderin ist meine rechte Hand routiniert. Die linke Hand dagegen ist vielleicht nicht so elegant mit dem Pinsel, aber dafür ehrlicher und mehr mit dem Inneren verbunden“, findet sie.

Gespannt lauscht auch ihr Mann, Hans- Wilhelm Müller-Wohlfahrt, dem Dialog zwischen den Kunstexpertinnen. Als Mannschaftsarzt von Bayern München (1977-2015) und der deutschen Fußballnationalmannschaft (seit 1995) bekannt, agiert er dezent im Hintergrund, macht Fotos von der Ausstellung und lobt Maria Lucia Weigel: „So viel Wissen, Leidenschaft und Liebe für die Kunst, das ist beeindruckend.“ Derweil plant Kuratorin Schoene bereits die nächste Sonderausstellung: „Es wird um Drucktechnik gehen.“ Werke von Théo Kerg werden dabei in Verbindung mit drei zeitgenössischen Künstlern kombiniert.
nach oben

Schriesheim: Im Museum Théo Kerg geht die Herbstausstellung mit Werken der Münchner Künstlerin Karen Lakar zu Ende

"Engel und Dämonen" reisen weiter nach Berlin

Nach gut fünf Wochen verabschieden sich im Schriesheimer Museum Theo Kerg die "Engel und Dämonen" und ziehen weiter in die Bundeshauptstadt Berlin. Beim abschließenden Gespräch mit der Künstlerin Karen Lakar und der Heidelberger Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel vor Ort im Museum konnten Kunstliebhaber die Künstlerin zu ihren Werken befragen.

Zur Eröffnung des Dialogs fasste Maria Lucia Weigel noch einmal den Lebenslauf der Künstlerin zusammen. Studiert hat sie an der Berliner Akademie Mode- und Theaterkostümdesign und widmet sich seit den 1990er Jahren der Bildenden Kunst.

Fasziniert von der Mystik, der Wissenschaft und dem gesamten kosmischen Prinzip erschuf sie den Zyklus "Engel und Dämonen", der in den zurückliegenden Wochen im Kerg-Museum zu sehen war und dort auf großes Interesse stieß.

"Was ist Glaube und was ist Wahrheit?" - diese beiden Fragen stellte sich die Künstlerin bei der Entstehung ihrer Werke. Dabei sei zur Überzeugung gekommen, dass im Glauben auch Wahrheit stecke.

"Engel sind in Fantasie geschaffene Wesen, sie sind Lichtgestalten, die nicht jeder sehen kann", umschrieb die Künstlerin ihre Inspiration. Und die Kunsthistorikerin ergänzte, dass ihre Figuren miteinander kommunizieren. Gute und böse Mächte bilden eine Dualität, was Lakar auch bestätigte: "Ich möchte ihnen nicht im Dunkeln begegnen".

Mit ihren Bildern wolle sie ein Bewusstsein schaffen, dass der Mensch eng mit dem Kosmos verbunden ist. Ihre Engel sind keine puttenhaften niedlichen Wesen, sie sind mächtige Lichtgestalten, die aus ihren Kämpfen auch geschunden mit gebrochenen Flügeln, aber mit durchdringenden Blicken zurückkehren: "Sie sind aber nicht gebrochen, denn ihre Kraft kommt von innen".

Statt Händen hat sie ihnen Hufen gegeben, die sie wie Werkzeuge für den Kampf gegen das Böse nutzen. "Sie sind in einem immer währenden Kampf, alles ist im Fluss, es gibt keinen Stillstand", interpretierte die Künstlerin. Weigel bemerkt, dass sich die Künstlerin ihre Inspirationen auch aus aktuellen Geschehnissen hole, so sei nach einem kathastrofalen Flugzeugabsturz das Bild "Seraphim" entstanden. "Hier sind die Seelen eingefangen".

Nach ihrer Weltanschauung sind die Seelen endlos und erfahren in der Geburt eine neue Inkarnation: "Wir kommen von irgendwoher und gehen irgendwohin".

Ihre Werke lassen aber auch für den Betrachter genügend Raum, seine eigenen Visionen zu erkennen. So sah die Künstlerin in einer ihrer Plastik, dass die Kraft aus dem Körper strömt, während ein Betrachter eher sah, dass die Kraft in den Körper hineingezogen wird. greg

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 07.11.2017
nach oben

FEUILLETON der RNZ von Dienstag, 26.September 2017
Himmel und Abgrund
Karen Lakar im Museum Theó Kerg Schriesheim

Von Julia Behrens
Sie fliegen, schweben, stürzen: Die „Engel und Dämonen“ aus Karen Lakars gleichnamiger Ausstellung im Museum Théo Kerg in Schriesheim. Als abstrakte Geste, als Lichtschweif oder auch als menschliche Gestalt nehmen sie auf großformatigen Leinwänden Form an. Darüber hinaus sind sie als Skulpturen in Bronze, Stein und Papier fassbar. Dabei sind die Arbeiten in Stil und Farbigkeit vielseitig, was Lakar damit begründet, dass sie immer wieder zu neuen Ausdrucksformen findet und und so unterschiedliche Zyklen entstehen.

Die Werke bauen thematisch aufeinander auf und durchlaufen dann einen Prozess der Reduktion. Anschaulich lässt sich das an der Serie „Seraphin“ (2016) ablesen, in der die in München, Berlin und Südfrankreich tätige Künstlerin indirekt auf den Germanwings-Absturz von 2015 in den Alpen Bezug nimmt. Während die ersten beiden Bilder eine tumultartige Akkumulation von halb abstrakten, halb figurativen Elementen zeigen, deuten auf demdritten Gemälde nur noch einige tiefpinke Pinselschwünge, die an einen abgerissenen, gefederten Flügel erinnern, auf ein tragisches Geschehen hin.

Für Karen Lakar, die an der Hochschule der Künste in Berlin ursprünglich Modedesign studierte, stellen Engel, zu denen auch die „Seraphim“ zählen, wichtige Vermittler zwischen Himmel und Erde dar. In ihren Augen kommt die Dualität von Gut und Böse im Themenkreis der Engel, die nach Aussage der Künstlerin als Verkünder schicksalsträchtiger Nachrichten oder als „gefallene“ Himmelsboten nicht immer Gutes verheißen, besonders stark zum Ausdruck.

In ihren Werken findet dies eine Entsprechung in der Verwendung von hellen und dunklen Tönen und einem Spiel mit Licht und Schatten. Das ist auch in einem neuen Werkzyklus von 2017 der Fall, in dem sich die unterschiedlichen Kräfte in differenziertem Farbspiel messen. Hier erweitert die von östlicher Philosophie beeinflusste Künstlerin, die nebenbei die Frau des berühmten Sportmediziners Müller-Wohlfahrt ist, das Thema um die Darstellung übergeordneter Zusammenhänge. Dazu gehört auch die Skulptur „Fossil“ (2017), die als Hülle organischer Materie auf die Möglichkeit irdischen Seins als Durchgangsstadium hindeutet.

Doch selbst wenn man nicht an Engel, Dämonen oder die Reinkarnation glaubt, ist die Ausstellung spannend.

Info: „Engel und Dämonen. Karen Lakar“;
bis 5. 11. im Museum Théo Kerg,
Talstraße 52. www.kk-schriesheim
nach oben

RNZ von Dienstag, 26.September 2017
Andeutungen von Flügeln und Verderben
Museum Théo Kerg eröffnete „Engel und Dämonen“ – Karen Lakars Werke bis 5. November zu sehen

Schriesheim. (mpt) Sie sind ewige Widersacher. Metaphorische Boten für das Gute und Böse, Abgesandte Gottes oder Herrscher der Finsternis, ein ewiges Sinnbild für Licht und Schatten. „Engel und Dämonen“ heißt die neue Sonderausstellung der Künstlerin Karen Lakar, die am Sonntag im Museum Théo Kerg eröffnet wurde. Furchteinflößende Wesen und himmlische Gestalten können einen beim Gang über die knarrenden Dielen schon von der Leinwand oder in Form von Skulpturen entgegenblicken.

Und schnell stellt Bürgermeister Hansjörg Höfer bei seiner Begrüßung einen Zeitbezug her. „Dämonen haben heutzutage komische Frisuren“, witzelt er. Aber es ist weniger die Weltpolitik um Donald Trump oder Kim-Jong-un,sondern eher die Faszination für das kosmische Wechselspiel, die zarten Andeutungen von Flügeln und Verderben, das die in München und Mougins bei Nizza lebende Künstlerin Lakar in ihren Werken festhält. Ein tragisches Ereignis in Südfrankreich war Auslöser für eines der Hauptwerke der Ausstellung, mit dem der Besucher gleich im Treppenhaus konfrontiert wird.

Ähnlich einem Vulkanausbruch ist ein Berg mit roter Farbe überzogen. Aber es ist keine Lava, die an dem Gestein klebt, sondern Blut. Als am 24. März 2015 ein Flugzeug in den französischen Alpen zerschellte und alle 150 Insassen in den Tod riss, weilte Lakar nur knapp 200 Kilometer entfernt in ihrem Zweitwohnsitz. „Von Mougins aus kann ich die schneebedeckten Berge sehen. Es hat mich tief berührt, und ich musste mich einfach ausdrücken“, sagt sie. Auf dem Gemälde „Seraphim I“ sticht etwas metallisch Schimmerndes hervor. Ob es sich um einen Engelsflügel oder Flugzeugträger handelt, liegt im Auge des Betrachters. „Ich wollte dem Unglück mein Mitgefühl geben und habe somit im wahrsten Sinne des Wortes Anteil genommen.“

Ansonsten aber werden ihre Werke weniger konkret, sondern verweilen bewusst in schemenhaften Andeutungen. „Die Innenschau verändert die Sicht auf das Leben“, sagt Kunsthistorikern Maria Lucia Weigel bei ihrer Laudatio. Der Wert der Kunst liege nun darin, das auszudrücken, was auf rationaler Ebene nicht verstanden werde. „Es ist ein Ringen um das Sichtbar- werden-lassen der inneren Schau, das auch mit Schmerz verbunden ist.“ Lakars Werke lassen auch die kosmischen Dauerrivalen Engel und Dämonen nicht als Widerspruch zum Menschen und seiner Erdverbundenheit erscheinen. Das wird bei „Fundstück Engel“, „Geborgenheit“ oder „Das unbekannte Wesen“ deutlich. „Alles hat seine Entsprechung. Es ist alles ein Balancekat auf der Grenze zwischen Gut und Böse“, so Lakar, die mit Hans- Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Mannschaftsarzt des deutschen Fußball-Nationalteams, verheiratet und mit Museumsleiterin Lynn Schöne seit 2001 befreundet ist. „Es war schon seit geraumer Zeit mein Wunsch, sie mal nach Schriesheim zu holen“, freut sich Schöne. Die Ausstellung ist noch bis 5. November zu sehen.

nach oben

Schriesheim: Vernissage der Ausstellung "Engel und Dämonen" im Kerg-Museum

Werke erlauben Blicke in Zwischenwelten

Die Eröffnung der Ausstellung "Engel und Dämonen" der Münchner Künstlerin Karen Lakar, die bis zum 5. November im Kerg-Museum in Schriesheim zu sehen ist, stieß bei den Kunstliebhabern der Region auf sehr großes Interesse.
In seiner Begrüßung dankte Bürgermeister Hansjörg Höfer der Leiterin des Museums, Lynn Schoene, dafür, dass es ihr gelungen sei, diese herausragende Künstlerin nach Schriesheim zu holen. Seine Frage nach dem Zeitbezug der Ausstellung beantwortete er selbst mit einer Anspielung auf eine bekannte Persönlichkeit: "Dämonen in unserer Welt haben eine komische Frisur".
Sie freue sich, dass es ihr gelungen sei, diese Ausnahmekünstlerin nach Schriesheim zu holen, führte Lynn Schoene in die Ausstellung ein. Sie kenne Lakar seit vielen Jahren und habe immer aufmerksam ihr Wirken verfolgt.
In ihrer Laudatio hob die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel den kosmischen Blick der Künstlerin auf Dinge heraus. Ihre großformatigen Leinwandarbeiten, Gipsobjekte wie auch ihre ausgestellten Bronzeplastiken erschließen Dimensionen zwischen Leben und Tod und lassen Blicke in Zwischenwelten zu.

Keine harmlosen Geister

Getreu ihrem Motto "die Seele gibt dem Körper die Form", versuche sie, das Unbewusste in ihren Werken zu manifestieren. "Es ist ein Ringen um das Sichtbarwerdenlassen, das auch mit Schmerz verbunden ist", nannte es die Kunsthistorikerin. Die Betrachter ihrer Darstellung von Engel und Dämonen werden keineswegs mit harmlosen Geistern konfrontiert, sondern mit Lichtgestalten, die mit gebrochenen und in Blut getauchten Flügeln von ihren Kämpfen zurückkehren, jedoch nichts von ihrer mystischen und majestätischen Energie eingebüßt haben.
Weiter verweist die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel auf die Trilogie "Seraphin". Diese Engel schweben in der christlichen Tradition nah am Thron Gottes und sind von Liebe erfüllt. Diese Thematik nimmt ebenfalls die dem Bild zur Seite gestellte Plastik auf, doch hier lodert die Glut der Liebe nicht frei, was an den gestutzten Flügeln aus Palmblättern zu sehen ist. Die Künstlerin bannt auf die Leinwand Lichtgestalten, die im Kampf mit den dunklen Mächten auch unterliegen können, dennoch an Lebenskraft nichts einbüßen.

Lakars Bilder lassen dem Betrachter viel Raum für Interpretation, und das ist auch von der Künstlerin so gewollt. Die Ausstellung ist noch bis zum 5. November im Kerg-Museum zu sehen.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 26.09.2017
Gerlinde Gregor

nach oben

RNZ von Samstag/Sonntag, 23./24.September 2017
Engel und Dämonen für innere Heilung
Karen Lakar verarbeitet Erlebtes und Emotionen durch Kunst – Bis 5. November im Museum Théo Kerg

Von Lotta Wellnitz
Schriesheim. Kunst liegt wahrlich im Auge des Betrachters. Während Skulpturen und Gemälde für den einen Ausdruck purer Emotionen sind, sehen andere vielleicht nicht mehr als bunte Farben oder entstellte Körper. Für Karen Lakar jedoch bedeutet Kunst Heilung für Seele und Körper. In ihren Gemälden und Skulpturen verarbeitet sie Geschehenes, kann sich so frei machen von dem, was sie beschäftigt.

Die in München und Frankreich lebende Künstlerin, mit bürgerlichem Namen Karin Müller-Wohlfahrt, ist vom morgigen Sonntag, 24. September, bis zum 5. November zu Gast im Museum Théo Kerg in Schriesheim. Die Ausstellung, bei der 13 Gemälde und elf Skulpturen gezeigt werden, trägt den Titel „Engel und Dämonen“.

Sie spielen im Leben von Karen Lakar eine große Rolle. Schon immer habe sie das Mystische fasziniert, sagt sie. Lakar studierte Modedesign an der Berliner Akademie der Künste, bestand ihr Examen mit Auszeichnung. Es folgten ein Spezialstudium in Theaterkostüm-Design, Tätigkeiten als Assistentin eines Bühnen- und Kostümbildners sowie mehrere Workshops im Bildhauen.

Glücklich gemacht habe sie das nicht, sagt sie. Lakar wollte ihre Kreativität richtig ausleben. Sie widmete sich der Philosophie, wagte einen Blick in ihr Inneres. Und dort habe sie „das größte Abenteuer“ gefunden, so Lakar. Genau das will sie mit ihrer Kunst ausdrücken. Warum aber genau das Thema „Engel und Dämonen“? Lakar glaubt an die Existenz der mystischen Wesen. Sie agierten zwischen Himmel und Erde, transportierten Gefühle, Inhalte und Stimmungen. Als Wesen der Vernunft entschieden sie über Leben und Tod. Und so sind ihre Werke zusätzlich geprägt vom Thema des Werdens und Vergehens. Darübe hinaus lässt die Künstlerin in den Gemälden und den Skulpturen den Balanceakt zwischen Gut und Böse, Leben und Tod einfließen. Diese Thematik sei aktuell wie schon lange nicht mehr.

Als Beispiel des Bösen führt sie das Thema Gier an. Es werde viel betrogen, vielen gehe es nur um materielle Dinge, so Lakar. Zudem geschehe viel Schreckliches auf der Welt. Als Beispiel führt sie einen Flugzeugabsturz an. Sie selbst hat in der Nähe des Unglücksorts ein Haus, war berührt und erschüttert. Ihre Therapie: ein Gemälde zu diesem Thema zu erschaffen. Auch die Pariser Anschläge hatten Auswirkungen auf ihre Kunst. Bevor es dazu kam, habe sie eine Vorahnung gehabt, sagt Lakar. Sie zeichnete dunkelrote Dämonen, habe gespürt, dass etwas Schlimmes passieren würde. Zu dieser Zeit war auch ihr Mann in Paris, Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, langjähriger Mannschaftsarzt des FC Bayern München und der deutschen Fußballnationalelf. Er kam wohlbehalten zurück.

In seiner Praxis in München habe sie eine Ausstellung, ihre Werke schafften dort Atmosphäre, so Lakar. Sie wurden aber auch schon in Dubai und Pakistan ausgestellt. Und von Sonntag an in Schriesheim. Im Museum Théo Kerg gefalle ihr die Gesamtsituation, der Kontrast des Gebäudes. Man sehe, wie Bilder einen Raum verändern, sagt Lakar. Und fügt hinzu, dass jeder ein Bild mit seinen eigenen Erfahrungen anders sieht.

Info: Vernissage „Engel und Dämonen“, Sonntag, 24. September, 11 Uhr, Museum Théo Kerg.
Die Ausstellung ist mittwochs, 17 bis 19 Uhr, sowie samstags und sonntags, jeweils von 14 bis 17 Uhr zu sehen.
nach oben

Schriesheim: Kerg-Museum zeigt in seiner Herbstausstellung Skulpturen von Karen Lakar

Am Wahlsonntag Engel und Dämonen

20. September 2017

Es handelt sich zwar um den Tag der Bundestagswahl - einen inhaltlichen Bezug weisen die Veranstalter aber natürlich von sich: "Engel und Dämonen" lautet der Titel der Kunstausstellung, die am kommenden Sonntag im Schriesheimer Museum Theo Kerg eröffnet wird. Bis zum 5. November sind dort die Werke der in München lebenden Künstlerin Karen Lakar (Bild) zu sehen.

Gezeigt werden Bilder und vor allem Skulpturen. Gleich am Eingang etwa ein 2,40 Meter großer Engel aus Bronze, der aus Naturkräften wie Wind, Wellen und Erde geformt zu sein scheint und daher ein wenig dämonenhafte Züge trägt. Gleiches gilt für die Bronzeskulptur "Archäologischer Fund", ebenfalls ein Engel mit durchaus dämonenhaften Zügen.

Die Arbeiten der Künstlerin sind geprägt vom schmalen Grat zwischen Gut und Böse, Leben und Tod, Werden und Vergehen, Vergangenheit und Zukunft. Und diese Thematik ist nach Ansicht der Künstlerin gerade derzeit aktuell wie lange nicht mehr.

Museumsleiterin Lynn Schoene berichtet: "Karen Lakar sagt über sich selbst, dass das Leiden an dieser Welt, die eine erneute Eskalation chaotischer Kräfte erlebt, ihre Arbeit in Skulptur und Malerei notwendig macht, um das eigene seelische Überleben zu sichern."

Karen Lakar wurde im Rheinland geboren, studierte an der Berliner Akademie der Künste Modedesign und bestand ihr Examen mit Auszeichnung. Dem folgte ein Spezialstudium in Theaterkostüm-Design. Nach Tätigkeit als Assistentin eines Bühnen- und Kostümbildners ist sie freiberuflich als Designerin mit eigenem Studio in München tätig.

In den 1990er-Jahren entwickelte sich ihr künstlerisches Schaffen; sie besuchte die Werkstatt für Bildhauerei und Gestaltung in München sowie mehrere Workshops im Bildhauern mit Kalksandstein und Marmor.

Seit 2001 stellt sie aus - in Foren großer Unternehmen von Mercedes bis Kaufhof sowie in Galerien zwischen Zürich und Dubai. Und nun in Schriesheim. -tin

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 20.09.2017
nach oben

SONDERAUSSTELLUNG IM MUSEUM THEO KERG:
24.SEPTEMBER – 5. NOVEMBER 2017

‚ENGEL UND DÄMONEN‘
KAREN LAKAR – MÜNCHEN-BERLIN-MOUGINS

Vernissage: Sonntag, 24. September 2017, 11 Uhr
Begrüßung: Bürgermeister Hansjörg Höfer
Museumsleiterin Lynn Schoene
Einführung: Dr. Phil. Maria Lucia Weigel, Kunsthistorikerin
Öffnungszeiten: Mi 17–19 Uhr, Sa 14–17 Uhr, So 14–17 Uhr sowie nach Vereinbarung

Museum Théo Kerg:  Talstraße 52 , 69198 Schriesheim
Bitte auf dem Festplatz parken. Fußweg ab Rathaus ca. 250 Meter!


2. Sonderausstellung 2017 2. Sonderausstellung 2017

SPRUNG INS UNGEWISSE
2011 / Acryl / Leinwand / H:150cm B:150cm

TANZ MIT DEN ELEMENTEN
2011 / Leinwand / Acry l/ H:150 B:150

2. Sonderausstellung 2017 2. Sonderausstellung 2017

IKARUS
2015 / Leinwand / Acryl / H:185cm B:140cm

ARCHEOLOGISCHER FUND
2017 / Bronze / H:204 B:58 T:35

2. Sonderausstellung 2017 2. Sonderausstellung 2017

SERAPHIN III
2017 / Leinwand / Acryl / H:155 B:150 cm

UROBOROUS
         2016 / Bronze / H: 20 cm B :40 cm 


Karen Lakar sagt über sich selbst, dass das Leiden an dieser Welt, die eine erneute Eskalation chaotischer Kräfte erlebt, ihre Arbeit in Skulptur und Malerei notwendig macht, um das eigene seelische Überleben zu sichern. Den Besucher empfängt ein Bronzeengel in 2,40 m Höhe, der dämonenhafte Züge trägt und aus Wind, Wellen und Erde in ständiger Bewegung geformt zu sein scheint – Ein Wesen aus einer anderen Welt, der himmlischen oder göttlichen. Sie sagt „Die Engel und Dämonen in meiner Arbeit tragen menschliche Züge und sie ist der Frage nachgegangen: Was unterscheidet uns Menschen von Göttern?“

Im Unterschied zu Beiden können Engel die Grenzen überschreiten und agieren zwischen Himmel und Erde. Sie sind die Wesen der Vermittlung. Sie begleiten und bieten Hilfe, spenden Trost, entscheiden über Leben und Tod. „Wir sind in unserer Inkarnation gefangen. Wir werden durch den Tod befreit.“. Das Thema des Werdens und Vergehens ist daher in allen  Arbeiten von Karen Lakar gegenwärtig, aber auch der Balanceakt auf der Grenze zwischen Gut und Böse, zwischen Leben und Tod, der an der Schwelle von Vergangenheit und Zukunft beides verbindet. Das Gleichgewicht zu halten erfordert ein Höchstmaß an Konzentration, ebenso Gewahrsein und Achtsamkeit. Wie sehr der Mensch auch seine Existenz erweitert, es sind ihm immer Grenzen gesetzt.

Goethe sagt im „Gesang der Götter über dem Wasser“: „Der Menschen Seele gleicht dem Wasser, Schicksal des Menschen, wie gleichst Du dem Wind -“.Die Metapher für die Bronzearbeiten im Besonderen ist das Wasser, die Welle. Die Bronzeskulptur „Archäologischer Fund“ zeigt einen Engel, der dämonenhafte Züge trägt. Ein Wesen aus einer anderen Welt, der himmlischen, göttlichen. Der Mensch hat Gewicht und die Aufhebung der Bodenhaftigkeit war Ziel dieser Arbeit. Die Auflösung in das Luftige, in die Leichtigkeit.

Ein weiteres Thema für Karen Lakar  sind Engel, die die Erde berühren, landen, wieder aufsteigen. Sie verlieren die Flügel und finden sie wieder, so wie wir Kräften der Zerstörung ausgesetzt sind und uns Wiederfinden. Durch einen Engel strömt das Licht. Er ist die Hülle des Lichtes wie wir es sind, denn wir sind wie alles Leben nichts anderes als Energie. Es keine Trennung. Wir sind Teil des kosmischen Geschehens, der einzigen Wahrheit wie Heraklit sagt.

nach oben

nach oben

Schriesheim jazZt 2017
Schriesheim jazZt 2017 Schriesheim jazZt 2017 Schriesheim jazZt 2017
Schriesheim jazZt 2017 Schriesheim jazZt 2017 Schriesheim jazZt 2017
Schriesheim jazZt 2017 Schriesheim jazZt 2017 Schriesheim jazZt 2017
Schriesheim jazZt 2017 Schriesheim jazZt 2017 Schriesheim jazZt 2017
Schriesheim jazZt 2017 Schriesheim jazZt 2017 Schriesheim jazZt 2017
Schriesheim jazZt 2017 Schriesheim jazZt 2017 Schriesheim jazZt 2017
Fotos: Hans Waldenmayr
nach oben

RNZ von Montag, 10.Juli 2017
Heiße Jazz-Nacht mit viel Abwechslung
Dank Sommerwetter und exzellenter Musiker wurde die zwölfte Ausgabe von „Schriesheim jazZt“ am Samstag zu einem vollen Erfolg

Von Marco Partner
Schriesheim. Um die große Vielfalt des kleinen Festivals zu erleben, genügen manchmal kurze Wege – oder Pausen. Kaum haben die Saxofonisten und Trompeter der SRH-Bigband nach der erfrischenden Latin-Jazz-Nummer „Azulito“ ihre Instrumente auf der Bühne im Unteren Schulhof abgelegt, um sich die Notenblätter für das nächste Lied zurechtzulegen, da wehen aus der Ferne das helle Klarinettenspiel und der Dixie-Sound der Speyrer „City Stompers“ herüber.

Nur ein paar Schritte weiter lässt Richie Arndt mit seiner Acoustic Band im Goldenen Hirsch die Gitarren sprechen. Eingerahmt von einem Dach aus Weinreben gleitet der Sänger mit der Bottleneck über die Saiten. „Hear my train is coming“, singt der Bielefelder mit wehleidiger Stimme und verwandelt den bekannten Jimi-Hendrix-Song in einen schweißtreibenden Western-Titel, und den „Hirsch“ in einen heißen Jazzschuppen.

„Es ist diese große Abwechslung. Mal gibt es traurigen Blues und dann wieder Free Jazz, bei dem es voll abgeht. Und das alles ganz zwanglos“, sagt Martina Schmelzer. Die zwölfte Auflage von „Schriesheim jazZt“ ist für sie und ihren Mann Volkmar gleichzeitig der zwölfte Festivalbesuch. Insgesamt machen sich am Samstag wieder über Tausend Jazzbegeisterte auf den musikalischen Weg durch die Altstadt.

An sieben Stationen locken sieben Bands, die die ganze Vielfalt des Musikgenres unter Beweis stellen. „Trotz der hohen Außentemperaturen hoffe ich, dass die Musiker Ihnen richtig einheizen“, sagt Gabriele Mohr-Nassauer, Vorsitzende des Kulturkreises, zur Eröffnung. „Bleibenund genießen Sie, solange es draußen so warm ist. Das kann ruhig bis morgen früh sein“, erklärt auch Bürgermeister Hansjörg Hofer, der sich für das ehrenamtliche Engagement des Kulturkreises als Veranstalter des „jazZt“-Festivals bedankt.

Neue Lieblingsbands werden beim Spaziergang zwischen Evangelischem Kirchgarten und Oberstadt schnell ausfindig gemacht. Für Martin Wörner istzum Beispiel das Obi Jenne Trio mit der bezaubernden Sängerin Janice Dixon ein absoluter Volltreffer. „Das ist Musik auf höchstem Niveau. Ich bin sehr begeistert“, schwärmt der Schriesheimer. Doch nicht nur die Auswahl an Bands, auch das Ambiente des Festivals überzeugt ihn. „Man wandelt von Hof zu Hof, kann für sich etwas Neues entdecken und trifft natürlich auch viele bekannte Gesichter.“

Als einer der Geheimtipps des Abends entpuppt sich das Ensemble „Schmitto Kling & Hot Club the Zigan“ in der Oberstadt. Ausgestattet mit Geige, Kontrabass, Piano und Gitarren erweckt die 1971 gegründete Formation den Sinti-Jazz wieder zum Leben. Ganz gediegen, ohne Eile, aber mit umso mehr Charme demonstrieren die fünf älteren Herren, dass Musik weit über die bekannte zwei- bis vierminütige Radiolänge hinausgehen kann, ohne dass Langeweile aufkommt. Gleiches gilt für die SRH-Bigband: Vor zwei Jahren musste die Truppe ihr „jazZt“-Konzert aufgrund heftiger Regenschauer bereits nach dem ersten Set abbrechen. Diesmal werden sie wie die Zuschauer von einer heißen Sommernacht und der Freude an der Musik verwöhnt.

Und doch ist Flüssigkeit im Spiel. „Bei dem Wetter müssen wir in jeder Pause sofort trinken. Mit und ohne Geschmack, dass die Töne auch gut rauskommen“, witzelt Uwe Rudnik, der vierte Trompeter. Im zweiten Set wird die Band aus Heidelberg von der Jazzsängerin Sarah Mokhtari-Serest begleitet. Und während sich die Musikstudentin aus Mannheim mit einer Soul- Interpretation von Tom Waits „Downtown Train“ Bestnoten verdient, brillieren die „Sidesteps“ im evangelischen Kirchgarten unter anderem mit einer Jazz-Version von Bob Marleys „I shot the sheriff“.

Die „Boogie Connection“ am Alten Rathaus dagegen wechselt zu später Stunde von klavierbetonten Boogie-Woogie- Stücken mehr und mehr ins Rockige, während die gebürtige New Yorkerin Janice Dixon mit dem gebürtigen Schriesheimer Obi Jenne und Band im Strahlenburger Hof weiterhin dem klassischen Jazz die Ehre erweist.

Was alle Bands trotz großer Unterschiede vereint: die Liebe zur Musik, der Hang zur freien Rhythmik. Das wird auch bei den „Speyer City Stompers“ deutlich, die im Hof des Restaurants Kaiser den Nachthimmel auch im vierten Set noch so leidenschaftlich mit ihren Banjos und Blasinstrumenten erfüllen, als würde Woody Allen persönlich durch die Schriesheimer Altstadt wandeln,umsich Ideen für seinen neuesten Film zu holen.

Musikalische Impressionen für den ganz persönlichen Jazz-Soundtrack gibt es für die Besucher auch bei der zwölften Ausgabe von „Schriesheim jazZt“ bis Mitternacht wieder zuhauf. Ganz ohne Regen, aber dafür mit vielen glücklichen Gesichtern – bei den Zuhörern wie den Interpreten.
nach oben

RNZ von Montag, 10.Juli 2017
Ein kleines Festival mit großem Hunger
Gastronomen boten bei „Schriesheim jazZt“ vielfältige Speise- und Getränkekarten – Erfolgreiche Premiere mit Paella im Kirchgarten

Von Marco Partner
Schriesheim. „Wenn man in Schriesheim einen Tisch und Sitzbänke rausstellt, dann kommt jemand und stellt eine Flasche Wein dazu. Und schon hat man ein kleines Fest.“ Dass die zwölfte Auflage von „Schriesheim jazZt“ nicht nur ein kleines, sondern ein großes Fest wird, diese Gewissheit hat Bürgermeister Hansjörg Hofer bereits bei seiner Eröffnungsrede. Rund um den Brunnen vor dem Alten Rathaus sind eine ganze Reihe Tische und Stühle aufgebaut und schnell besetzt. Die Bedienung des Kaffeehauses verwöhnt die Gäste auf der großen Terrasse mit Weizen, Aperol, Lillet-Berry, spanischem Flammkuchen oder dem eigens für das Festival entworfenen Jazz- Grillteller. Mediterrane Urlaubsstimmung mitten in der Altstadt.

Dichtes Gedränge herrscht auch bald im Strahlenberger Hof. Dort laden nicht nur das Obi Jenne Trio und Janice Dixon zum Verweilen ein, sondern auch das kulinarische Angebot, wie ein Blick auf die liebevoll dekorierte Speisekarte verrät. NebenKrautsalat und Baked Potato wird beim ausgewiesenen „Jazz Food“ auch mit dem Avocado-Burger an die vegetarischen Musikliebhaber gedacht. Für alle anderen fällt die Entscheidung leicht: Der „Strahlenburger“ muss es sein. Ähnlich deftig ist es bei Karl Forschner und Max Jäck in der Oberstadt, wo neben Riesling auch Brat-, Feuer-, Wildwurst und Knuspergarnelen kredenzt werden. Über „Schriese Hot Dogs“ und Smoked Beef Burger dürfen sich dagegen die Gäste im Hotel Restaurant Kaiser freuen. „Bienvenidos! Que aproveche!“ Besonders ins Auge sticht beim Rundgang durch das gastronomische Angebot das spanische Arrangement im Evangelischen Kirchgarten. Rote Rosen zieren nicht nur die Tische, sie sind auch am Revers der Bedienung angebracht. „Es ist super viel los, und es kommt total gut an“, freut sich Markus Schotten, dessen Frau Irene Martinez aus Madrid stammt und sich bereit erklärt hat, ein spanisches Festdinner für das Jazz-Festival auf die Beine zu stellen. Mit Erfolg: Mit schmackhafter Paella und anderen Kostbarkeiten von der iberischen Halbinsel kann nicht jedes Festival aufwarten.

Zwölf Jahre geballte „jazZt“-Erfahrung lassen dagegen die Mitarbeiter vom „Goldenen Hirsch“ in die Speisekarte einfließen. „Ganz oben im Ranking ist wie immer die Wildschweinbratwurst“, setzt Pächter Jürgen Opfermann auf Bewährtes. Wieimmerist er fasziniert davon, dass nach dem Ende des ersten Sets der erste Schwung an Besuchern weiterzieht und gleich durch neue Gäste ersetzt wird. „Jetzt mache ich selbst auch mal einen Rundgang“, verrät er.

Eine kurze Runde drehen, das kann sich Sana Reza kaum erlauben. Nonstop muss sie Falafel, Hähnchencurry und hausgemachte Limonade aus dem Imbisswagen von „La Perseria Mashti“ heben. „Es ist eine schöne Stimmung, die Menschen sind toll drauf“, genießt sie das Festival trotzdem von ihrem kleinen Wägelchen am Zehntkeller aus. Immerhin mit direktem Blick auf die SRH-Bigband und die vielen Besucher auf ihren Bänken im Unteren Schulhof..
nach oben

Schriesheim jazZt

Am 8. Juli 2017 wird unsere Weinstadt wieder der (zumindest musikalische) „Nabel der Metropolregion“ sein: Schriesheim jazZt zum 12. Mal – unüberhörbar, groovig, rockig, swingend, magnetisch!

Die Bühne auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus in der Altstadt ist dann wieder Schauplatz für den „Take-off“ des traditionellen Sommerfestivals, das von Bürgermeister Hansjörg Höfer als Schirmherr um 19:30 Uhr eröffnet wird.

Ab 20:00 Uhr starten die einzelnen Bands auf sieben Bühnen der Altstadt mit ihren ersten von insgesamt 4 Sets:

  • Sidesteps im Evangelischen Kirchgarten
  • Meinhard Obi Jenne Trio feat. Janice Dixon im Strahlenberger Hof
  • Boogie Connection vor dem Alten Rathaus
  • Schmitto Kling & Hot Club the Zigan in der Oberstadt
  • SRH Bigband vor dem Zehntkeller
  • Richie Arndt Acoustic Band Hof Zum Goldenen Hirsch
  • Speyer City Stompers im Hof des Hotel-Restaurants Kaiser

Die Formationen spielen jeweils 45 Minuten. Anschließende Pausen von 15 Minuten laden vielleicht ein, zu einer weiteren Band auf einer anderen Bühne zu gehen oder die kulinarischen Clous der Wirte zu entdecken…!

Schriesheim jazZt, Boogie Connection Schriesheim jazZt, Boogie Connection
Boogie Connection vor dem Alten Rathaus
Schriesheim jazZt, Meinhard Obi Jenne Schriesheim jazZt, Janice Dixon
Meinhard Obi Jenne Trio feat. Janice Dixon im Strahlenberger Hof
Schriesheim jazZt, Richie Arndt Schriesheim jazZt, Richie Arndt
Richie Arndt Acoustic Band Hof Zum Goldenen Hirsch
Schriesheim jazZt, Schmitto Kling Schriesheim jazZt, Schmitto Kling
Schmitto Kling & Hot Club the Zigan in der Oberstadt
Schriesheim jazZt, Sidesteps Schriesheim jazZt, Sidesteps
Sidesteps im Evangelischen Kirchgarten
Schriesheim jazZt, Speyer City Stompers Schriesheim jazZt, Speyer City Stompers
Speyer City Stompers im Hof des Hotel-Restaurants Kaiser
SRH  Big Band
SRH Bigband vor dem Zehntkeller
Fotos: Fotos wurden von den jeweiligen Musikern zur Verfügung gestellt.

Apropos „kulinarisch“ – für die Beeinflussung der Geschmacksnerven sorgen diesmal

die spanische Küche der Irene Martinez im Evangelischen Kirchgarten, das Restaurant Strahlenberger Hof im Strahlenberger Hof,
das Kaffeehaus Schriesheim vor dem Alten Rathaus,
Max Jäck mit seinem Weingut vor der Bühne in der Oberstadt,
das Restaurant La Perseria Mashti und die Winzergenossenschaft Schriesheim vor dem Zehntkeller,
das Gasthaus Zum Goldenen Hirsch im eigenen Hof und
das Restaurant Kaiser im Hof des Hotel-Restaurants Kaiser…!

Vor dem sommerlichen Happening werden wir im Mitteilungsblatt der Stadt Schriesheim (Ausgaben Nr. 25 – 27) weitere Infos veröffentlichen und vor allem ein paar „Schlaglichter“ auf die einzelnen Bands werfen.

Eintritt für das Gesamtprogramm mit 7 Bands auf 7 Bühnen: 12,50 Euro im Vorverkauf in Utes Bücherstube, im Laden der Winzergenossenschaft Schriesheim sowie bei allen beteiligten Gastronomiebetrieben. Abendkasse: 15,00 Euro. Jugendliche, Schüler, Auszubildende und Studenten zahlen generell 5 Euro (nur an der Abendkasse). Für Kinder, die noch nicht zur Schule gehen, ist der Eintritt frei.

12 Jahre Schriesheim jazZt – die Show geht weiter!

Plakatdownload hier ...

nach oben

Vernissage der 1. Sonderausstellung 2017
1. Sonderausstellung 2017 1. Sonderausstellung 2017 1. Sonderausstellung 2017
1. Sonderausstellung 2017 1. Sonderausstellung 2017 1. Sonderausstellung 2017
1. Sonderausstellung 2017 1. Sonderausstellung 2017 1. Sonderausstellung 2017
Fotos: Hans Waldenmayr (Bilder 1, 3, 4, 6, 8) andere Bilder © Museum
nach oben

FEUILLETON der RNZ von Freitag, 12.September 2017
Durch den Raum geklettert
Das Künstlerpaar Ariane Faller und Mateusz Budasz bespielen das Museum Théo Kerg in Schriesheim

Von Julia Behrens
Zweimal im Jahr verwandeln sich Teile des Théo Kerg Museums in einen „White Cube“: Die Werke des 1993 verstorbenen Luxemburger Künstlers, die sonst überall im Haus präsent sind, verschwinden hinter weißen Stellwänden, um Platz für Sonderausstellungen zu machen. Nur im obersten Stock – auf der Galerie – bleiben die starkfarbigen Arbeiten sichtbar.

Für Ariane Faller und Mateusz Budasz wirkt das im Rahmen ihrer Schau „Unfolding“ wie eine Einladung: Mit ihren raumgreifenden Installationen reagieren sie nicht nur auf die Parameter der Architektur, sondern auch auf Kergs OEuvre.

Durch ihre „Site Specific Art“ verleihen sie dem Museum an der Bergstraße ein ganz neues Gesicht: Schmale, naturbelassene oder grün imprägnierte Dachlatten bahnen sich dreidimensional einen Weg durch den Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss. Sie besitzen eine Art Eigenleben, bilden dominante Diagonalen, verschränken sich mit den rustikalen Stützen des alten Fachwerkhauses und winden sich zur Galerie, zu Théo Kerg hinauf.

Geschickt in diesen Aufbau hinein komponiert sind die eigentlichen Arbeiten der beiden Künstler: Gebrauchte, mit pastosen Farbschichten versehene Kartons und Strickbilder von Ariane Faller, mit filigranen Linien durchzogene Holzund PDF-Platten von Mateusz Budasz sowie unterschiedlich große Fotografien von beiden. Besonders auffällig und für Gäste wie Einheimische interessant: Die fotografische 1:1 Wiedergabe einer alten Buntsandstein-Fassade aus Schriesheim. Mit dieser Arbeit stellen die beiden Künstler nach eigener Aussage einen Dialog zwischen Innen- und Außenraum her und gehen damit auch im topografisch weiteren Sinne auf den „Ort“ der Ausstellung ein.

Das wohl wichtigste und durchgängigste Thema des Paares, das sich während des Studiums an der Freiburger Außenstelle der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe kennengelernt hat und seit 2003 zusammenarbeitet, ist die Aufhebung fester Kategorien. Die beiden Künstler verbinden auf intensive Weise Kunst und Leben, stellen durch ihre Zusammenarbeit die Definition der Autorschaft in Frage und bringen durch ihre Interventionen das Konzept einer architektonisch klar gegliederten Räumlichkeit durcheinander. Faller erweitert den Begriff der Malerei, indem sie sie mit dreidimensionalen Elementen zu „Bild-Körpern“ formt und Budasz fräst Elemente des Zeichnens in dafür eigentlich nicht vorgesehene, harte Werkstoffe.

Hier besteht per se eine Verwandtschaft zu Théo Kerg und seinem „Taktilismus“, in dem sich Malerei mit anderen, bilduntypischen Elementen verbindet. Aber auch durch die Hinführung der Installation in die Kerg-Etage und eine ausgewählte Farbigkeit nimmt das Künstlerduo Kontakt zu den Materialbildern des Luxemburgers auf.

Info: Unfolding. Ariane Faller und Mateusz Budasz.
Bis 11. Juni im Museum Théo Kerg, Talstraße 52, in Schriesheim.
nach oben

RNZ von Donnerstag, 11. Mai 2017
Kunst breitet sich im ganzen Gebäude aus
Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel sprach bei der Vernissage zu „Unfolding“ – Ausstellung ist aufs Kerg-Museum zugeschnitten

Schriesheim. (kaz) Dachlatten unterm Dachstuhl? Fast sieht es so aus, als wollten die schmalen Latten das dicke Gebälk im Fachwerkhaus stützen. Ist das vielleicht so gewollt? Gut möglich. Schließlich hat das Künstler-Ehepaar Ariane Faller und Mateusz Budasz das Gebäude genau unter die Lupe genommen, bevor es dort künstlerisch tätig wurde. „Unfolding“ heißt die Ausstellung, welche die beiden bis zum 11. Juni im Museum Théo Kerg präsentieren.

Sie haben sich beim Studium der Malerei kennengelernt, das sie an der Außenstelle Freiburg der Staatlichen Akademie für Bildende Kunst in Karlsruhe absolvierten.Ariane, Jahrgang 1978, kam in Furtwangen im Schwarzwald zur Welt. Ihr Mann Mateusz, Jahrgang 1979, stammt aus Polen. Stets interessierten sie sich für das Werk des anderen.

Kuratorin Lynn Schoene vom Kerg-Museum lernte Ariane schon vor einigen Jahren bei einem Weiterbildungskurs für Lehrkräfte kennen und beobachtete ihr weiteres Schaffen. Inzwischen sind Ariane und Mateusz nicht nur künstlerisch ein eingespieltes Team, sondern auch verheiratet und Eltern eines kleinen Jungen. Bei der Vernissage interpretierte Kunsthistorikern Maria Lucia Weigel ihr Werk.

Demnach haben sich die beiden bei der Besichtigung des Ausstellungsraums im Museum Théo Kerg vor allem vom offenen Dachstuhl des alten Gebäudes inspirieren lassen. Das großformatige Foto einer bröckelnden Häuserfassade am Treppenaufgang ist sozusagen der Einstieg in die Installation, bei der auch Kartons mit etwas Farbe und Gestricktes eine Rolle spielen.

Nur auf drei Objekten an den Wänden sind nochmals kleine Fotografien zu finden. Sind es Momentaufnahmen oder Inszenierungen? Das bleibt der eigenen Fantasie überlassen. Etwa bei dem Bild, auf dem ein Kind in blauem Anorak auf einen Fluss blickt, auf dem sich ein Schiff nähert. Beim Besuch der Ausstellung ist durchaus Vorsicht geboten. Denn das Material aus dem Baumarkt ist als „Raumgefüge“ so in Szene gesetzt, dass man stellenweise auch darüber stolpern oder sich den Kopf anstoßen könnte. Schließlich bedeutet das englische Wort „unfold“ so viel wie „sich ausbreiten, sich entwickeln“.

Info: Die Ausstellung „Unfolding“ von Ariane Faller und Mateusz Budasz im Museum Theo Kerg (Talstraße 52) ist noch bis zum 11. Juni sehen.

Geöffnet ist mittwochs von 17 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.
Anfragen im Rathaus unter 0 62 03/ 60 20. Parkmöglichkeiten auf dem Festplatz.
nach oben

Schriesheim: SCHRIESHEIM IM MUSEUM THEO KERG WURDE DIE NEUE SONDERAUSSTELLUNG MIT WERKEN VON ARIANE FALLER UND MATEUSZ BUDACZ ERÖFFNET

"Was man mit Holz vom Baumarkt machen kann"

09. Mai 2017 Autor: Gerlinde Gregor

Unter dem vielsagenden Titel "Unfolding" (Entfaltung) wurde am Wochenende die Sonderausstellung der Künstler Ariane Faller und Mateusz Budasz im Museum Théo Kerg eröffnet. Etwas erstaunt und überrascht waren die Vernissage-Besucher schon, als sie die Treppe zum Ausstellungsraum hinauf gingen und die zahlreichen Holzbalken sahen, die scheinbar die Museumsdecke abstützten. "Wird hier umgebaut?", fragte sich der eine oder andere Besucher etwas irritiert.

Beides war falsch. Vielmehr handelte es sich um eines der Kunstwerke, eine Installation, durch die man hindurchgehen konnte. Dafür verwendeten die Künstler Holzlatten aus dem Baumarkt, die entweder in einem Pappkarton endeten oder bis an die Decke reichten und so der Installation eine gewisse Ordnung und Dreidimensionalität verliehen. "Der Betrachter befindet sich mitten im Bild", interpretierte der Künstler Mateusz Budasz sein außergewöhnliches Werk. In seiner Begrüßung drückte Bürgermeister Hansjörg Höfer seine Bewunderung aus, "was man so alles mit Holz vom Baumarkt machen kann." Die Leiterin des Museums, Lynn Schoene, nannte die Installation "eine subjektiv erlebbare Momentaufnahme, die das Räumliche mit einbezieht."

Die Heidelberger Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel verwies in ihrer Laudatio auf den Umgang der beiden Künstler mit den verwendeten gestalterischen Mitteln sowie den Linien und Farben, die zu einer "Verräumlichung" führen würden. Damit wollen die Künstler das von ihnen bevorzugte Material, die Dachlatten, als vorherrschende Elemente ins "Malerische" überführen.

Für die Installation dieses Raumes haben die beiden Künstler sich Zeit gelassen, wollten sie doch zuvor ein Gefühl für den Ort bekommen. Weigel deutete auf eine Fotografie hin, die den Treppenaufgang ziert und die Fassade eines alten Hauses zeigt, vor der mehrere Holzplatten unterschiedlichen Formats mit weißer Malschicht überzogen und mit parallel verlaufenden Ritzlinien versehen platziert sind. Die Kunsthistorikerin interpretierte, dass diese Elemente auf Strukturen antworten, die aus den "konstruktiven Prinzipien von Architektur" abgeleitet werden. Dadurch entstehe eine Spannung zwischen dem historischen Gebäude und den hinzugefügten Elementen. "Das Gebaute wird den Betrachter dadurch dialektisch erfahrbar", erläuterte die Kunsthistorikerin.

Die Entscheidung, für die Gestaltung des Museumsraumes Dachplatten als vorherrschende Elemente einzusetzen, fassten die beiden Künstler, als sie den offenen Dachstuhl sahen. In den Vitrinen platzierten die beiden Künstler ihre Dokumentationen ihrer Installationen, die nur eine kleine Bandbreite ihres künstlerischen Schaffens zeigen. Interessant ist auch, dass alle ihre Installationen mittels Umstellung neue Konstellationen ermöglichen. So gab es von den Künstlern für einen Wiederaufbau in anderen Räumlichkeiten eine Anleitung.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 09.05.2017
nach oben

Schriesheim: SCHRIESHEIM AM SONNTAG BEGINNT DIE NEUE SONDERAUSSTELLUNG IM MUSEUM THEO KERG / SCHON DAS AUFBAUEN IST EIN KÜNSTLERISCHER PROZESS

Installation aus Dachlatten und Kartons

06. Mai 2017 Autor: Konstantin Groß

Frühlingszeit ist Ausstellungszeit, auch im Schriesheimer Museum Théo Kerg. Die in einer urigen Scheune der Altstadt untergebrachte Galerie für moderne Kunst zeigt ab morgen ihre neue Sonderausstellung in diesem Jahr. Unter dem Motto "Unfolding" (Entfaltung) präsentieren die beiden Künstler Ariane Faller und Matheusz Budacz einen Monat lang ihre Installationen.

Faller, geboren 1978 in Furtwangen im Schwarzwald, und Budacz, Jahrgang 1979 und in Polen gebürtig, haben beide an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studiert, und zwar das Fachgebiet Freie Malerei und Grafik. Und beide haben in diesem Fach auch ihr Diplom erworben.

Seither verfügt das Duo bereits über reichlich Ausstellungserfahrung, sei es im Rahmen des Künstlerbundes Baden-Württemberg, dem die beiden angehören, sei es in Einzelausstellungen privater Galerien oder kommunaler Einrichtungen wie etwa der Städtischen Galerien in Karlsruhe oder Villingen-Schwennigen. Nun reiht sich darin das Kleinod in Schriesheim ein, zu dessen ambitioniertem Anspruch das Konzept der Künstler geradezu ideal passt.

Denn ihre Werke sind schon eine Besonderheit. Sie sind keine Künstler, die lediglich Bilder an die Wand hängen. Ihr Material sind Dachlatten und bemalte Kartons, zwischen denen Fotos die Acessoires bilden.

"Jede unserer Ausstellungen steht im Dialog mit dem Ausstellungsraum", lautet einer ihrer Grundsätze. Das optisch dominierende Fachwerk der Scheune des Kerg-Museums prägt damit ihre hiesige Ausstellung. Große Paletten, mit denen sie an anderen Orten zuweilen arbeiten, werden hier nicht verwandt.
Angesichts dessen ist klar, dass das Einrichten der Ausstellung selbst bereits ein künstlerischer Prozess ist, der zuweilen übrigens bis unmittelbar vor Beginn der Vernissage reicht. Aus dem Gewirr an Komponenten, die auf den ersten Blick wie das Lager eines Baumarktes wirken, entsteht allmählich ein Kunstwerk, das im Zusammenwirken mit Licht und Schatten zum Leben erwacht.

"Ihre Arbeit passt wunderbar in unser Museum", freut sich denn auch Lynn Schoene, die Leiterin der Einrichtung. Sie hat die Künstler bei einer Veranstaltung im Schwarzwald kennengelernt und für Schriesheim gewonnen. Die Ausstellung ist bis 11. Juni zu sehen - mittwochs von 17 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr und darüber hinaus nach Vereinbarung.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 06.05.2017

nach oben

UNFOLDING: ARIANE FALLER & MATEUSZ BUDASZ
SONDERAUSSTELLUNG IM MUSEUM THÉO KERG
7. MAI – 11. JUNI 2017
Vernissage: Sonntag, den 7. Mai 2017, 11 Uhr       
Begrüßung: Bürgermeister Hansjörg Höfer und Museumsleiterin Lynn Schoene
Einführung: Dr. Maria Lucia Weigel, Kunsthistorikerin
Öffnungszeiten Mi 17–19 Uhr, Sa 14–17 Uhr, So 14–17 Uhr sowie nach Vereinbarung
Museum Théo Kerg:  Talstraße 52 , 69198 Schriesheim
Bitte auf dem Festplatz parken. Fußweg ab Rathaus ca. 250 m.

Vehikel
Abbildung „Vehikel“ Donaueschingen  © Faller / Budasz

Von den entgegengesetzten Polen des Malerischen und Linearen ausgehend, beschreiben Ariane Faller und Mateusz Budasz anhand divergierender Ausdrucksformen ein verbindendes künstlerisches Element: den Raum. Es sind minimale oder extensive Raumbezeichnungen und Raumaneignungen zwischen innerbildlicher und außerbildlicher Wirklichkeit. Dabei entstehen zumeist von der Wand in den Raum ausgreifende Installationen, die ebenso aus traditionellen Werkstoffen gefertigt sein können wie aus fabrikneuen oder vorgefundenen Materialien. Der so geschaffene Raum und die ihn konstituierenden Bilder sind vertraut und doch fremd. Dadurch eröffnen sich im Sehen und Erkennen reizvolle Zwischenbereiche, in denen Neues erfahr- beziehungsweise denkbar wird. Die beiden Künstler entziehen mittels dieser Eingriffe der gewussten Realität die ihr zugeschriebene Bedeutungsfestigkeit. Sie verliert an Eindeutigkeit. Die Grenzen zwischen Bezeichnung und Bezeichnetem, zwischen den Genres, zwischen den Dingen und dem Raum verschwimmen. Das mag beunruhigen oder faszinieren. Es ist, als erzeugte der durch eine bewegte Oberfläche fallende Blick eine unscharf gezeichnete, verzaubernd andere Welt.

Mit vielschichtigen künstlerischen Mitteln errichten Ariane Faller und Mateusz Budasz so etwas wie einen zeitgenössischen MERZ-Bau, in dem variable Beziehungen geschaffen werden – zwischen potentiell fast allem -, in dem Grenzen aufgehoben werden.  
(Ursula Köhler, Kunsthistorikerin)


Faller  *1978 in Furtwangen im Schwarzwald

1997 - 2003 Studium, zunächst der Kunsterziehung, dann der Freien Malerei/Grafik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, Außenstelle Freiburg, bei Prof. Silvia Bächli, Prof. Ernst Caramelle und Prof. Günter Umberg
2002 Kulturpreis Schwarzwald-Baar für Bildende Kunst
2003 Diplom

Budasz  *1979 in Poznań/Polen

2000-06

Studium der Freien Malerei/Grafik an der Staatlichen Akademie
der Bildenden Künste Karlsruhe, Außenstelle Freiburg,
bei Pia Fries und Prof. Leni Hoffmann

2005

Diplom

2005/2006 Meisterschüler von Prof. Leni Hoffmann

seit 2014: Mitglieder im Künstlerbund Baden Württemberg

Ausstellungen/Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl ab 2014):

2017
"unfolding", Museum Théo Kerg, Schriesheim [E]
"Stand der Dinge“, Künstlerbund Baden-Württemberg

2016
"Sammlerglück", Städtische Galerie Villingen-Schwenningen [K]
"Stelldichein final“, Galerie Fluchtstab, Staufen (Faller)

2015
"Recall", Stadtmuseum Hüfingen [E]
"POOL“, Kunstverein Hechingen, Galerie Weißes Häusle, Hechingen [E]
"Barock heute", Zehntscheuer, Merdinger Kunstforum
"Die Schwarzwaldstadt Schramberg aus der Sicht der zeitgenössischen Kunst", Stadtmuseum  
Schramberg [K]
"Alle", Künstlerbund Baden-Württemberg, Städtische Galerie Karlsruhe [K]
Donaueschinger Regionale [K]
62. Jahresaustellung des Kunstvereins Villingen-Schwenningen, Franziskanermuseum VS
"weekly 2015“, Galerie Fluchtstab, Staufen (Faller)

2014
"Kunsthaus Hechingen 2014" [K]
"DNA“, Kunstforum Hochschwarzwald, Titisee-Neustadt [E]
"pleasure pier“, mit Reinhard Voss, Galerie im Artforum, Offenburg [E/K]
"von Ansicht zu Ansicht“, mit Reinhard Klessinger, Galerie Fluchtstab, Staufen (Faller) [E]
"pocket park“, Marktplatz und Schauraum, Furtwangen [E]

2013/14
"dé-fil-é" - Regionale 14, FABRIKculture, Hégenheim (F)

[E] Einzelausstellung [K] Katalog/Dokumentation

nach oben

RNZ von Dienstag, 09. Mai 2017
Die Neuauflage ist schon fest eingeplant
Junge Künstler begeisterten bei „Poetry Slam“ des Kulturkreises in Majer’s Weinscheuer – Texte zu Sprache, Beziehungen und Politik

Von Karin Katzenberger-Ruf

Schriesheim. Den Kopf im Nacken schreit Julie Kerdellant aus Landau ihren Ärger über langsame Menschen hinaus. Schließlich verursachen sie Staus und Warteschlangen, sind im Reden und im Denken einfach immer hinterher. Nein, Julie mag sie nicht, weil das Leben dafür zu kurz ist.

Beim ersten Poetry Slam in Schriesheim bekommt sie für ihren Vortrag viel Applaus von den rund 150 Zuhörern in Majer’s Weinscheuer, aber etwas weniger als Stefan Unser aus Malsch, der sich unsere amerikanisierte deutsche Sprache vorknöpft und das Wort „Facility Manager“ einfach mit „Hausmeister“ übersetzt.

In der Endrunde begeistert er nochmals mit ausgefeilten Wortspielen über das Wollen und das Wünschen, spricht von „Wunschexekution durch Sofortbefriedigung“ heute und stellt dies Kindheitserinnerungen gegenüber, zum Beispiel an seinen Klassenkameraden Kalle, der mit seinem neuen Fahrrad im Schulhof seine Angeberrunden drehte. Ihm habe er damals gewünscht, „auf die Fresse“ zu fallen. Der Wunsch geht erst 30 Jahre später in Erfüllung, als Kalle als Rennradler im bunten „Strampelanzug“ vor seinen Augen einen Sturz hinlegt. „Das hab ich echt nicht gewollt“, so das Schlusswort der Geschichte.

Christian Glocker, Vorstandsmitglied im Kulturkreis Schriesheim (KKS), hatte die Idee zu der Veranstaltung. Genauer gesagt ist seine Frau daran schuld: Sie hatte mehrere Poetry Slams besucht und konnte ihren Mann schließlich dazu bewegen, mit zu einem der literarischen Wettbewerbe im Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) in Heidelberg zu kommen. Er war begeistert und machte sich fortan selbst für die Sache stark.

Ein „Applausometer“ gibt es in der Weinscheuer nicht. Das Publikum entscheidet ohne elektronische Hilfe mit lautem Klatschen und Rufen darüber, wer der neun Kandidaten aus den drei Vorrunden die Eintrittskarte für die Endrunde erhalten soll.

Da haben die leiseren Töne offenbar die schlechteren Karten.Leticia Wahl aus Marburg erzählt in Reimen, wie sie sich in die Unschuld verliebt. Diese ist für sie der Sturm, der in ihr ruht, aber auch Ebbe und Flut. Sie spricht von Texten, die sich verdichten. Zuviel Poesie?

Letztendlich macht Jean-Philippe Kindler aus Tübingen das Rennen. Der Student der Rhetorik kennt keine Versprecher, hat überdies schauspielerisches Talent. Das kommt an. Egal, ob er über Beziehungen spricht oder über Politik. Kindler wollte was über Innenminister Thomas de Mazière und die Flüchtlingspolitik schreiben, aber nichts Ernstes, sondern was Witziges, und das ist auch gelungen. Beim Vortrag ist er gegenüber seinen Mitstreitern aufgrund seiner Ausbildung klar im Vorteil.

„Kopf aus, abschalten, einschalten, umschalten“ – damit fordert die Mannheimer Sängerin Mori die Gäste in den Pausen zum Mitsingen auf. Ihre Texte passen gut zur literarischen Mischung, die die neun Kandidaten mit in die Weinscheuer bringen. Applaus gibt es am Ende des Abends aber nicht zuletzt auch für die wortgewandten Moderatoren Kathrin Rabus und Frank Habrik.

Letzterer ist als Chef der Agentur „Word up!“ dafür verantwortlich, dass der erste Poetry Slam in Schriesheim dem Publikum eine abwechslungsreiche Mischung bietet. „Ein großartiger Abend auf sehr hohem Niveau“, bilanziert Dieter Weitz, Pressesprecher des KKS, nachdem Ende der Veranstaltung. Man habe sich im Vorstand bereits für eine Neuauflage des Formats entscheiden.

nach oben

RNZ von Donnerstag, 04. Mai 2017
Poetry Slam feiert in Schriesheim Premiere
Literarischer Vortragswettbewerb am Sonntag in Majer’s Weinscheuer schon ausverkauft – Kulturkreis macht Hoffnung auf Neuauflage

Schriesheim.(fjm) „Word up!“ feiert am Sonntagabend eine Premiere: Noch nie gab es einen Poetry Slam in Schriesheim, doch diese Form des literarischen Vortrags stieß in der Weinstadt gleich auf großes Interesse. Schon drei Wochen vor der Veranstaltung des Kulturkreises (KKS) waren sämtliche der 150 verfügbaren Karten ausverkauft. „Wir hätten auch noch 40 Karten mehr verkaufen können“, sagt Christian Glocker, der den Abend vonseiten des KKS organisiert hat.

Dass mit Frank Habrik von „Wordup!“ ein Profi für die Moderation und die Zusammenstellung der „Slammer“ verantwortlich ist, ist nicht selbstverständlich. Eigentlich sei Schriesheim nämlich zu klein für Poetry Slams, sagt Habrik: „Das ist bei der Größe eigentlich schwierig, wenn es zum Beispiel keine Studentenstadt ist.“ Normalerweise findet „Word up!“ im Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) im Heidelberg oder in der Alten Feuerwache in Mannheim statt. Beim KKS habe er aber den Eindruck gehabt, dass die Verantwortlichen wissen, was sie tun: „Dass der Abend ausverkauft ist, ist auch ein Zeichen, dass der Kulturkreis in Schriesheim ein gutes Standing hat.“

Besonders freut Organisator Glocker, dass das Publikum am Sonntag deutlich gemischter sein wird als bei anderen KKSVeranstaltungen. „Vom Schüler bis zum Rentner ist alles dabei“, sagt er. Auch aus Lampertheim, Heddesheim und Weinheim seien Anfragen für Karten gekommen – erstmals war dies auch per E-Mail möglich. „Ein hoher organisatorischer Aufwand, den man für so etwas aber gern hat“, findet Glocker.

Jetzt ist die Vorfreude bei den Veranstaltern groß, die selbst zum Teil erst im Februar ihren ersten Poetry Slam im DAI miterlebt hatten. „Wir sind dort als Vorstand hingefahren und waren begeistert“, erzählt Jochen Wähling, stellvertretender Vorsitzender des KKS. „Es hat mir total Hoffnung gemacht, dass sich dort junge Menschen so äußern und engagieren“, sagt zudem Vorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer.

Denn genau darum geht es beim Peotry Slam: „Live vor anderen Menschen seine Gedanken auszudrücken“, wie Habrik es formuliert. In drei Vorrunden treten bei „Word up!“ je drei Künstler gegeneinander an, die Gewinner qualifizieren sich für das Finale. Dort werden dann noch einmal neue Texte vorgetragen. Wer gewinnt, entscheidet das Publikum. Häufige Themen der „Slammer“ sind Beziehungen, Politik, Alltagsprobleme oder Philosophie – der Kreativität sind aber keine Grenzen gesetzt.

„Ich habe bei der Auswahl auf Vielfalt geachtet“, sagt Habrik. Ernsthaft, lyrisch, lustig – die Besucher sollen die Bandbreite der Vortragsformen erleben können. Habrik als Moderator tritt mit seiner Kollegin Kathrin Rabus dabei eher in den Hintergrund: „Wir rollen nur den Teppich für die Poeten aus.“ In den Pausen wird zudem Singer-Songwriterin „Mori“ ihr neues Album vorstellen.

Die Vortragenden selbst kommen aus allen Teilen der Republik nach Schriesheim: Duisburg, Tübingen und Marburg sind nur einige der Heimatstädte. „Die Kandidaten, die am Sonntag kommen, machen das meist nebenberuflich“, sagt Harbik. Er kennt sie meist von früheren Veranstaltungen und ist von der Qualität ihrer Beiträge überzeugt. „Ich habe aber auch darauf geachtet, dass es nicht die Provokantesten sind“, sagt er. Mit dem Schriesheimer Publikum sollen es sich die „Slammer“ bei der Premiere nicht gleich verscherzen.

Denn: „Wenn es einen ersten gibt, warum soll es dann nicht auch einen zweiten geben?“, wie KKS-Pressesprecher Dieter Weitz fragte.

nach oben

Der Kulturkreis Schriesheim veranstaltet in Kooperation mit dem WordUp! Heidelberg den

1. Poetry Slam in Schriesheim (ausverkauft)

Was ist ein Poetry Slam?
Ein Wettbewerb der Bühnendichter…
9 Poeten tragen selbstverfasste Texte vor, das Publikum entscheidet mit seinem Applaus wer in die Finalrunde kommt und am Ende Sieger des Wettbewerbs wird. Die Texte sind mal politisch, mal tiefgründig, mal persönlich und meist sehr humorvoll. Mehr...
Einlass: 18 Uhr

Karten unter karten@kk-schriesheim.de

Hier geht's zum Plakat ...
nach oben

Schriesheim: Schriesheim Pianist und Wissenschaftler Theo Stemmler liest aus seinem noch unveröffentlichten Buch "El Paradiso"

Als Jazz "Urwaldmusik" war

Autor: Gerlinde Gregor

Dass Professor Theo Stemmler ein begnadeter Jazzpianist ist, der seine Fans zu Begeisterungsstürmen hinreißt, das weiß in Schriesheim jeder. Auch dass der emeritierte Professor für englische Sprache und Naturwissenschaften der Universität Mannheim ein bedeutender Autor in den Bereichen Kultur und Literaturwissenschaft ist, wissen einige.

Doch dass er obendrein auch ein begnadeter Bücherschreiber sein kann, der mit spitzer Feder mit reichlich Humor und manchmal in einer deftigen und gepfefferten Sprache über seinen Werdegang als Musiker schreiben kann, das erfuhren am Sonntag zur besten Matineezeit die Besucher, die ins Museum Théo Kerg gekommen waren.

Es war aber nicht nur eine profane Lesung aus seinem noch nicht veröffentlichen Buch "El Paradiso", es war vielmehr eine gelungene Mischung aus Literatur und Musik. Begleitet wurde Stemmler von Markus Braun am Bass und von Rüdiger Majer am Schlagzeug. Majer legte gleich zu Beginn der Veranstaltung auf seinem Schlagzeug ein Solo hin, das auch den letzten Zuhörer aus den morgendlichen Träumen riss.

Um die Autorenlesung mit dem nötigen Pep zu versehen, hatte Stemmler ein musikalisches Programm zusammengestellt, das neben Jazzelementen auch Lieder und Evergreens der frühen Jahre beinhaltete, oder "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" von Marlene Dietrich. Er ließ "Red roses for a blue Lady" pflücken und "Salome" verführerisch die Schleier schwingen, zelebrierte "Tea for two".

Seine Erinnerungen in "El Paradiso" begannen mit der Epoche, als "Jazz" als "Urwaldmusik" verpönt war. Die Damen in den Cafés wollten Tanzmusik, und die bekamen sie auch von dem damals 16-jährigen Pennäler, der mit seiner Gruppe abends in einem Bonner Vorortschuppen für eine Stundengage von 2,50 Mark spielte und danach von seinem Vater abgeholt wurde. In den Lokalen, so schreibt er, trank man vorne Bier und hinten saßen die Tanzwilligen auf grünen Plastikstühlen vor einem mit grauem Kunststoff bezogenen Tisch. Falls sich da mal ein Musiker verspielte, merkte kaum einer, man spielte einfach weiter. Auftritte hatte seine Combo in einem "Night Club", "mehr ein Edelpuff als ein Nachtclub".

Aufstieg in Bonner "Redoute"

Ein musikalischer Aufstieg folgte, als Stemmler ein Engagement in der vornehmen "Redoute" in Bonn erhielt, die meistens von betrunkenen Politikern und Diplomaten und von der älteren feinen Gesellschaft besucht wurde. Die Zuhörer wünschten sich da meistens Lieder aus dem "Blauen Engel". Jetzt war auch klar, warum er den Song von Marlene Dietrich im Programm hatte.

Es gab aber auch eine Tragödie, die ihm heute noch nahe geht. Im Spielcasino verlor ein Spieler 100 000 Mark. Er gab noch eine Runde "Bommerlunder mit Pflaume" aus, legte dem Pianisten zehn Mark auf das Klavier, ging nach draußen und erschoss sich. Ein trauriger Abschluss eines ansonsten vergnüglichen Vormittags im Museum Théo Kerg.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 28.03.2017

nach oben

RNZ von Montag, 27. März 2017
Schriesheim: Vom Resopaltisch ins "Paradies"
KKS-Matinée mit Erinnerungen von Theo Stemmler und Musik des "College Jazz"-Trios im Kerg-Museum

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Die Zeiten, als Teenager Cordanzüge und Ringelsocken trugen, als Jazz "Urwaldmusik" war und in verrauchten Kellern gespielt wurde, liegen lange zurück. Gestern wurden sie bei einem kühlen Weißwein im Kerg-Museum lebendig, als Theo Stemmler aus seinem noch unveröffentlichten Buch "El Paradiso" las und das Gehörte immer wieder mit musikalischen Kostproben seines "College Jazz"-Trio anreicherte.

Der Name des emeritierten Literaturwissenschaftlers, der seit Jahren "benefiz" für den Kulturkreis (KKS) als Betreiber des Museums spielt, "ziehe" offensichtlich, bemerkte KKS-Pressewart Dieter Weitz eingangs beim Blick auf die fast voll besetzten Stuhlreihen. Dann stellte sich Drummer Markus Braun mit einem starken Solo vor, während Rüdiger Mayer seinem Bass später bei "Birks Works" von Dizzy Gillespie eindrucksvolle Klänge entlockte.

Entführt in die Fünfziger

Bebop, Standards und Swing entführten in die Fünfziger, in einen Bonner Vorort und in die dortige Kneipe "Rheinhof". Zwischen Resopaltischen, Plastikrosen und Herrengedecken hatte der damalige Teenager Stemmler mit seiner Band die ersten Auftritte: "Tanzmusik mit wenig Niveau, aber die Gäste erwarteten auch keines." Ab und zu wurde in der vornehmen "Lesegesellschaft" vor blauhaarigen, dick gepuderten Damen gespielt, und irgendwann landete die Combo auch im "Paradiso", wunderschön beschrieben als "Mischung aus Edelpuff und Nachtklub".

Stemmlers pointierte Beschreibungen machten Spaß und hauchten der ganzen Staffage auf eigenwillige Weise Leben ein: den langbeinigen Bedienungen in Stöckelschuhen und Zofen-Kostümen, ihrem ständig betrunkenen Chef, der später an Leberzirrhose starb, aber auch den aufmüpfigen Bandkollegen, die immer wieder Vereinsfeiern oder Abschlussbälle mit Cool-Jazz-Einlagen aufmischten oder auch mal Musikerkollegen Prügel androhten, um an ihre Gage zu kommen.

In späteren Jahren wurde im feinen "Redoute" der einstigen Bundeshauptstadt gespielt, vor schwer alkoholisierten Abgeordneten, Diplomaten und älteren Herrschaften, die den Schlager aus dem Film "Der Blaue Engel" hören wollten. Weshalb die "College-Jazzer" auch ihre Version von "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" folgen ließen.

Bevor die Matinée in einer melancholischen Schluss-Parade mit "As Time Goes By" ausklang, ging es aber noch zu einem sehr nachdenklichen Abstecher ins Spielcasino und zu "La Vie En Rose": Das konnte der Pianist, der sonst mit flüssigen Läufen und perlenden Soli glänzte, nicht spielen, weil es für ihn mit der Erinnerung an einen Spieler verbunden war.

"Er hat 100.000 Mark verloren", munkelte man in der Bar, als der Mann mit großer Ruhe eine Lokalrunde "Bommerlunder mit Pflaume" orderte, dem Pianisten zehn Mark Gage für das Chanson hinlegte und dann nach draußen ging, um sich zu erschießen.

nach oben

„El Paradiso“ – eine Matinée mit Prof. Theo Stemmler
Museum Théo Kerg: Sonntag, 26. März 2017, 11:00 Uhr

Theo StemmlerMit der nächsten Veranstaltung des Kulturkreises steht eine literarisch-musikalisch-satirische Delikatesse am kulturellen Horizont Schriesheims: wenn nämlich Prof. Theo Stemmler aus seinem neuen Buch „El Paradiso“ liest, launige Musiker-geschichten lebendig macht und das Ganze durch musikalische Begleitung seines „College Jazz Trio“ - neben Theo Stemmler am Keyboard spielen Markus Braun (Bass) und Rüdiger Mayer (Schlagzeug) - zu einem launigen Mixtum compositum werden lässt.

Der Untertitel seines Buchs lautet: „Vom Rheinhof zur Redoute“ – eine symbolische Umschreibung der mitunter kuriosen Wegstrecke einer (vorwiegend „seiner“) Band von einem kleinbürgerlichen Tanzschuppen in der Vorstadt Bonns zum gesellschaftlichen Treffpunkt der Diplomaten, Politiker und Journalisten in der damaligen Bundeshauptstadt.

Dem Autor geht es nicht nur um genaue Beobachtung, sondern um satirische Zuspitzung. Sozialkritik ist auch dabei. Und viel Musik – nicht nur Jazz. Theo Stemmler, emeritierter Professor für Englische Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Mannheim, hat zahlreiche Bücher und Essays über kultur- und literaturgeschichtliche Themen verfasst; er ist Mitglied des Deutschen PEN-Zentrums. Seine Liebe zur Jazzmusik begann bereits in früher Jugend. Seitdem hat er bis heute in vielen Bigbands und Combos als Pianist mitgewirkt.

Als jahrelang nachtaktiver Jazzmusiker kann Theo Stemmler viel erzählen: Ernstes, Heiteres und Verrücktes.

nach oben

Vernissage der Mathaisemarktkunstausstellung 2017
Mathaisemarktkunstausstellung 2017 Mathaisemarktkunstausstellung 2017 Mathaisemarktkunstausstellung 2017
Mathaisemarktkunstausstellung 2017 Mathaisemarktkunstausstellung 2017 Mathaisemarktkunstausstellung 2017
Fotos: Rolf Kuhmann
nach oben

Schriesheim: Mathaisemarktkunstausstellung mit Werken mit Werken von Walter Stallwitz eröffnet.

„Virtuos eingesetzte Farben machen Bilder zum Seherlebnis“

Von unserem Redaktionsmitglied Hans-Jürgen Emmerich

Für die scheidenden Weinhoheiten war es der letzte Termin vor der Abkrönung, für den ausstellenden Künstler seine x-te Vernissage. "Ich bin trotzdem aufgeregt", sagte Walter Stallwitz dem "MM" kurz vor Beginn: "Das hört nie auf." Es sei so wie bei einem Schauspieler: "Der hat auch immer Lampenfieber."

Grund zur Aufregung gab es indes nicht. Die Eröffnung der Kunstausstellung im Feuerwehrhaus gehört zu den gemütlichen Veranstaltungen des Mathaisemarktes, kurz vor dem offiziellen Auftakt im Festzelt.

"Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte", bemühte die Vorsitzende des Kulturkreises Schriesheim, Gabriele Mohr-Nassauer, zum Auftakt ein Sprichwort und zeigte sich überzeugt: "Gerade bei dieser hochkarätigen Ausstellung wird es viele Dialoge zwischen Bild und Betrachter geben."

Der heute 87-jährige Künstler Walter Stallwitz wurde 1929 in Mannheim geboren.

Nach dem Studium an der Freien Kunstakademie Mannheim (1946 bis 1950) veredelte er 1956 sein Talent unter anderem bei Oskar Kokoschka in Salzburg. Dessen Urteil: "Künstlerisch zu Hoffnungen berechtigt, falls er nicht verhungert."

1958 bezog er sein Atelier in der 1775 erbauten Mannheimer Sternwarte. Daher auch der Titel seiner Ausstellung in Schriesheim: "Bilder aus der Sternwarte" (Gemälde und Graphiken).

Sein umfangreiches Werk, das in mehr als sieben Jahrzehnten entstanden ist, umfasst vor allem Malerei und Zeichnungen.

Zentrales Motiv ist der Mensch. Dieser erscheint mitunter jedoch nur indirekt, etwa in Form von Schatten.

Öffnungszeiten der Mathaisemarkt-Ausstellung im Feuerwehrhaus Schriesheim: samstags 12 bis 19 Uhr; sonntags 11 bis 18 Uhr; Montag, Dienstag und Freitag, 16 bis 19 Uhr (bis 12. März). Der Eintritt ist frei.

Die Mathaisemarkt-Ausstellung sei immer wieder spannend, sagte Bürgermeister Hansjörg Höfer. So außergewöhnlich wie die ausgestellte Kunst sei aber auch der Verein, fügte er hinzu.

In das Werk des Künstlers einführen sollen hätte eigentlich Dr. Barbara Gilsdorf, Kulturreferentin der Stadt Schwetzingen, doch sie musste aus beruflichen Gründen kurzfristig absagen. Den von ihr verfassten Text verlas Kuratorin Jo Goertz. "Stets ist dem Maler die ausdrucksstarke und kontrastreiche Farbgebung der wichtigste Begleiter", würdigt Gilsdorf den Mannheimer: "Farben werden künstlerisch so virtuos, fesselnd und differenziert eingesetzt, dass sie aus dem herkömmlichen Thema ein einzigartiges Seherlebnis machen."

Manchmal ist es nur der Schatten eines Menschen, den der Betrachter auf der Leinwand sieht, so wie beim Liebespaar (1992/93). Oder eine Spiegelung (Im Spiegel, 1986). Die meisten der ausgestellten Werke sind verkäuflich, zu Preisen zwischen 500 und 7000 Euro.

Das Portrait von Professor Heinz Fuchs, des früheren, 1979 verstorbenen ehemaligen Leiters der Mannheimer Kunsthalle, allerdings nicht. Er war für Stallwitz lange Jahre ein ebenso kritischer wie vertrauter Ansprechpartner in Sachen Kunst.

Sein Bundesverdienstkreuz gab der Maler in den Achtzigern zurück. Aus Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Da mag es ihm gefallen haben, dass der junge Syrer Ammar Alrashid die Vernissage musikalisch umrahmte. "Er kann wunderschön Gitarre spielen", attestierte ihm Mohr-Nassauer.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 04.03.2017
nach oben

RNZ von Samstag/Sonntag, 4./5. März 2017
Der Mensch verschmilzt mit dem Interieur
Vernissage im Saal der Feuerwehr – Volles Haus beim Auftakt zur Mathaisemarkt-Kunstausstellung mit dem Maler Walter Stallwitz

Von Stephanie Kuntermann
Schriesheim. „DerMensch– in der von ihm selbst geschaffenen Welt wird er zur Wucherung“, sagt Walter Stallwitz und fährt fort: „Er ist nicht mehr Herr der von ihm geschaffenen Gegenstände, er wird immer mehr selbst ein Gegenstand, ein exotisches, fremdes, wucherndes Wesen.“ Die Menschen auf den Bildern des Künstlers verschmelzen oft mit der Einrichtung, sind in hohen Lehnstühlen oder prächtigen Interieurs kaum auszumachen oder nur als Schatten präsent.

Bei der gestrigen Vernissage seiner Ausstellung „Bilder aus der Sternwarte“ sind die Menschen dagegen kaum zu übersehen: Dicht gedrängt stehen sie im Feuerwehrsaal und dem angrenzenden Foyer. Für die scheidenden Weinhoheiten ist es der letzte Termin ihrer Amtszeit, Königin Katrin Hartmann bedauert: „Wir werden es vermissen, so schöne Veranstaltungen zu besuchen.“ Bürgermeister Hansjörg Höfer geht in seiner Begrüßung dagegen auf die Festvorbereitungen und die unübersehbar auf den Straßen platzierten Betonbarrieren ein: „Sie sind ein Zeichen der Zeit, ich hoffe, nur eine vorübergehende Erscheinung.“ Angesichts der oft unvorhersehbaren politischen Ereignisse sei es wichtig, die Kunst in den Alltag mitzunehmen: „Man muss sich damit beschäftigen.“

Im Namen des Kulturkreises als Veranstalter hoffe sie, dass sich beim Besuch der Ausstellung „viele Dialoge zwischen Kunst und Betrachter“ entwickeln mögen, sagt Gabriele Mohr-Nassauer. Zwischendurch wird es immer wieder ganz still, damit alle Gelegenheit haben, dem talentierten jungen Gitarristen Ammar Al Rashid zu lauschen, der mit Liedern wie „I Did It My Way“ und spanischer Musik eine meditative Stimmung aufbaut – wer kann, versucht derweil, einen Blick auf die großformatigen Werke zu erhaschen, die an den Stellwänden und den Stirnseiten des Saals zu sehen sind. Zusammen mit den kleineren, auf Fotopapier gemalten Bildern sind es 54 Gemälde, entstanden zwischen 1963 und 2017, zu denen der 87- jährige Mannheimer Künstler im Anschluss Auskunft gibt.

Doch zuvor lernt man mit der Einführung von Barbara Gilsdorf, seine komplexe Bildsprache zu deuten, sein stilistisches Pendeln „zwischen neoimpressionistischer Kleinteiligkeit und gestisch angelegter expressiver Malerei“, während seine unprätentiösen Porträts in zurückhaltendem Stil „Würde und Charisma“ der dargestellten Personen wahren. Die Schwetzinger Kulturreferentin Gilsdorf ist selbst nicht anwesend, doch Kuratorin Jo Goertz trägt ihre Ausführungen vor, die die Konsumkritik im Stallwitz’schen Werk fokussieren auf seine immer wiederkehrenden Darstellungen von Kronleuchtern. Die Lichtobjekte werden in seinen Bildern zum „Ausdruck eines elitären, luxuriösen Lebens“, stehen für Spießertum, Kapitalismus und stürzen sich mit der Dynamik wuchtig aufgetragener Pinselstriche mit „zügelloser Urkraft“ auf menschliche Gestalten, die gesichtslos sind und verflochten werden mit den Dingen, die sie selbst erschaffen haben. Immer wieder sind die Werke auch gesellschaftskritisch, zitiert sie schließlich ein weiteres Mal den Künstler, der findet, „dass wir auch im Bereich der Kunst moralisch nicht dazu verpflichtet sind, einfach alles zu ertragen“.

Info: Zu sehen ist die Ausstellung samstags von 12 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie Montag, Dienstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr.
nach oben

RNZ von Samstag, 18.Februar 2017
Wenn der Mensch von den Dingen beherrscht wird
Gespräch mit dem Mannheimer Künstler Walter Stallwitz über seine Mathaisemarkt-Kunstausstellung im Feuerwehrhaus

Schriesheim (sk). „Entfremdung“ ist eins der großen Themen im Werk von Walter Stallwitz. „Der Mensch wird von den Dingen beherrscht, die er erschafft. Er geht irgendwann in die selbst geschaffene Umwelt über“, sagt der Mannheimer Maler über die Gedanken, die ihn vor Jahren beschäftigten. Damals entstanden Gemälde, in denen die Menschen im Interieur zu versinken scheinen, ein Mädchen, das kaum aus dem Sessel aufsehen kann, der es umgibt. Doch später, sagt der 87-Jährige, waren es wieder andere Themen, denen er sich zuwandte – in seinen „Schlingen“- und „Schattenbildern“ etwa.

Es geht um vieles im RNZ-Gespräch, zu dem der Künstler aus seinem Atelier in der Mannheimer Sternwarte nach Schriesheim gekommen ist – mit einem unfreiwilligen Umweg über Wilhelmsfeld, weil sowohl der Taxifahrer als auch sein Navigationsgerät den Überblick verloren. Jetzt weiß er jedenfalls, wie man in die Weinstadt kommt, und er verspricht auch, zur Vernissage ins Feuerwehrhaus zu kommen, wenn die Ausstellung seiner Bilder unter Regie des Kulturkreises (KKS) eröffnet wird – am 3. März, dem Termin, der der offiziellen Eröffnung des Mathaisemarkts vorangeht.

Auf das Ausstellungsplakat hat KKSVizevorsitzender Jochen Wähling Stallwitz’ Lieblingsbild drucken lassen. „Verflochten“ heißt großformatige Gemälde, in dessen Zentrum ein pastellfarbener Kronleuchter prangt. Fäden und Linien gehen von ihm aus; sie beginnen, die schattenhafte Gestalt in der rechten Bildhälfte zu umschlingen. „Der Kronleuchter wird lebendig, aktiv und bewegt sich auf den Menschen zu“, sagt der Künstler. Der Mensch, das ist seine Erfahrung, mache allmählich alles, was er könne: „Aber er kann nicht alles verkraften.“ Manches, was im zwischenmenschlichen Miteinander angerichtet wird, stört ihn so sehr, dass er protestiert. Wie 1994, als er das ein Jahr zuvor verliehene Bundesverdienstkreuz zurückgab und damit seine Kritik an der deutschen Asylpolitik ausdrückte. „Das Thema ist hoch aktuell“, findet Ausstellungsmacherin Jo Goertz und bittet darum, deshalb das 2011/12 entstandene Werk „Fremdenfeindlichkeit“ in die Ausstellung aufzunehmen. Durch gesprungenes Glas blickt man auf die Gesichter von Menschen, die quasi vor der Tür stehen – so schafft Stallwitz eine nachdenklich machende Distanz und Verfremdung.

Ganz anders ein unbenanntes Gemälde, das man zum Zyklus der „Schattenbilder“ rechnen kann. Vor einer Zimmerecke mit bunter Tapete steht ein zusammengeklappter Rollstuhl. Erst auf den zweiten Blick sieht man einen menschlichen Schatten an der Wand. „Das ist der frühere Bewohner, er ist tot“, sagt Stallwitz. Er weiß noch nicht, ob er das Gemälde auch mitbringen will, doch KKSVorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer bestärkt ihn darin. Es sei nicht düster, findet sie mit Blick auf die leuchtenden Blumen – und weil der alte Mensch nun sein Hilfsmittel nicht mehr braucht, kann man ihn ja auch als befreit ansehen. Noch ist sich der Maler nicht ganz sicher, was alles Teil der Bilderschau wird. Soviel steht jedenfalls schon fest: Es gibt etwa 40 Werke zu sehen, großformatige Acrylbilder ebenso wie Zeichnungen und bearbeitete Fotografien. Alles „Bilder aus der Sternwarte“, wie die Ausstellung auch heißt.

Info: Die Vernissage beginnt am Freitag, dem 3. März um 17 Uhr.
Zu sehen ist die Ausstellung samstags von 12 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie Montag, Dienstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr.
nach oben

RNZ von Donnerstag, 2.Februar 2017
Spiel von Licht und Schatten im alten Gemäuer
„Bilder aus der Sternwarte“ ist der Titel der diesjährigen Mathaisemarkt-Kunstausstellung mit Werken von Walter Stallwitz

Schriesheim (sk). „Künstlerisch zu Hoffnungen berechtigt, falls er nicht verhungert im prosperierenden Deutschland“: Oskar Kokoschka schrieb diesen Satz einst über Walter Stallwitz, der bei ihm 1956 eine Sommerakademie besuchte. Verhungert ist er nicht, sondern zählt mittlerweile zu den Größen der Mannheimer Kunstszene; davon kann man sich bald in Schriesheim überzeugen, denn der Kulturkreis lud Stallwitz zur diesjährigen Mathaisemarkt-Kunstausstellung ins Haus der Feuerwehr ein, und er sagte zu.

1929 geboren, studierte Stallwitz an der Freien Kunstakademie Mannheim; 1985 gehörte er zu den Wieder-Gründern der Hochschule, an der er bis 2004 Zeichnen unterrichtete. Die Ausstellung hat den Titel „Bilder aus der Sternwarte“ und weist darauf hin, dass Stallwitz’ Atelier seit 1958 an einer besonders exponierten Stelle in der Quadratestadt zu finden ist: Wie schon seine Lehrer malte und malt er in der Sternwarte, einem von Mannheims ältesten Gebäuden. Es kommt auch vor, dass er das Bauwerk selbst malt: Tageslicht, das durch ein Sprossenfenster fällt, das Spiel von Sonne, Schatten und flimmernden Farben spielen die Hauptrolle in dem 2009 entstandenen Gemälde aus dem Treppenhaus. Im Atelier entstanden auch seine politischen Werke, „Schlingen“- und Schattenbilder, in denen er in lebhafter Farbigkeit dem Problem der Vereinsamung des Menschen nachspürt.

Bekannt geworden sind auch seine Porträts: Er stellt bekannte und unbekannte Zeitgenossen dar, die zumeist dem Betrachter zugewandt sitzen und ihn direkt anblicken. Von Willy Brandt gibt es eine Lithografie aus dem Jahr 1975, die den Bundeskanzler mit offenem Blick darstellt. Die Kreidezeichnung von Günther Grass, zehn Jahre früher entstanden, ist schlicht, aber sehr wirkungsvoll. Pastellig, mitunter abstrakt gestaltete der Maler dagegen 1963 die Türen der Sickinger- Schule; sein erster Auftrag für „Kunst am Bau“ machte aus den nüchternen anthrazitfarbenen Klassenzimmertüren kleine Kunstwerke. Büffel, Pinguine und Schneeleoparden, Reagenzgläser oder Landkarten zeigten, um welches Fach es im jeweiligen Raum ging. Die Werke überlebten den Abriss der Schule und sind heute in einem Depot.

Bis 1963 war Stallwitz zudem als Illustrator für die Deutsche Zeitung tätig, sammelte Preise und Stipendien im Inund Ausland, unternahm Reisen nach Indien und Marokko und stellte in der Kunsthalle Mannheim aus, in Düsseldorf, Landau, Speyer und Ludwigshafen. Seine Werke gehören heute zu den Sammlungen renommierter Museen, er bekam zahlreiche Auszeichnungen. Nicht alle Ehrungen, die Stallwitz in seinem langen Leben erhielt, nahm er auch an; so gab er 1994 das ein Jahr zuvor erhaltene Bundesverdienstkreuz wieder zurück– aus Unzufriedenheit mit der Asylpolitik der Bundesregierung.

Die Bilderschau mit dem Titel „Bilder aus der Sternwarte – Gemälde und Graphiken von Walter Stallwitz“ wird am Freitag, 3. März, um 17 Uhr mit einer Vernissage eröffnet. Barbara Gilsdorf, Kulturreferentin der Stadt Schwetzingen, stellt die Werke des Künstlers vor.
Zu sehen ist die Ausstellung samstags von 12 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie Montag, Dienstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr.
nach oben

Mathaisemarkt-Kunstausstellung 2017

Bilder aus der Sternwarte
Gemälde und Graphiken von Walter Stallwitz

Kuratorin: Jo Goertz

Eröffnung: Freitag, 3. März 2017, um 17:00 Uhr im Haus der Feuerwehr

Einführung mit Dr. Barbara Gilsdorf, Kulturreferentin der Stadt Schwetzingen

Musikalische Begleitung: Ammar Alrashid, Gitarre

Ausstellungsdauer: bis Sonntag, 12. März 2017

Öffnungszeiten: samstags 12-19 Uhr, sonntags 11-18 Uhr sowie Montag,
Dienstag und Freitag 16-19 Uhr


Walter Stallwitz, Portrait Walter Stallwitz, Wasserpfützen Walter Stallwitz, Verfochten
Portrait von Robert Häusser Wasserpfützen Verflochten

Die aus kurfürstlichen Zeiten stammende barocke Sternwarte in Mannheim Alte Sternwarte Mannheim„erlebte“ in den rund 245 Jahren ihrer Existenz bemerkenswerte Zeiten. Sie war 100 Jahre lang ein bedeutendes Zentrum der europäischen Landvermessung und Astronomie, wurde durch Einflüsse diverser Kriege oftmals in Mitleidenschaft gezogen und zog viele berühmte Besucher wie Wolfgang Amadeus Mozart oder Thomas Jefferson in ihren Bann.

Und bemerkenswert ist das historische Gebäude immer noch - beherbergt es doch seit fast 60 Jahren Ateliers vieler Künstler, von denen einige nicht nur in der deutschen, sondern auch in der internationalen Kunstszene große Bedeutung gefunden haben.

So auch der 1929 geborene Maler Walter Stallwitz, dessen Werke hier im Atelier in der Alten Sternwarte seit 1958 bis heute entstehen.

Dem Kulturkreis gelang es nun, Walter Stallwitz im Rahmen der Mathaisemarkt-Kunstausstellung 2017 einzuladen, um auf dieser Plattform einige großartige Beispiele seiner Gemälde und Graphiken zu zeigen: „Bilder aus der Sternwarte“.

Die Exponate machen die stringenten thematischen Ausrichtungen deutlich, von dem das gesamte Werk des Künstlers seit Ende der 1940er Jahre bis heute geprägt ist: einerseits durch den Menschen als unverwechselbares Individuum, im Kontext sozialer und politischer Realitäten und in seiner Vereinsamung, andererseits - vor dem Hintergrund seiner eigenen politischen und gesellschaftskritischen Überzeugungen - durch Themen wie Umweltbelastung und -zerstörung oder auch Asylpolitik. Seine „engagierten“ Bilder, die „Schattenbilder“ aus den 1970er Jahren und die in den 1980ern/1990ern entstandenen „Interieur Bilder“ zeigen dies eindrucksvoll.

StallwitzStallwitz´ Sicht auf konkrete Individuen belegt seine konsequente Auseinandersetzung mit dem Menschenbild; er gilt heute als einer der bedeutendsten Porträtisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So entstanden faszinierende Bilder von prominenten Persönlichkeiten wie beispielsweise den Schriftstellern Günter Grass, James Baldwin, Hans Magnus Enzensberger, Hilde Domin und Martin Walser, Politikern wie Willy Brandt sowie von darstellenden Künstlern wie Adolf Laimböck und Franz Mazura.

Biographie
1946-50  Studium an der Freien Kunstakademie Mannheim
1956 Sommerakademie in Salzburg bei Oskar Kokoschka
1957 Kunstpreis der Jugend von Baden-Württemberg; 1. Stipendium der Michael-Karolyi-Gedächtnisstiftung in Vence (Frankreich)
1960-63 Illustrationen für die Deutsche Zeitung
1964 Indienreise
1966 Marokkoreise
1972 2. Stipendium der Michael-Karoly - Gedächtnisstiftung
1975 Mitglied des Internationalen Beraterkomitees der Michael-Karolyi-Gedächtnisstiftung
1978 Bronzemedaille der polnischen UNESCO-Kommission für bildende Künste
1980 Medaille des polnischen Kulturministeriums
1983 Im Senat der Freien Akademie der Künste, Mannheim
1985 Dozent an der Freien Kunstschule Rhein-Neckar
1990 Silberne Ehrennadel der Mannheimer Abendakademie
1993 Bundesverdienstkreuz erhalten
1994 Bundesverdienstkreuz zurückgegeben als Protestaktion gegen asylpolitische Haltungen und Entscheidungen der damaligen Bundesregierung
nach oben

RNZvon Samstag, 07.Januar 2016
Sie machen Ohrwürmer zu Perlen der klassischen Musik
Gut besuchte Neujahrsmatinee des Kulturkreises mit den „Philharmonic Stars“ im „Hirsch“-Saal – Eigenwillig und überraschend

Von Stephanie Kuntermann
Schriesheim. Der Saal des „Goldenen Hirsch“ ist gesteckt voll, und die Vormittagssonne schickt ein paar Strahlen durch die Sprossenfenster. Drinnen geht gerade das Konzert zur Neujahrsmatinee des Kulturkreises (KKS) in die letzte Runde. Die „Philharmonic Stars“ spielen am gestrigen Dreikönigstag ihr launiges Programm „Von Mozart bis James Bond“, und das letzte Stück, von Leiterin Mahasti Kamdar angekündigt als „die Krönung für heute“, nimmt den Titel durchaus wörtlich.

Die ersten schwungvollen Takte der „Kleinen Nachtmusik“ erklingen, man lehnt sich genüsslich im Sitz zurück. Doch auf einmal wird es unvertraut, aus den Akkorden schält sich das „Bond“-Thema heraus,und im Handumdrehen steckt man mitten im 007-Vorspann. Das Arrangement aus der Feder Kamdars überrascht, steckt voller sprunghafter Wendungen und musikalischer Gags: Immer wieder legen sich Kamdar und Martha Danilkovich (Violinen) und Iryna Schenk (Bratsche) voll ins Zeug, unterstützt von Martin Achtelik an der E-Gitarre, dann legt Cellistin Dagmar Kochendörfer wieder das Agenten-Thema vor, und die übrigen folgen. Zwischendurch meint man, noch andere Bond-Melodien herauszuhören, dann wieder den ersten Satz von Mozarts 40. Sinfonie: Es ist ein sehr unernstes, aber höchst leidenschaftlich gespieltes Medley, und unwillkürlich muss man an den Bond-Streifen „The Living Daylights“ und das Gewehr im Cellokasten denken. Im Publikum wird gegrinst und gekichert, und der lang anhaltende Applaus geht irgendwann über in das rhythmische Klatschen, mitdemdie Zuschauer um einen Nachschlag bitten: Der wird gewährt und kommt als tanzbare Version von Beethovens „Für Elise“, zu der ein Tango bestimmt gut ausgesehen hätte.

In diesem zweiten Konzertteil gibt es noch mehr solchen Stoff: Ragtime, Boogie und Mambo, außerdem die „Liebesgrüße aus Moskau“, die in Kamdars Arrangement so elegant klingen wie eine Salonmusik. Immer wieder macht das Quartett, das, wie KKS-Vorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer eingangs betont, zu den bekanntesten in Deutschland gehört, aus oft gehörten Ohrwürmern Perlen der klassischen Musik: Wehmütig und charmant ist ihre Version der Beatles-Hits „Lady Madonna“ und „When I’m 64“, während sich der ABBAPartyhit „Money, Money, Money“ klanglich irgendwo zwischen Dixie-Combo und Zigeunerkapelle einpendelt.

Doch auch bei den „eigentlichen“ Klassikern haben die „Philharmonic Stars“ ihren ganz eigenen Sound entwickelt: Der ist klar in den Soli, voll und trotzdem leicht im Zusammenklang, etwa bei „Mein Herr Marquis“ aus der „Fledermaus“ oder in der langsam gespielten, dunkel eingefärbten Mozart-Arie von Cherubino aus der „Hochzeit des Figaro“.

Musiktheoretische Exkurse gibt es in den Anmoderationen der einzelnen Programmpunkte nicht. „Das kann man ja alles im Internet nachlesen“, sagt Kamdar lässig und zieht es vor, statt dessen Musikerwitze zu reißen, und so kann man sich gut gelaunt immer auf das nächste Stück freuen. Etwa die „Pavane“ von Gabriel Fauré mit ihrer gezupften Begleitung oder der feine „Chanson du Roi“ von Charles Gounod.

Ein besonderes Juwel halten Kamdar und Achtelik noch gegen Ende hin bereit: Da wird es ganz still im Publikum, als die beiden ansetzen zu einer Instrumental- Fassung des Latin-Standards „Besame Mucho“: Während der Gitarrenlehrer die Saiten seines Instruments nur ganz behutsam zupft, übernimmt die Violine den Gesangspart mit unglaublich weichen Läufen und Melodien, sehr geschmeidig und virtuos. Am Ende lassen sich die Künstlerinnen noch zu einer weiteren Zugabe überreden, und auch ihr „Boogie For Strings“ begeistert: Er kommt lustig und glänzend aufgelegt daher wie auch der Rest dieses gelungenen Jahresauftakts.
nach oben

Philharmonic Stars„Von Mozart bis James Bond“
Dreikönigsmatinée mit den Philharmonic Stars

Der Kulturkreis wird mit einer glänzenden Auftaktveranstaltung für das Jahr 2017 Zeichen setzen! Die Philharmonic Stars, eines der gefragtesten und bekanntesten Damenstreichquartette in Deutschland, gastieren am 6. Januar um 11:00 Uhr im Rahmen einer Dreikönigsmatinée in Schriesheim. Im Saal des Gasthauses „Zum Goldenen Hirsch“ entführt uns Mahasti Kamdar, 1. Violinistin und Prinzipalin des Ensembles, auf eine musikalische Zeitreise. Der Titel des Konzerts ist Programm: großartige Arrangements weltbekannter Stücke von Mozart, Verdi und Puccini, von den Beatles, von ABBA und einigen anderen herausragenden Komponisten spannen einen melodischen Bogen von gestern bis heute.

Der Eintritt zu diesem delikaten Start in das kulturelle Jahr 2017 beträgt für Mitglieder und Nicht-Mitglieder des Kulturkreises im Vorverkauf (ab sofort in Utes Bücherstube und im Gasthaus „Zum Goldenen Hirsch“) 10,- Euro.

An der Tageskasse zahlen Mitglieder 10,- Euro und Nicht-Mitglieder 15,- Euro.  
Der Saal öffnet sich am 6. Januar 2017 um 10:30 Uhr.
nach oben