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Vernissage der 1. Sonderausstellung 2017
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1. Sonderausstellung 2017 1. Sonderausstellung 2017 1. Sonderausstellung 2017
Fotos: Hans Waldenmayr (Bilder 1, 3, 4, 6, 8) andere Bilder © Museum
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FEUILLETON der RNZ von Freitag, 12.September 2017
Durch den Raum geklettert
Das Künstlerpaar Ariane Faller und Mateusz Budasz bespielen das Museum Théo Kerg in Schriesheim

Von Julia Behrens
Zweimal im Jahr verwandeln sich Teile des Théo Kerg Museums in einen „White Cube“: Die Werke des 1993 verstorbenen Luxemburger Künstlers, die sonst überall im Haus präsent sind, verschwinden hinter weißen Stellwänden, um Platz für Sonderausstellungen zu machen. Nur im obersten Stock – auf der Galerie – bleiben die starkfarbigen Arbeiten sichtbar.

Für Ariane Faller und Mateusz Budasz wirkt das im Rahmen ihrer Schau „Unfolding“ wie eine Einladung: Mit ihren raumgreifenden Installationen reagieren sie nicht nur auf die Parameter der Architektur, sondern auch auf Kergs OEuvre.

Durch ihre „Site Specific Art“ verleihen sie dem Museum an der Bergstraße ein ganz neues Gesicht: Schmale, naturbelassene oder grün imprägnierte Dachlatten bahnen sich dreidimensional einen Weg durch den Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss. Sie besitzen eine Art Eigenleben, bilden dominante Diagonalen, verschränken sich mit den rustikalen Stützen des alten Fachwerkhauses und winden sich zur Galerie, zu Théo Kerg hinauf.

Geschickt in diesen Aufbau hinein komponiert sind die eigentlichen Arbeiten der beiden Künstler: Gebrauchte, mit pastosen Farbschichten versehene Kartons und Strickbilder von Ariane Faller, mit filigranen Linien durchzogene Holzund PDF-Platten von Mateusz Budasz sowie unterschiedlich große Fotografien von beiden. Besonders auffällig und für Gäste wie Einheimische interessant: Die fotografische 1:1 Wiedergabe einer alten Buntsandstein-Fassade aus Schriesheim. Mit dieser Arbeit stellen die beiden Künstler nach eigener Aussage einen Dialog zwischen Innen- und Außenraum her und gehen damit auch im topografisch weiteren Sinne auf den „Ort“ der Ausstellung ein.

Das wohl wichtigste und durchgängigste Thema des Paares, das sich während des Studiums an der Freiburger Außenstelle der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe kennengelernt hat und seit 2003 zusammenarbeitet, ist die Aufhebung fester Kategorien. Die beiden Künstler verbinden auf intensive Weise Kunst und Leben, stellen durch ihre Zusammenarbeit die Definition der Autorschaft in Frage und bringen durch ihre Interventionen das Konzept einer architektonisch klar gegliederten Räumlichkeit durcheinander. Faller erweitert den Begriff der Malerei, indem sie sie mit dreidimensionalen Elementen zu „Bild-Körpern“ formt und Budasz fräst Elemente des Zeichnens in dafür eigentlich nicht vorgesehene, harte Werkstoffe.

Hier besteht per se eine Verwandtschaft zu Théo Kerg und seinem „Taktilismus“, in dem sich Malerei mit anderen, bilduntypischen Elementen verbindet. Aber auch durch die Hinführung der Installation in die Kerg-Etage und eine ausgewählte Farbigkeit nimmt das Künstlerduo Kontakt zu den Materialbildern des Luxemburgers auf.

Info: Unfolding. Ariane Faller und Mateusz Budasz.
Bis 11. Juni im Museum Théo Kerg, Talstraße 52, in Schriesheim.
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RNZ von Donnerstag, 11. Mai 2017
Kunst breitet sich im ganzen Gebäude aus
Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel sprach bei der Vernissage zu „Unfolding“ – Ausstellung ist aufs Kerg-Museum zugeschnitten

Schriesheim. (kaz) Dachlatten unterm Dachstuhl? Fast sieht es so aus, als wollten die schmalen Latten das dicke Gebälk im Fachwerkhaus stützen. Ist das vielleicht so gewollt? Gut möglich. Schließlich hat das Künstler-Ehepaar Ariane Faller und Mateusz Budasz das Gebäude genau unter die Lupe genommen, bevor es dort künstlerisch tätig wurde. „Unfolding“ heißt die Ausstellung, welche die beiden bis zum 11. Juni im Museum Théo Kerg präsentieren.

Sie haben sich beim Studium der Malerei kennengelernt, das sie an der Außenstelle Freiburg der Staatlichen Akademie für Bildende Kunst in Karlsruhe absolvierten.Ariane, Jahrgang 1978, kam in Furtwangen im Schwarzwald zur Welt. Ihr Mann Mateusz, Jahrgang 1979, stammt aus Polen. Stets interessierten sie sich für das Werk des anderen.

Kuratorin Lynn Schoene vom Kerg-Museum lernte Ariane schon vor einigen Jahren bei einem Weiterbildungskurs für Lehrkräfte kennen und beobachtete ihr weiteres Schaffen. Inzwischen sind Ariane und Mateusz nicht nur künstlerisch ein eingespieltes Team, sondern auch verheiratet und Eltern eines kleinen Jungen. Bei der Vernissage interpretierte Kunsthistorikern Maria Lucia Weigel ihr Werk.

Demnach haben sich die beiden bei der Besichtigung des Ausstellungsraums im Museum Théo Kerg vor allem vom offenen Dachstuhl des alten Gebäudes inspirieren lassen. Das großformatige Foto einer bröckelnden Häuserfassade am Treppenaufgang ist sozusagen der Einstieg in die Installation, bei der auch Kartons mit etwas Farbe und Gestricktes eine Rolle spielen.

Nur auf drei Objekten an den Wänden sind nochmals kleine Fotografien zu finden. Sind es Momentaufnahmen oder Inszenierungen? Das bleibt der eigenen Fantasie überlassen. Etwa bei dem Bild, auf dem ein Kind in blauem Anorak auf einen Fluss blickt, auf dem sich ein Schiff nähert. Beim Besuch der Ausstellung ist durchaus Vorsicht geboten. Denn das Material aus dem Baumarkt ist als „Raumgefüge“ so in Szene gesetzt, dass man stellenweise auch darüber stolpern oder sich den Kopf anstoßen könnte. Schließlich bedeutet das englische Wort „unfold“ so viel wie „sich ausbreiten, sich entwickeln“.

Info: Die Ausstellung „Unfolding“ von Ariane Faller und Mateusz Budasz im Museum Theo Kerg (Talstraße 52) ist noch bis zum 11. Juni sehen.

Geöffnet ist mittwochs von 17 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.
Anfragen im Rathaus unter 0 62 03/ 60 20. Parkmöglichkeiten auf dem Festplatz.
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Schriesheim: SCHRIESHEIM IM MUSEUM THEO KERG WURDE DIE NEUE SONDERAUSSTELLUNG MIT WERKEN VON ARIANE FALLER UND MATEUSZ BUDACZ ERÖFFNET

"Was man mit Holz vom Baumarkt machen kann"

09. Mai 2017 Autor: Gerlinde Gregor

Unter dem vielsagenden Titel "Unfolding" (Entfaltung) wurde am Wochenende die Sonderausstellung der Künstler Ariane Faller und Mateusz Budasz im Museum Théo Kerg eröffnet. Etwas erstaunt und überrascht waren die Vernissage-Besucher schon, als sie die Treppe zum Ausstellungsraum hinauf gingen und die zahlreichen Holzbalken sahen, die scheinbar die Museumsdecke abstützten. "Wird hier umgebaut?", fragte sich der eine oder andere Besucher etwas irritiert.

Beides war falsch. Vielmehr handelte es sich um eines der Kunstwerke, eine Installation, durch die man hindurchgehen konnte. Dafür verwendeten die Künstler Holzlatten aus dem Baumarkt, die entweder in einem Pappkarton endeten oder bis an die Decke reichten und so der Installation eine gewisse Ordnung und Dreidimensionalität verliehen. "Der Betrachter befindet sich mitten im Bild", interpretierte der Künstler Mateusz Budasz sein außergewöhnliches Werk. In seiner Begrüßung drückte Bürgermeister Hansjörg Höfer seine Bewunderung aus, "was man so alles mit Holz vom Baumarkt machen kann." Die Leiterin des Museums, Lynn Schoene, nannte die Installation "eine subjektiv erlebbare Momentaufnahme, die das Räumliche mit einbezieht."

Die Heidelberger Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel verwies in ihrer Laudatio auf den Umgang der beiden Künstler mit den verwendeten gestalterischen Mitteln sowie den Linien und Farben, die zu einer "Verräumlichung" führen würden. Damit wollen die Künstler das von ihnen bevorzugte Material, die Dachlatten, als vorherrschende Elemente ins "Malerische" überführen.

Für die Installation dieses Raumes haben die beiden Künstler sich Zeit gelassen, wollten sie doch zuvor ein Gefühl für den Ort bekommen. Weigel deutete auf eine Fotografie hin, die den Treppenaufgang ziert und die Fassade eines alten Hauses zeigt, vor der mehrere Holzplatten unterschiedlichen Formats mit weißer Malschicht überzogen und mit parallel verlaufenden Ritzlinien versehen platziert sind. Die Kunsthistorikerin interpretierte, dass diese Elemente auf Strukturen antworten, die aus den "konstruktiven Prinzipien von Architektur" abgeleitet werden. Dadurch entstehe eine Spannung zwischen dem historischen Gebäude und den hinzugefügten Elementen. "Das Gebaute wird den Betrachter dadurch dialektisch erfahrbar", erläuterte die Kunsthistorikerin.

Die Entscheidung, für die Gestaltung des Museumsraumes Dachplatten als vorherrschende Elemente einzusetzen, fassten die beiden Künstler, als sie den offenen Dachstuhl sahen. In den Vitrinen platzierten die beiden Künstler ihre Dokumentationen ihrer Installationen, die nur eine kleine Bandbreite ihres künstlerischen Schaffens zeigen. Interessant ist auch, dass alle ihre Installationen mittels Umstellung neue Konstellationen ermöglichen. So gab es von den Künstlern für einen Wiederaufbau in anderen Räumlichkeiten eine Anleitung.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 09.05.2017
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Schriesheim: SCHRIESHEIM AM SONNTAG BEGINNT DIE NEUE SONDERAUSSTELLUNG IM MUSEUM THEO KERG / SCHON DAS AUFBAUEN IST EIN KÜNSTLERISCHER PROZESS

Installation aus Dachlatten und Kartons

06. Mai 2017 Autor: Konstantin Groß

Frühlingszeit ist Ausstellungszeit, auch im Schriesheimer Museum Théo Kerg. Die in einer urigen Scheune der Altstadt untergebrachte Galerie für moderne Kunst zeigt ab morgen ihre neue Sonderausstellung in diesem Jahr. Unter dem Motto "Unfolding" (Entfaltung) präsentieren die beiden Künstler Ariane Faller und Matheusz Budacz einen Monat lang ihre Installationen.

Faller, geboren 1978 in Furtwangen im Schwarzwald, und Budacz, Jahrgang 1979 und in Polen gebürtig, haben beide an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studiert, und zwar das Fachgebiet Freie Malerei und Grafik. Und beide haben in diesem Fach auch ihr Diplom erworben.

Seither verfügt das Duo bereits über reichlich Ausstellungserfahrung, sei es im Rahmen des Künstlerbundes Baden-Württemberg, dem die beiden angehören, sei es in Einzelausstellungen privater Galerien oder kommunaler Einrichtungen wie etwa der Städtischen Galerien in Karlsruhe oder Villingen-Schwennigen. Nun reiht sich darin das Kleinod in Schriesheim ein, zu dessen ambitioniertem Anspruch das Konzept der Künstler geradezu ideal passt.

Denn ihre Werke sind schon eine Besonderheit. Sie sind keine Künstler, die lediglich Bilder an die Wand hängen. Ihr Material sind Dachlatten und bemalte Kartons, zwischen denen Fotos die Acessoires bilden.

"Jede unserer Ausstellungen steht im Dialog mit dem Ausstellungsraum", lautet einer ihrer Grundsätze. Das optisch dominierende Fachwerk der Scheune des Kerg-Museums prägt damit ihre hiesige Ausstellung. Große Paletten, mit denen sie an anderen Orten zuweilen arbeiten, werden hier nicht verwandt.
Angesichts dessen ist klar, dass das Einrichten der Ausstellung selbst bereits ein künstlerischer Prozess ist, der zuweilen übrigens bis unmittelbar vor Beginn der Vernissage reicht. Aus dem Gewirr an Komponenten, die auf den ersten Blick wie das Lager eines Baumarktes wirken, entsteht allmählich ein Kunstwerk, das im Zusammenwirken mit Licht und Schatten zum Leben erwacht.

"Ihre Arbeit passt wunderbar in unser Museum", freut sich denn auch Lynn Schoene, die Leiterin der Einrichtung. Sie hat die Künstler bei einer Veranstaltung im Schwarzwald kennengelernt und für Schriesheim gewonnen. Die Ausstellung ist bis 11. Juni zu sehen - mittwochs von 17 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr und darüber hinaus nach Vereinbarung.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 06.05.2017

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UNFOLDING: ARIANE FALLER & MATEUSZ BUDASZ
SONDERAUSSTELLUNG IM MUSEUM THÉO KERG
7. MAI – 11. JUNI 2017
Vernissage: Sonntag, den 7. Mai 2017, 11 Uhr       
Begrüßung: Bürgermeister Hansjörg Höfer und Museumsleiterin Lynn Schoene
Einführung: Dr. Maria Lucia Weigel, Kunsthistorikerin
Öffnungszeiten Mi 17–19 Uhr, Sa 14–17 Uhr, So 14–17 Uhr sowie nach Vereinbarung
Museum Théo Kerg:  Talstraße 52 , 69198 Schriesheim
Bitte auf dem Festplatz parken. Fußweg ab Rathaus ca. 250 m.

Vehikel
Abbildung „Vehikel“ Donaueschingen  © Faller / Budasz

Von den entgegengesetzten Polen des Malerischen und Linearen ausgehend, beschreiben Ariane Faller und Mateusz Budasz anhand divergierender Ausdrucksformen ein verbindendes künstlerisches Element: den Raum. Es sind minimale oder extensive Raumbezeichnungen und Raumaneignungen zwischen innerbildlicher und außerbildlicher Wirklichkeit. Dabei entstehen zumeist von der Wand in den Raum ausgreifende Installationen, die ebenso aus traditionellen Werkstoffen gefertigt sein können wie aus fabrikneuen oder vorgefundenen Materialien. Der so geschaffene Raum und die ihn konstituierenden Bilder sind vertraut und doch fremd. Dadurch eröffnen sich im Sehen und Erkennen reizvolle Zwischenbereiche, in denen Neues erfahr- beziehungsweise denkbar wird. Die beiden Künstler entziehen mittels dieser Eingriffe der gewussten Realität die ihr zugeschriebene Bedeutungsfestigkeit. Sie verliert an Eindeutigkeit. Die Grenzen zwischen Bezeichnung und Bezeichnetem, zwischen den Genres, zwischen den Dingen und dem Raum verschwimmen. Das mag beunruhigen oder faszinieren. Es ist, als erzeugte der durch eine bewegte Oberfläche fallende Blick eine unscharf gezeichnete, verzaubernd andere Welt.

Mit vielschichtigen künstlerischen Mitteln errichten Ariane Faller und Mateusz Budasz so etwas wie einen zeitgenössischen MERZ-Bau, in dem variable Beziehungen geschaffen werden – zwischen potentiell fast allem -, in dem Grenzen aufgehoben werden.  
(Ursula Köhler, Kunsthistorikerin)


Faller  *1978 in Furtwangen im Schwarzwald

1997 - 2003 Studium, zunächst der Kunsterziehung, dann der Freien Malerei/Grafik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, Außenstelle Freiburg, bei Prof. Silvia Bächli, Prof. Ernst Caramelle und Prof. Günter Umberg
2002 Kulturpreis Schwarzwald-Baar für Bildende Kunst
2003 Diplom

Budasz  *1979 in Poznań/Polen

2000-06

Studium der Freien Malerei/Grafik an der Staatlichen Akademie
der Bildenden Künste Karlsruhe, Außenstelle Freiburg,
bei Pia Fries und Prof. Leni Hoffmann

2005

Diplom

2005/2006 Meisterschüler von Prof. Leni Hoffmann

seit 2014: Mitglieder im Künstlerbund Baden Württemberg

Ausstellungen/Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl ab 2014):

2017
"unfolding", Museum Théo Kerg, Schriesheim [E]
"Stand der Dinge“, Künstlerbund Baden-Württemberg

2016
"Sammlerglück", Städtische Galerie Villingen-Schwenningen [K]
"Stelldichein final“, Galerie Fluchtstab, Staufen (Faller)

2015
"Recall", Stadtmuseum Hüfingen [E]
"POOL“, Kunstverein Hechingen, Galerie Weißes Häusle, Hechingen [E]
"Barock heute", Zehntscheuer, Merdinger Kunstforum
"Die Schwarzwaldstadt Schramberg aus der Sicht der zeitgenössischen Kunst", Stadtmuseum  
Schramberg [K]
"Alle", Künstlerbund Baden-Württemberg, Städtische Galerie Karlsruhe [K]
Donaueschinger Regionale [K]
62. Jahresaustellung des Kunstvereins Villingen-Schwenningen, Franziskanermuseum VS
"weekly 2015“, Galerie Fluchtstab, Staufen (Faller)

2014
"Kunsthaus Hechingen 2014" [K]
"DNA“, Kunstforum Hochschwarzwald, Titisee-Neustadt [E]
"pleasure pier“, mit Reinhard Voss, Galerie im Artforum, Offenburg [E/K]
"von Ansicht zu Ansicht“, mit Reinhard Klessinger, Galerie Fluchtstab, Staufen (Faller) [E]
"pocket park“, Marktplatz und Schauraum, Furtwangen [E]

2013/14
"dé-fil-é" - Regionale 14, FABRIKculture, Hégenheim (F)

[E] Einzelausstellung [K] Katalog/Dokumentation

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RNZ von Dienstag, 09. Mai 2017
Die Neuauflage ist schon fest eingeplant
Junge Künstler begeisterten bei „Poetry Slam“ des Kulturkreises in Majer’s Weinscheuer – Texte zu Sprache, Beziehungen und Politik

Von Karin Katzenberger-Ruf

Schriesheim. Den Kopf im Nacken schreit Julie Kerdellant aus Landau ihren Ärger über langsame Menschen hinaus. Schließlich verursachen sie Staus und Warteschlangen, sind im Reden und im Denken einfach immer hinterher. Nein, Julie mag sie nicht, weil das Leben dafür zu kurz ist.

Beim ersten Poetry Slam in Schriesheim bekommt sie für ihren Vortrag viel Applaus von den rund 150 Zuhörern in Majer’s Weinscheuer, aber etwas weniger als Stefan Unser aus Malsch, der sich unsere amerikanisierte deutsche Sprache vorknöpft und das Wort „Facility Manager“ einfach mit „Hausmeister“ übersetzt.

In der Endrunde begeistert er nochmals mit ausgefeilten Wortspielen über das Wollen und das Wünschen, spricht von „Wunschexekution durch Sofortbefriedigung“ heute und stellt dies Kindheitserinnerungen gegenüber, zum Beispiel an seinen Klassenkameraden Kalle, der mit seinem neuen Fahrrad im Schulhof seine Angeberrunden drehte. Ihm habe er damals gewünscht, „auf die Fresse“ zu fallen. Der Wunsch geht erst 30 Jahre später in Erfüllung, als Kalle als Rennradler im bunten „Strampelanzug“ vor seinen Augen einen Sturz hinlegt. „Das hab ich echt nicht gewollt“, so das Schlusswort der Geschichte.

Christian Glocker, Vorstandsmitglied im Kulturkreis Schriesheim (KKS), hatte die Idee zu der Veranstaltung. Genauer gesagt ist seine Frau daran schuld: Sie hatte mehrere Poetry Slams besucht und konnte ihren Mann schließlich dazu bewegen, mit zu einem der literarischen Wettbewerbe im Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) in Heidelberg zu kommen. Er war begeistert und machte sich fortan selbst für die Sache stark.

Ein „Applausometer“ gibt es in der Weinscheuer nicht. Das Publikum entscheidet ohne elektronische Hilfe mit lautem Klatschen und Rufen darüber, wer der neun Kandidaten aus den drei Vorrunden die Eintrittskarte für die Endrunde erhalten soll.

Da haben die leiseren Töne offenbar die schlechteren Karten.Leticia Wahl aus Marburg erzählt in Reimen, wie sie sich in die Unschuld verliebt. Diese ist für sie der Sturm, der in ihr ruht, aber auch Ebbe und Flut. Sie spricht von Texten, die sich verdichten. Zuviel Poesie?

Letztendlich macht Jean-Philippe Kindler aus Tübingen das Rennen. Der Student der Rhetorik kennt keine Versprecher, hat überdies schauspielerisches Talent. Das kommt an. Egal, ob er über Beziehungen spricht oder über Politik. Kindler wollte was über Innenminister Thomas de Mazière und die Flüchtlingspolitik schreiben, aber nichts Ernstes, sondern was Witziges, und das ist auch gelungen. Beim Vortrag ist er gegenüber seinen Mitstreitern aufgrund seiner Ausbildung klar im Vorteil.

„Kopf aus, abschalten, einschalten, umschalten“ – damit fordert die Mannheimer Sängerin Mori die Gäste in den Pausen zum Mitsingen auf. Ihre Texte passen gut zur literarischen Mischung, die die neun Kandidaten mit in die Weinscheuer bringen. Applaus gibt es am Ende des Abends aber nicht zuletzt auch für die wortgewandten Moderatoren Kathrin Rabus und Frank Habrik.

Letzterer ist als Chef der Agentur „Word up!“ dafür verantwortlich, dass der erste Poetry Slam in Schriesheim dem Publikum eine abwechslungsreiche Mischung bietet. „Ein großartiger Abend auf sehr hohem Niveau“, bilanziert Dieter Weitz, Pressesprecher des KKS, nachdem Ende der Veranstaltung. Man habe sich im Vorstand bereits für eine Neuauflage des Formats entscheiden.

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RNZ von Donnerstag, 04. Mai 2017
Poetry Slam feiert in Schriesheim Premiere
Literarischer Vortragswettbewerb am Sonntag in Majer’s Weinscheuer schon ausverkauft – Kulturkreis macht Hoffnung auf Neuauflage

Schriesheim.(fjm) „Word up!“ feiert am Sonntagabend eine Premiere: Noch nie gab es einen Poetry Slam in Schriesheim, doch diese Form des literarischen Vortrags stieß in der Weinstadt gleich auf großes Interesse. Schon drei Wochen vor der Veranstaltung des Kulturkreises (KKS) waren sämtliche der 150 verfügbaren Karten ausverkauft. „Wir hätten auch noch 40 Karten mehr verkaufen können“, sagt Christian Glocker, der den Abend vonseiten des KKS organisiert hat.

Dass mit Frank Habrik von „Wordup!“ ein Profi für die Moderation und die Zusammenstellung der „Slammer“ verantwortlich ist, ist nicht selbstverständlich. Eigentlich sei Schriesheim nämlich zu klein für Poetry Slams, sagt Habrik: „Das ist bei der Größe eigentlich schwierig, wenn es zum Beispiel keine Studentenstadt ist.“ Normalerweise findet „Word up!“ im Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) im Heidelberg oder in der Alten Feuerwache in Mannheim statt. Beim KKS habe er aber den Eindruck gehabt, dass die Verantwortlichen wissen, was sie tun: „Dass der Abend ausverkauft ist, ist auch ein Zeichen, dass der Kulturkreis in Schriesheim ein gutes Standing hat.“

Besonders freut Organisator Glocker, dass das Publikum am Sonntag deutlich gemischter sein wird als bei anderen KKSVeranstaltungen. „Vom Schüler bis zum Rentner ist alles dabei“, sagt er. Auch aus Lampertheim, Heddesheim und Weinheim seien Anfragen für Karten gekommen – erstmals war dies auch per E-Mail möglich. „Ein hoher organisatorischer Aufwand, den man für so etwas aber gern hat“, findet Glocker.

Jetzt ist die Vorfreude bei den Veranstaltern groß, die selbst zum Teil erst im Februar ihren ersten Poetry Slam im DAI miterlebt hatten. „Wir sind dort als Vorstand hingefahren und waren begeistert“, erzählt Jochen Wähling, stellvertretender Vorsitzender des KKS. „Es hat mir total Hoffnung gemacht, dass sich dort junge Menschen so äußern und engagieren“, sagt zudem Vorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer.

Denn genau darum geht es beim Peotry Slam: „Live vor anderen Menschen seine Gedanken auszudrücken“, wie Habrik es formuliert. In drei Vorrunden treten bei „Word up!“ je drei Künstler gegeneinander an, die Gewinner qualifizieren sich für das Finale. Dort werden dann noch einmal neue Texte vorgetragen. Wer gewinnt, entscheidet das Publikum. Häufige Themen der „Slammer“ sind Beziehungen, Politik, Alltagsprobleme oder Philosophie – der Kreativität sind aber keine Grenzen gesetzt.

„Ich habe bei der Auswahl auf Vielfalt geachtet“, sagt Habrik. Ernsthaft, lyrisch, lustig – die Besucher sollen die Bandbreite der Vortragsformen erleben können. Habrik als Moderator tritt mit seiner Kollegin Kathrin Rabus dabei eher in den Hintergrund: „Wir rollen nur den Teppich für die Poeten aus.“ In den Pausen wird zudem Singer-Songwriterin „Mori“ ihr neues Album vorstellen.

Die Vortragenden selbst kommen aus allen Teilen der Republik nach Schriesheim: Duisburg, Tübingen und Marburg sind nur einige der Heimatstädte. „Die Kandidaten, die am Sonntag kommen, machen das meist nebenberuflich“, sagt Harbik. Er kennt sie meist von früheren Veranstaltungen und ist von der Qualität ihrer Beiträge überzeugt. „Ich habe aber auch darauf geachtet, dass es nicht die Provokantesten sind“, sagt er. Mit dem Schriesheimer Publikum sollen es sich die „Slammer“ bei der Premiere nicht gleich verscherzen.

Denn: „Wenn es einen ersten gibt, warum soll es dann nicht auch einen zweiten geben?“, wie KKS-Pressesprecher Dieter Weitz fragte.

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Der Kulturkreis Schriesheim veranstaltet in Kooperation mit dem WordUp! Heidelberg den

1. Poetry Slam in Schriesheim (ausverkauft)

Was ist ein Poetry Slam?
Ein Wettbewerb der Bühnendichter…
9 Poeten tragen selbstverfasste Texte vor, das Publikum entscheidet mit seinem Applaus wer in die Finalrunde kommt und am Ende Sieger des Wettbewerbs wird. Die Texte sind mal politisch, mal tiefgründig, mal persönlich und meist sehr humorvoll. Mehr...
Einlass: 18 Uhr

Karten unter karten@kk-schriesheim.de

Hier geht's zum Plakat ...
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Schriesheim: Schriesheim Pianist und Wissenschaftler Theo Stemmler liest aus seinem noch unveröffentlichten Buch "El Paradiso"

Als Jazz "Urwaldmusik" war

Autor: Gerlinde Gregor

Dass Professor Theo Stemmler ein begnadeter Jazzpianist ist, der seine Fans zu Begeisterungsstürmen hinreißt, das weiß in Schriesheim jeder. Auch dass der emeritierte Professor für englische Sprache und Naturwissenschaften der Universität Mannheim ein bedeutender Autor in den Bereichen Kultur und Literaturwissenschaft ist, wissen einige.

Doch dass er obendrein auch ein begnadeter Bücherschreiber sein kann, der mit spitzer Feder mit reichlich Humor und manchmal in einer deftigen und gepfefferten Sprache über seinen Werdegang als Musiker schreiben kann, das erfuhren am Sonntag zur besten Matineezeit die Besucher, die ins Museum Théo Kerg gekommen waren.

Es war aber nicht nur eine profane Lesung aus seinem noch nicht veröffentlichen Buch "El Paradiso", es war vielmehr eine gelungene Mischung aus Literatur und Musik. Begleitet wurde Stemmler von Markus Braun am Bass und von Rüdiger Majer am Schlagzeug. Majer legte gleich zu Beginn der Veranstaltung auf seinem Schlagzeug ein Solo hin, das auch den letzten Zuhörer aus den morgendlichen Träumen riss.

Um die Autorenlesung mit dem nötigen Pep zu versehen, hatte Stemmler ein musikalisches Programm zusammengestellt, das neben Jazzelementen auch Lieder und Evergreens der frühen Jahre beinhaltete, oder "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" von Marlene Dietrich. Er ließ "Red roses for a blue Lady" pflücken und "Salome" verführerisch die Schleier schwingen, zelebrierte "Tea for two".

Seine Erinnerungen in "El Paradiso" begannen mit der Epoche, als "Jazz" als "Urwaldmusik" verpönt war. Die Damen in den Cafés wollten Tanzmusik, und die bekamen sie auch von dem damals 16-jährigen Pennäler, der mit seiner Gruppe abends in einem Bonner Vorortschuppen für eine Stundengage von 2,50 Mark spielte und danach von seinem Vater abgeholt wurde. In den Lokalen, so schreibt er, trank man vorne Bier und hinten saßen die Tanzwilligen auf grünen Plastikstühlen vor einem mit grauem Kunststoff bezogenen Tisch. Falls sich da mal ein Musiker verspielte, merkte kaum einer, man spielte einfach weiter. Auftritte hatte seine Combo in einem "Night Club", "mehr ein Edelpuff als ein Nachtclub".

Aufstieg in Bonner "Redoute"

Ein musikalischer Aufstieg folgte, als Stemmler ein Engagement in der vornehmen "Redoute" in Bonn erhielt, die meistens von betrunkenen Politikern und Diplomaten und von der älteren feinen Gesellschaft besucht wurde. Die Zuhörer wünschten sich da meistens Lieder aus dem "Blauen Engel". Jetzt war auch klar, warum er den Song von Marlene Dietrich im Programm hatte.

Es gab aber auch eine Tragödie, die ihm heute noch nahe geht. Im Spielcasino verlor ein Spieler 100 000 Mark. Er gab noch eine Runde "Bommerlunder mit Pflaume" aus, legte dem Pianisten zehn Mark auf das Klavier, ging nach draußen und erschoss sich. Ein trauriger Abschluss eines ansonsten vergnüglichen Vormittags im Museum Théo Kerg.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 28.03.2017

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RNZ von Montag, 27. März 2017
Schriesheim: Vom Resopaltisch ins "Paradies"
KKS-Matinée mit Erinnerungen von Theo Stemmler und Musik des "College Jazz"-Trios im Kerg-Museum

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Die Zeiten, als Teenager Cordanzüge und Ringelsocken trugen, als Jazz "Urwaldmusik" war und in verrauchten Kellern gespielt wurde, liegen lange zurück. Gestern wurden sie bei einem kühlen Weißwein im Kerg-Museum lebendig, als Theo Stemmler aus seinem noch unveröffentlichten Buch "El Paradiso" las und das Gehörte immer wieder mit musikalischen Kostproben seines "College Jazz"-Trio anreicherte.

Der Name des emeritierten Literaturwissenschaftlers, der seit Jahren "benefiz" für den Kulturkreis (KKS) als Betreiber des Museums spielt, "ziehe" offensichtlich, bemerkte KKS-Pressewart Dieter Weitz eingangs beim Blick auf die fast voll besetzten Stuhlreihen. Dann stellte sich Drummer Markus Braun mit einem starken Solo vor, während Rüdiger Mayer seinem Bass später bei "Birks Works" von Dizzy Gillespie eindrucksvolle Klänge entlockte.

Entführt in die Fünfziger

Bebop, Standards und Swing entführten in die Fünfziger, in einen Bonner Vorort und in die dortige Kneipe "Rheinhof". Zwischen Resopaltischen, Plastikrosen und Herrengedecken hatte der damalige Teenager Stemmler mit seiner Band die ersten Auftritte: "Tanzmusik mit wenig Niveau, aber die Gäste erwarteten auch keines." Ab und zu wurde in der vornehmen "Lesegesellschaft" vor blauhaarigen, dick gepuderten Damen gespielt, und irgendwann landete die Combo auch im "Paradiso", wunderschön beschrieben als "Mischung aus Edelpuff und Nachtklub".

Stemmlers pointierte Beschreibungen machten Spaß und hauchten der ganzen Staffage auf eigenwillige Weise Leben ein: den langbeinigen Bedienungen in Stöckelschuhen und Zofen-Kostümen, ihrem ständig betrunkenen Chef, der später an Leberzirrhose starb, aber auch den aufmüpfigen Bandkollegen, die immer wieder Vereinsfeiern oder Abschlussbälle mit Cool-Jazz-Einlagen aufmischten oder auch mal Musikerkollegen Prügel androhten, um an ihre Gage zu kommen.

In späteren Jahren wurde im feinen "Redoute" der einstigen Bundeshauptstadt gespielt, vor schwer alkoholisierten Abgeordneten, Diplomaten und älteren Herrschaften, die den Schlager aus dem Film "Der Blaue Engel" hören wollten. Weshalb die "College-Jazzer" auch ihre Version von "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" folgen ließen.

Bevor die Matinée in einer melancholischen Schluss-Parade mit "As Time Goes By" ausklang, ging es aber noch zu einem sehr nachdenklichen Abstecher ins Spielcasino und zu "La Vie En Rose": Das konnte der Pianist, der sonst mit flüssigen Läufen und perlenden Soli glänzte, nicht spielen, weil es für ihn mit der Erinnerung an einen Spieler verbunden war.

"Er hat 100.000 Mark verloren", munkelte man in der Bar, als der Mann mit großer Ruhe eine Lokalrunde "Bommerlunder mit Pflaume" orderte, dem Pianisten zehn Mark Gage für das Chanson hinlegte und dann nach draußen ging, um sich zu erschießen.

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„El Paradiso“ – eine Matinée mit Prof. Theo Stemmler
Museum Théo Kerg: Sonntag, 26. März 2017, 11:00 Uhr

Theo StemmlerMit der nächsten Veranstaltung des Kulturkreises steht eine literarisch-musikalisch-satirische Delikatesse am kulturellen Horizont Schriesheims: wenn nämlich Prof. Theo Stemmler aus seinem neuen Buch „El Paradiso“ liest, launige Musiker-geschichten lebendig macht und das Ganze durch musikalische Begleitung seines „College Jazz Trio“ - neben Theo Stemmler am Keyboard spielen Markus Braun (Bass) und Rüdiger Mayer (Schlagzeug) - zu einem launigen Mixtum compositum werden lässt.

Der Untertitel seines Buchs lautet: „Vom Rheinhof zur Redoute“ – eine symbolische Umschreibung der mitunter kuriosen Wegstrecke einer (vorwiegend „seiner“) Band von einem kleinbürgerlichen Tanzschuppen in der Vorstadt Bonns zum gesellschaftlichen Treffpunkt der Diplomaten, Politiker und Journalisten in der damaligen Bundeshauptstadt.

Dem Autor geht es nicht nur um genaue Beobachtung, sondern um satirische Zuspitzung. Sozialkritik ist auch dabei. Und viel Musik – nicht nur Jazz. Theo Stemmler, emeritierter Professor für Englische Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Mannheim, hat zahlreiche Bücher und Essays über kultur- und literaturgeschichtliche Themen verfasst; er ist Mitglied des Deutschen PEN-Zentrums. Seine Liebe zur Jazzmusik begann bereits in früher Jugend. Seitdem hat er bis heute in vielen Bigbands und Combos als Pianist mitgewirkt.

Als jahrelang nachtaktiver Jazzmusiker kann Theo Stemmler viel erzählen: Ernstes, Heiteres und Verrücktes.

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Vernissage der Mathaisemarktkunstausstellung 2017
Mathaisemarktkunstausstellung 2017 Mathaisemarktkunstausstellung 2017 Mathaisemarktkunstausstellung 2017
Mathaisemarktkunstausstellung 2017 Mathaisemarktkunstausstellung 2017 Mathaisemarktkunstausstellung 2017
Fotos: Rolf Kuhmann
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Schriesheim: Mathaisemarktkunstausstellung mit Werken mit Werken von Walter Stallwitz eröffnet.

„Virtuos eingesetzte Farben machen Bilder zum Seherlebnis“

Von unserem Redaktionsmitglied Hans-Jürgen Emmerich

Für die scheidenden Weinhoheiten war es der letzte Termin vor der Abkrönung, für den ausstellenden Künstler seine x-te Vernissage. "Ich bin trotzdem aufgeregt", sagte Walter Stallwitz dem "MM" kurz vor Beginn: "Das hört nie auf." Es sei so wie bei einem Schauspieler: "Der hat auch immer Lampenfieber."

Grund zur Aufregung gab es indes nicht. Die Eröffnung der Kunstausstellung im Feuerwehrhaus gehört zu den gemütlichen Veranstaltungen des Mathaisemarktes, kurz vor dem offiziellen Auftakt im Festzelt.

"Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte", bemühte die Vorsitzende des Kulturkreises Schriesheim, Gabriele Mohr-Nassauer, zum Auftakt ein Sprichwort und zeigte sich überzeugt: "Gerade bei dieser hochkarätigen Ausstellung wird es viele Dialoge zwischen Bild und Betrachter geben."

Der heute 87-jährige Künstler Walter Stallwitz wurde 1929 in Mannheim geboren.

Nach dem Studium an der Freien Kunstakademie Mannheim (1946 bis 1950) veredelte er 1956 sein Talent unter anderem bei Oskar Kokoschka in Salzburg. Dessen Urteil: "Künstlerisch zu Hoffnungen berechtigt, falls er nicht verhungert."

1958 bezog er sein Atelier in der 1775 erbauten Mannheimer Sternwarte. Daher auch der Titel seiner Ausstellung in Schriesheim: "Bilder aus der Sternwarte" (Gemälde und Graphiken).

Sein umfangreiches Werk, das in mehr als sieben Jahrzehnten entstanden ist, umfasst vor allem Malerei und Zeichnungen.

Zentrales Motiv ist der Mensch. Dieser erscheint mitunter jedoch nur indirekt, etwa in Form von Schatten.

Öffnungszeiten der Mathaisemarkt-Ausstellung im Feuerwehrhaus Schriesheim: samstags 12 bis 19 Uhr; sonntags 11 bis 18 Uhr; Montag, Dienstag und Freitag, 16 bis 19 Uhr (bis 12. März). Der Eintritt ist frei.

Die Mathaisemarkt-Ausstellung sei immer wieder spannend, sagte Bürgermeister Hansjörg Höfer. So außergewöhnlich wie die ausgestellte Kunst sei aber auch der Verein, fügte er hinzu.

In das Werk des Künstlers einführen sollen hätte eigentlich Dr. Barbara Gilsdorf, Kulturreferentin der Stadt Schwetzingen, doch sie musste aus beruflichen Gründen kurzfristig absagen. Den von ihr verfassten Text verlas Kuratorin Jo Goertz. "Stets ist dem Maler die ausdrucksstarke und kontrastreiche Farbgebung der wichtigste Begleiter", würdigt Gilsdorf den Mannheimer: "Farben werden künstlerisch so virtuos, fesselnd und differenziert eingesetzt, dass sie aus dem herkömmlichen Thema ein einzigartiges Seherlebnis machen."

Manchmal ist es nur der Schatten eines Menschen, den der Betrachter auf der Leinwand sieht, so wie beim Liebespaar (1992/93). Oder eine Spiegelung (Im Spiegel, 1986). Die meisten der ausgestellten Werke sind verkäuflich, zu Preisen zwischen 500 und 7000 Euro.

Das Portrait von Professor Heinz Fuchs, des früheren, 1979 verstorbenen ehemaligen Leiters der Mannheimer Kunsthalle, allerdings nicht. Er war für Stallwitz lange Jahre ein ebenso kritischer wie vertrauter Ansprechpartner in Sachen Kunst.

Sein Bundesverdienstkreuz gab der Maler in den Achtzigern zurück. Aus Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Da mag es ihm gefallen haben, dass der junge Syrer Ammar Alrashid die Vernissage musikalisch umrahmte. "Er kann wunderschön Gitarre spielen", attestierte ihm Mohr-Nassauer.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 04.03.2017
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RNZ von Samstag/Sonntag, 4./5. März 2017
Der Mensch verschmilzt mit dem Interieur
Vernissage im Saal der Feuerwehr – Volles Haus beim Auftakt zur Mathaisemarkt-Kunstausstellung mit dem Maler Walter Stallwitz

Von Stephanie Kuntermann
Schriesheim. „DerMensch– in der von ihm selbst geschaffenen Welt wird er zur Wucherung“, sagt Walter Stallwitz und fährt fort: „Er ist nicht mehr Herr der von ihm geschaffenen Gegenstände, er wird immer mehr selbst ein Gegenstand, ein exotisches, fremdes, wucherndes Wesen.“ Die Menschen auf den Bildern des Künstlers verschmelzen oft mit der Einrichtung, sind in hohen Lehnstühlen oder prächtigen Interieurs kaum auszumachen oder nur als Schatten präsent.

Bei der gestrigen Vernissage seiner Ausstellung „Bilder aus der Sternwarte“ sind die Menschen dagegen kaum zu übersehen: Dicht gedrängt stehen sie im Feuerwehrsaal und dem angrenzenden Foyer. Für die scheidenden Weinhoheiten ist es der letzte Termin ihrer Amtszeit, Königin Katrin Hartmann bedauert: „Wir werden es vermissen, so schöne Veranstaltungen zu besuchen.“ Bürgermeister Hansjörg Höfer geht in seiner Begrüßung dagegen auf die Festvorbereitungen und die unübersehbar auf den Straßen platzierten Betonbarrieren ein: „Sie sind ein Zeichen der Zeit, ich hoffe, nur eine vorübergehende Erscheinung.“ Angesichts der oft unvorhersehbaren politischen Ereignisse sei es wichtig, die Kunst in den Alltag mitzunehmen: „Man muss sich damit beschäftigen.“

Im Namen des Kulturkreises als Veranstalter hoffe sie, dass sich beim Besuch der Ausstellung „viele Dialoge zwischen Kunst und Betrachter“ entwickeln mögen, sagt Gabriele Mohr-Nassauer. Zwischendurch wird es immer wieder ganz still, damit alle Gelegenheit haben, dem talentierten jungen Gitarristen Ammar Al Rashid zu lauschen, der mit Liedern wie „I Did It My Way“ und spanischer Musik eine meditative Stimmung aufbaut – wer kann, versucht derweil, einen Blick auf die großformatigen Werke zu erhaschen, die an den Stellwänden und den Stirnseiten des Saals zu sehen sind. Zusammen mit den kleineren, auf Fotopapier gemalten Bildern sind es 54 Gemälde, entstanden zwischen 1963 und 2017, zu denen der 87- jährige Mannheimer Künstler im Anschluss Auskunft gibt.

Doch zuvor lernt man mit der Einführung von Barbara Gilsdorf, seine komplexe Bildsprache zu deuten, sein stilistisches Pendeln „zwischen neoimpressionistischer Kleinteiligkeit und gestisch angelegter expressiver Malerei“, während seine unprätentiösen Porträts in zurückhaltendem Stil „Würde und Charisma“ der dargestellten Personen wahren. Die Schwetzinger Kulturreferentin Gilsdorf ist selbst nicht anwesend, doch Kuratorin Jo Goertz trägt ihre Ausführungen vor, die die Konsumkritik im Stallwitz’schen Werk fokussieren auf seine immer wiederkehrenden Darstellungen von Kronleuchtern. Die Lichtobjekte werden in seinen Bildern zum „Ausdruck eines elitären, luxuriösen Lebens“, stehen für Spießertum, Kapitalismus und stürzen sich mit der Dynamik wuchtig aufgetragener Pinselstriche mit „zügelloser Urkraft“ auf menschliche Gestalten, die gesichtslos sind und verflochten werden mit den Dingen, die sie selbst erschaffen haben. Immer wieder sind die Werke auch gesellschaftskritisch, zitiert sie schließlich ein weiteres Mal den Künstler, der findet, „dass wir auch im Bereich der Kunst moralisch nicht dazu verpflichtet sind, einfach alles zu ertragen“.

Info: Zu sehen ist die Ausstellung samstags von 12 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie Montag, Dienstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr.
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RNZ von Samstag, 18.Februar 2017
Wenn der Mensch von den Dingen beherrscht wird
Gespräch mit dem Mannheimer Künstler Walter Stallwitz über seine Mathaisemarkt-Kunstausstellung im Feuerwehrhaus

Schriesheim (sk). „Entfremdung“ ist eins der großen Themen im Werk von Walter Stallwitz. „Der Mensch wird von den Dingen beherrscht, die er erschafft. Er geht irgendwann in die selbst geschaffene Umwelt über“, sagt der Mannheimer Maler über die Gedanken, die ihn vor Jahren beschäftigten. Damals entstanden Gemälde, in denen die Menschen im Interieur zu versinken scheinen, ein Mädchen, das kaum aus dem Sessel aufsehen kann, der es umgibt. Doch später, sagt der 87-Jährige, waren es wieder andere Themen, denen er sich zuwandte – in seinen „Schlingen“- und „Schattenbildern“ etwa.

Es geht um vieles im RNZ-Gespräch, zu dem der Künstler aus seinem Atelier in der Mannheimer Sternwarte nach Schriesheim gekommen ist – mit einem unfreiwilligen Umweg über Wilhelmsfeld, weil sowohl der Taxifahrer als auch sein Navigationsgerät den Überblick verloren. Jetzt weiß er jedenfalls, wie man in die Weinstadt kommt, und er verspricht auch, zur Vernissage ins Feuerwehrhaus zu kommen, wenn die Ausstellung seiner Bilder unter Regie des Kulturkreises (KKS) eröffnet wird – am 3. März, dem Termin, der der offiziellen Eröffnung des Mathaisemarkts vorangeht.

Auf das Ausstellungsplakat hat KKSVizevorsitzender Jochen Wähling Stallwitz’ Lieblingsbild drucken lassen. „Verflochten“ heißt großformatige Gemälde, in dessen Zentrum ein pastellfarbener Kronleuchter prangt. Fäden und Linien gehen von ihm aus; sie beginnen, die schattenhafte Gestalt in der rechten Bildhälfte zu umschlingen. „Der Kronleuchter wird lebendig, aktiv und bewegt sich auf den Menschen zu“, sagt der Künstler. Der Mensch, das ist seine Erfahrung, mache allmählich alles, was er könne: „Aber er kann nicht alles verkraften.“ Manches, was im zwischenmenschlichen Miteinander angerichtet wird, stört ihn so sehr, dass er protestiert. Wie 1994, als er das ein Jahr zuvor verliehene Bundesverdienstkreuz zurückgab und damit seine Kritik an der deutschen Asylpolitik ausdrückte. „Das Thema ist hoch aktuell“, findet Ausstellungsmacherin Jo Goertz und bittet darum, deshalb das 2011/12 entstandene Werk „Fremdenfeindlichkeit“ in die Ausstellung aufzunehmen. Durch gesprungenes Glas blickt man auf die Gesichter von Menschen, die quasi vor der Tür stehen – so schafft Stallwitz eine nachdenklich machende Distanz und Verfremdung.

Ganz anders ein unbenanntes Gemälde, das man zum Zyklus der „Schattenbilder“ rechnen kann. Vor einer Zimmerecke mit bunter Tapete steht ein zusammengeklappter Rollstuhl. Erst auf den zweiten Blick sieht man einen menschlichen Schatten an der Wand. „Das ist der frühere Bewohner, er ist tot“, sagt Stallwitz. Er weiß noch nicht, ob er das Gemälde auch mitbringen will, doch KKSVorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer bestärkt ihn darin. Es sei nicht düster, findet sie mit Blick auf die leuchtenden Blumen – und weil der alte Mensch nun sein Hilfsmittel nicht mehr braucht, kann man ihn ja auch als befreit ansehen. Noch ist sich der Maler nicht ganz sicher, was alles Teil der Bilderschau wird. Soviel steht jedenfalls schon fest: Es gibt etwa 40 Werke zu sehen, großformatige Acrylbilder ebenso wie Zeichnungen und bearbeitete Fotografien. Alles „Bilder aus der Sternwarte“, wie die Ausstellung auch heißt.

Info: Die Vernissage beginnt am Freitag, dem 3. März um 17 Uhr.
Zu sehen ist die Ausstellung samstags von 12 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie Montag, Dienstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr.
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RNZ von Donnerstag, 2.Februar 2017
Spiel von Licht und Schatten im alten Gemäuer
„Bilder aus der Sternwarte“ ist der Titel der diesjährigen Mathaisemarkt-Kunstausstellung mit Werken von Walter Stallwitz

Schriesheim (sk). „Künstlerisch zu Hoffnungen berechtigt, falls er nicht verhungert im prosperierenden Deutschland“: Oskar Kokoschka schrieb diesen Satz einst über Walter Stallwitz, der bei ihm 1956 eine Sommerakademie besuchte. Verhungert ist er nicht, sondern zählt mittlerweile zu den Größen der Mannheimer Kunstszene; davon kann man sich bald in Schriesheim überzeugen, denn der Kulturkreis lud Stallwitz zur diesjährigen Mathaisemarkt-Kunstausstellung ins Haus der Feuerwehr ein, und er sagte zu.

1929 geboren, studierte Stallwitz an der Freien Kunstakademie Mannheim; 1985 gehörte er zu den Wieder-Gründern der Hochschule, an der er bis 2004 Zeichnen unterrichtete. Die Ausstellung hat den Titel „Bilder aus der Sternwarte“ und weist darauf hin, dass Stallwitz’ Atelier seit 1958 an einer besonders exponierten Stelle in der Quadratestadt zu finden ist: Wie schon seine Lehrer malte und malt er in der Sternwarte, einem von Mannheims ältesten Gebäuden. Es kommt auch vor, dass er das Bauwerk selbst malt: Tageslicht, das durch ein Sprossenfenster fällt, das Spiel von Sonne, Schatten und flimmernden Farben spielen die Hauptrolle in dem 2009 entstandenen Gemälde aus dem Treppenhaus. Im Atelier entstanden auch seine politischen Werke, „Schlingen“- und Schattenbilder, in denen er in lebhafter Farbigkeit dem Problem der Vereinsamung des Menschen nachspürt.

Bekannt geworden sind auch seine Porträts: Er stellt bekannte und unbekannte Zeitgenossen dar, die zumeist dem Betrachter zugewandt sitzen und ihn direkt anblicken. Von Willy Brandt gibt es eine Lithografie aus dem Jahr 1975, die den Bundeskanzler mit offenem Blick darstellt. Die Kreidezeichnung von Günther Grass, zehn Jahre früher entstanden, ist schlicht, aber sehr wirkungsvoll. Pastellig, mitunter abstrakt gestaltete der Maler dagegen 1963 die Türen der Sickinger- Schule; sein erster Auftrag für „Kunst am Bau“ machte aus den nüchternen anthrazitfarbenen Klassenzimmertüren kleine Kunstwerke. Büffel, Pinguine und Schneeleoparden, Reagenzgläser oder Landkarten zeigten, um welches Fach es im jeweiligen Raum ging. Die Werke überlebten den Abriss der Schule und sind heute in einem Depot.

Bis 1963 war Stallwitz zudem als Illustrator für die Deutsche Zeitung tätig, sammelte Preise und Stipendien im Inund Ausland, unternahm Reisen nach Indien und Marokko und stellte in der Kunsthalle Mannheim aus, in Düsseldorf, Landau, Speyer und Ludwigshafen. Seine Werke gehören heute zu den Sammlungen renommierter Museen, er bekam zahlreiche Auszeichnungen. Nicht alle Ehrungen, die Stallwitz in seinem langen Leben erhielt, nahm er auch an; so gab er 1994 das ein Jahr zuvor erhaltene Bundesverdienstkreuz wieder zurück– aus Unzufriedenheit mit der Asylpolitik der Bundesregierung.

Die Bilderschau mit dem Titel „Bilder aus der Sternwarte – Gemälde und Graphiken von Walter Stallwitz“ wird am Freitag, 3. März, um 17 Uhr mit einer Vernissage eröffnet. Barbara Gilsdorf, Kulturreferentin der Stadt Schwetzingen, stellt die Werke des Künstlers vor.
Zu sehen ist die Ausstellung samstags von 12 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie Montag, Dienstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr.
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Mathaisemarkt-Kunstausstellung 2017

Bilder aus der Sternwarte
Gemälde und Graphiken von Walter Stallwitz

Kuratorin: Jo Goertz

Eröffnung: Freitag, 3. März 2017, um 17:00 Uhr im Haus der Feuerwehr

Einführung mit Dr. Barbara Gilsdorf, Kulturreferentin der Stadt Schwetzingen

Musikalische Begleitung: Ammar Alrashid, Gitarre

Ausstellungsdauer: bis Sonntag, 12. März 2017

Öffnungszeiten: samstags 12-19 Uhr, sonntags 11-18 Uhr sowie Montag,
Dienstag und Freitag 16-19 Uhr


Walter Stallwitz, Portrait Walter Stallwitz, Wasserpfützen Walter Stallwitz, Verfochten
Portrait von Robert Häusser Wasserpfützen Verflochten

Die aus kurfürstlichen Zeiten stammende barocke Sternwarte in Mannheim Alte Sternwarte Mannheim„erlebte“ in den rund 245 Jahren ihrer Existenz bemerkenswerte Zeiten. Sie war 100 Jahre lang ein bedeutendes Zentrum der europäischen Landvermessung und Astronomie, wurde durch Einflüsse diverser Kriege oftmals in Mitleidenschaft gezogen und zog viele berühmte Besucher wie Wolfgang Amadeus Mozart oder Thomas Jefferson in ihren Bann.

Und bemerkenswert ist das historische Gebäude immer noch - beherbergt es doch seit fast 60 Jahren Ateliers vieler Künstler, von denen einige nicht nur in der deutschen, sondern auch in der internationalen Kunstszene große Bedeutung gefunden haben.

So auch der 1929 geborene Maler Walter Stallwitz, dessen Werke hier im Atelier in der Alten Sternwarte seit 1958 bis heute entstehen.

Dem Kulturkreis gelang es nun, Walter Stallwitz im Rahmen der Mathaisemarkt-Kunstausstellung 2017 einzuladen, um auf dieser Plattform einige großartige Beispiele seiner Gemälde und Graphiken zu zeigen: „Bilder aus der Sternwarte“.

Die Exponate machen die stringenten thematischen Ausrichtungen deutlich, von dem das gesamte Werk des Künstlers seit Ende der 1940er Jahre bis heute geprägt ist: einerseits durch den Menschen als unverwechselbares Individuum, im Kontext sozialer und politischer Realitäten und in seiner Vereinsamung, andererseits - vor dem Hintergrund seiner eigenen politischen und gesellschaftskritischen Überzeugungen - durch Themen wie Umweltbelastung und -zerstörung oder auch Asylpolitik. Seine „engagierten“ Bilder, die „Schattenbilder“ aus den 1970er Jahren und die in den 1980ern/1990ern entstandenen „Interieur Bilder“ zeigen dies eindrucksvoll.

StallwitzStallwitz´ Sicht auf konkrete Individuen belegt seine konsequente Auseinandersetzung mit dem Menschenbild; er gilt heute als einer der bedeutendsten Porträtisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So entstanden faszinierende Bilder von prominenten Persönlichkeiten wie beispielsweise den Schriftstellern Günter Grass, James Baldwin, Hans Magnus Enzensberger, Hilde Domin und Martin Walser, Politikern wie Willy Brandt sowie von darstellenden Künstlern wie Adolf Laimböck und Franz Mazura.

Biographie
1946-50  Studium an der Freien Kunstakademie Mannheim
1956 Sommerakademie in Salzburg bei Oskar Kokoschka
1957 Kunstpreis der Jugend von Baden-Württemberg; 1. Stipendium der Michael-Karolyi-Gedächtnisstiftung in Vence (Frankreich)
1960-63 Illustrationen für die Deutsche Zeitung
1964 Indienreise
1966 Marokkoreise
1972 2. Stipendium der Michael-Karoly - Gedächtnisstiftung
1975 Mitglied des Internationalen Beraterkomitees der Michael-Karolyi-Gedächtnisstiftung
1978 Bronzemedaille der polnischen UNESCO-Kommission für bildende Künste
1980 Medaille des polnischen Kulturministeriums
1983 Im Senat der Freien Akademie der Künste, Mannheim
1985 Dozent an der Freien Kunstschule Rhein-Neckar
1990 Silberne Ehrennadel der Mannheimer Abendakademie
1993 Bundesverdienstkreuz erhalten
1994 Bundesverdienstkreuz zurückgegeben als Protestaktion gegen asylpolitische Haltungen und Entscheidungen der damaligen Bundesregierung
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RNZvon Samstag, 07.Januar 2016
Sie machen Ohrwürmer zu Perlen der klassischen Musik
Gut besuchte Neujahrsmatinee des Kulturkreises mit den „Philharmonic Stars“ im „Hirsch“-Saal – Eigenwillig und überraschend

Von Stephanie Kuntermann
Schriesheim. Der Saal des „Goldenen Hirsch“ ist gesteckt voll, und die Vormittagssonne schickt ein paar Strahlen durch die Sprossenfenster. Drinnen geht gerade das Konzert zur Neujahrsmatinee des Kulturkreises (KKS) in die letzte Runde. Die „Philharmonic Stars“ spielen am gestrigen Dreikönigstag ihr launiges Programm „Von Mozart bis James Bond“, und das letzte Stück, von Leiterin Mahasti Kamdar angekündigt als „die Krönung für heute“, nimmt den Titel durchaus wörtlich.

Die ersten schwungvollen Takte der „Kleinen Nachtmusik“ erklingen, man lehnt sich genüsslich im Sitz zurück. Doch auf einmal wird es unvertraut, aus den Akkorden schält sich das „Bond“-Thema heraus,und im Handumdrehen steckt man mitten im 007-Vorspann. Das Arrangement aus der Feder Kamdars überrascht, steckt voller sprunghafter Wendungen und musikalischer Gags: Immer wieder legen sich Kamdar und Martha Danilkovich (Violinen) und Iryna Schenk (Bratsche) voll ins Zeug, unterstützt von Martin Achtelik an der E-Gitarre, dann legt Cellistin Dagmar Kochendörfer wieder das Agenten-Thema vor, und die übrigen folgen. Zwischendurch meint man, noch andere Bond-Melodien herauszuhören, dann wieder den ersten Satz von Mozarts 40. Sinfonie: Es ist ein sehr unernstes, aber höchst leidenschaftlich gespieltes Medley, und unwillkürlich muss man an den Bond-Streifen „The Living Daylights“ und das Gewehr im Cellokasten denken. Im Publikum wird gegrinst und gekichert, und der lang anhaltende Applaus geht irgendwann über in das rhythmische Klatschen, mitdemdie Zuschauer um einen Nachschlag bitten: Der wird gewährt und kommt als tanzbare Version von Beethovens „Für Elise“, zu der ein Tango bestimmt gut ausgesehen hätte.

In diesem zweiten Konzertteil gibt es noch mehr solchen Stoff: Ragtime, Boogie und Mambo, außerdem die „Liebesgrüße aus Moskau“, die in Kamdars Arrangement so elegant klingen wie eine Salonmusik. Immer wieder macht das Quartett, das, wie KKS-Vorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer eingangs betont, zu den bekanntesten in Deutschland gehört, aus oft gehörten Ohrwürmern Perlen der klassischen Musik: Wehmütig und charmant ist ihre Version der Beatles-Hits „Lady Madonna“ und „When I’m 64“, während sich der ABBAPartyhit „Money, Money, Money“ klanglich irgendwo zwischen Dixie-Combo und Zigeunerkapelle einpendelt.

Doch auch bei den „eigentlichen“ Klassikern haben die „Philharmonic Stars“ ihren ganz eigenen Sound entwickelt: Der ist klar in den Soli, voll und trotzdem leicht im Zusammenklang, etwa bei „Mein Herr Marquis“ aus der „Fledermaus“ oder in der langsam gespielten, dunkel eingefärbten Mozart-Arie von Cherubino aus der „Hochzeit des Figaro“.

Musiktheoretische Exkurse gibt es in den Anmoderationen der einzelnen Programmpunkte nicht. „Das kann man ja alles im Internet nachlesen“, sagt Kamdar lässig und zieht es vor, statt dessen Musikerwitze zu reißen, und so kann man sich gut gelaunt immer auf das nächste Stück freuen. Etwa die „Pavane“ von Gabriel Fauré mit ihrer gezupften Begleitung oder der feine „Chanson du Roi“ von Charles Gounod.

Ein besonderes Juwel halten Kamdar und Achtelik noch gegen Ende hin bereit: Da wird es ganz still im Publikum, als die beiden ansetzen zu einer Instrumental- Fassung des Latin-Standards „Besame Mucho“: Während der Gitarrenlehrer die Saiten seines Instruments nur ganz behutsam zupft, übernimmt die Violine den Gesangspart mit unglaublich weichen Läufen und Melodien, sehr geschmeidig und virtuos. Am Ende lassen sich die Künstlerinnen noch zu einer weiteren Zugabe überreden, und auch ihr „Boogie For Strings“ begeistert: Er kommt lustig und glänzend aufgelegt daher wie auch der Rest dieses gelungenen Jahresauftakts.
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Philharmonic Stars„Von Mozart bis James Bond“
Dreikönigsmatinée mit den Philharmonic Stars

Der Kulturkreis wird mit einer glänzenden Auftaktveranstaltung für das Jahr 2017 Zeichen setzen! Die Philharmonic Stars, eines der gefragtesten und bekanntesten Damenstreichquartette in Deutschland, gastieren am 6. Januar um 11:00 Uhr im Rahmen einer Dreikönigsmatinée in Schriesheim. Im Saal des Gasthauses „Zum Goldenen Hirsch“ entführt uns Mahasti Kamdar, 1. Violinistin und Prinzipalin des Ensembles, auf eine musikalische Zeitreise. Der Titel des Konzerts ist Programm: großartige Arrangements weltbekannter Stücke von Mozart, Verdi und Puccini, von den Beatles, von ABBA und einigen anderen herausragenden Komponisten spannen einen melodischen Bogen von gestern bis heute.

Der Eintritt zu diesem delikaten Start in das kulturelle Jahr 2017 beträgt für Mitglieder und Nicht-Mitglieder des Kulturkreises im Vorverkauf (ab sofort in Utes Bücherstube und im Gasthaus „Zum Goldenen Hirsch“) 10,- Euro.

An der Tageskasse zahlen Mitglieder 10,- Euro und Nicht-Mitglieder 15,- Euro.  
Der Saal öffnet sich am 6. Januar 2017 um 10:30 Uhr.
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