KKS LOgo

Nachlese 2018

    *
*

Startseite

Aktuell

Programm 2018

>> Nachlese 2018
>> Dreikönigsmatinée
>> Mathaisemarktausstellung
>> Matinée mit Prof. J. Hörisch
>> 3. Poetry Slam in Schriesheim
>> 1. Sonderausstellung 2018

>> Nachlese 2017

Kerg Museum

Unsere Förderer

Kontakt


Impressum

*
Die nächsten Programmpunkte entnehmen Sie bitte unserem Programm!

Schriesheim: Vernissage der Ausstellung „Hoch-Flach-Tief“ im Museum Théo Kerg / Bürgermeister Hansjörg Höfer begeistert

„Das hat es hier noch nicht gegeben“

24. April 2018

„Die Idee zu dieser Ausstellung mit Druckgrafiken ist uns über Théo Kerg gekommen, auch er hat sich mit den Druckgrafiken beschäftigt“, erklärte die Leiterin des Kerg Museums, Lynn Schoene, den Besuchern, die zur Eröffnung der Sonderausstellung von drei Künstlern gekommen waren: Harald Priem wohnt in Mannheim, doch er konnte nicht persönlich bei der Eröffnung dabei sein, Roswitha Josefine Pape stammt aus Heidelberg und Margarete Lindau aus Mannheim.

Bürgermeister Höfer nannte die Ausstellung spannend und interessant, es gereiche Schriesheim zur Ehre diese Druckgrafiken ausstellen zu dürfen. „Das hat es hier noch nicht gegeben“. Alle Druckgrafiken zeigen ein großes handwerkliches Können und sie existieren nur einmal. In ihrer Laudatio auf die Künstler und ihre Werke bedauerte die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel, dass bislang Druckgrafiken in Museen als Stiefkind behandelt wird.

Roswitha Josefine Pape bevorzugt großformatige Holzschnitte. Dem Betrachter fällt ein auf Holz gezogener Druck auf, der einen chinesischen Fächer zeigt, in den die Jahreszeiten exakt hineingearbeitet sind. „Life is too short to be small“ fällt der Text einer Schablonen-Art sofort ins Auge, wie sie in der Werbung genutzt wird. Ein weiterer Blickfang, ein klassischer Holzdruck, ist ein Werk mit dem Titel „Prince Harry“. Um dem Schwarz-weiß- Druck eine farbliche Nuance zu geben und um seinen gesellschaftlichen Rang als Mitglied des britischen Königshauses hervorzuheben, hat sie dem Druck in einem neo-orange den Schriftzug „icon“ hinzugefügt.

Ganz anders die aus der ehemaligen DDR stammende Künstlerin Margarete Lindau. Sie verwendet für ihre Arbeit die Risographie, eine aus Asien stammende Technik, einen halbautomatisierten Siebdruck, der in Japan für kostengünstige Vervielfältigungen genutzt wurde. Die Kunsthistorikerin verwies auf eine Serie, die sie „9 x 3“ nennt. Die auf das Papier gebrachten Farbkleckse sind rot, blau und gelb, werden vervielfältigt, verändern dadurch ihre Positionen und werden von einer schwarzen Linie schmeichelnd umspielt. Durch weitere Überlagerung von Farben entstehen weitere Nuancen. So wird aus einem hellrot ein dunkelgrün. Lindau bevorzugt neben dem Neo-Orange die Farbe Schwarz, die sie mit Tusche, Edding oder Fineliner aufbringt. Sie liebt es mit Techniken zu spielen. So wirken einige ihrer Werke auf den Betrachter, als wären sie gepixelt. Auf anderen Zeichnungen und Drucken werden Abstraktionen von Landschaft oder Naturphänomene dargestellt.

Harald Priems Ateliers sind „Un-Orte“, wie er sie nennt, Abbruchhäuser, in denen er Inspirationen sucht und sie in Kunst umwandelt. Gefundenes wird zum Stempel, den er in Tusche taucht und solange druckt, bis die Farbintensität nachlässt. So entstand der Druck „Briefe an Jim“,eine Inspiration, die ihm eine verlassene Kokerei in Dortmund zugeflüstert hat und die er einem nicht existierenden Briefpartner widmete. Weiter sind kleinformatige Drucke zu sehen, die er nicht in den Abbruchhäusern gefertigt hat. Er nahm die Fundstücke mit ins eigene Atelier und schuf Serien von Drucken, die durch weiteres Überstempeln immer schwärzer werden und die er Kurzgeschichten nennt. In einem verlassenen Kindergarten in Mannheim-Käfertal fand er einen Spielstein, den er in den Linoleum-Boden dort einschnitt und von dem er nur einen einzigen Druck herstellte.

Die Ausstellung „Hoch- Flach-Tief“ ist bis 27. Mai im Museum Theo Kerg zu sehen. greg

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 24.04.2018
nach oben

RNZ von Samstag/Sonntag, 21./22. April 2018

Drei Künstler loten Potenzial ihrer Techniken aus

Museum Théo Kerg zeigt in Sonderausstellung „Hoch-Flach-Tief“ vielfältige Druckgrafiken – Vernissage mit Einführung am Sonntag
Schriesheim. (keke) „Hoch – Flach – Tief“: eine Ausstellung, drei Künstler, drei verschiedene Drucktechniken. Das erwartet Kunstfreunde am Sonntag, 22. April, ab 11 Uhr im Museum Théo Kerg, wenn Harald Priem (Mannheim), Roswitha Josefine Pape (Heidelberg) und Margarete Lindau (Mannheim) einen Einblick in ihr aktuelles künstlerisches Schaffen erlauben.

Auch wenn etliche seiner Werke im Obergeschoss hinter Wänden und in Grafikschränken verborgen sind: Auch Théo Kerg sei ein hervorragender Druckgrafiker gewesen, schlug Museumsleiterin Lynn Schoene im Gespräch mit der Presse den Bogen vom kongenialen Namensgeber des Museums zu den ebenfalls über die Region hinaus bekannten Künstlern.

Nach etlichen Präsentationen, die sich vorwiegend der Malerei und Skulpturen gewidmet hatten, so Schoene, sei es jetzt an der Zeit gewesen, „auch einmal in die Welt der Druckgrafik einzutauchen und zu zeigen, welche unterschiedlichen Möglichkeiten und Potenziale darin liegen und wie sie von den jeweiligen Künstlern auf ihre Art ausgedeutet werden“.

Nur mit knapp zwei Handvoll Arbeiten ist die 1954 in Dortmund geborene Pape vertreten: „Ich bin keine Auflagenkünstlerin“. Doch die haben es in sich. Wie der großformatige, auf das Wesentliche reduzierte Holzschnitt „Life is too short to be small“: Grobgeschnittene Stempelbuchstaben, wie man sie auf Kisten findet, kontrastieren mit einem japanischen Fächer in Rot – in dem der aufmerksame Betrachter bei genauem Hinsehen alle Jahreszeiten auf einmal erkennen kann.

Scheidung, Tod, Katastrophen: „Alle meine Arbeiten markieren einen entscheidenden Punkt in meinem Leben oder haben direkten Bezug zur Welt“, sagt Pape und zeigt auf einen antiquarischen Holzstuhl als „Fundstück aus der Jesuitenkirche“. Die Sitzfläche hat Pape zu einem Druckstock zweckentfremdet und in Kontrast zu einem meterlangen Text zu Virginia Woolfs Essay „Ein Zimmer für sich allein“ gesetzt. Dann ist da noch „Bad Boy“ Prinz Harry, als „Post-Machismo“- Ikone à la Wladimir Putin mit nacktem Oberkörper und mit Lupe fein in Holz gestochen.

Margarete Lindaus Arbeiten zeigen zwei „malerische“ Seiten der Künstlerin. Die eine Seite erinnert in einem variantenreichen Duktus aus auf- und abschwellenden Linien an die Aufzeichnungen eines Seismografen und an Wolkenformationen, die andere Seite bilden „Risografien“ als farbige „Stücke“. Bei diesem Siebdruck-ähnlichen elektronischen Verfahren wird die Schablone des zu druckenden Bildes elektronisch erstellt und vollautomatisch auf die Druckwalze gespannt. Die Masterschablone wird an den Stellen, an denen gedruckt werden soll, thermisch durchlöchert. Eine Farbwalze zieht das Papier mechanisch ein und bringt die Farbe durch die Poren der Schablone auf. Durch Überlagern erzeugt Lindau Mischvariationen.

„Verlorene Orte“, von ihm auch „Unorte“ genannt und oft wochen- und monatelang als Atelier- und Arbeitsräume genutzt, gehören zu den Vorlieben von Harald Priem. Dabei handelt es sich um aufgelassene Fabriken, Depots, zum Abriss stehende Kindergärten und Krankenhäuser oder die Alte Synagoge in Hemsbach, deren Hinterlassenschaften ihm als Arbeitsmittel dienen und auf Menschen hinweisen, die hier gelebt haben.

„Ich gehe an diese Orte, lasse sie erzählen und mich von ihnen inspirieren“, so Priem. Gefundene Gegenstände wie „Spielsteine“ dienen ihm als Stempel, mit denen er nicht lesbare „Briefe an Jim“ schreibt, eine imaginäre Person. Diese bis zu 20 Meter langen Bahnen können in ihrer Bedeutung durchaus als „spektakulär“ bezeichnet werden. Etwa seine „Bodenschnitte“ in steinhart gewordenes, zuvor von Tausenden von Menschen abgelaufenes Linoleum oder der Druck von „in vier Jahrzehnten zu Kunst gewordenen Gebrauchsspuren“. Ihm gehe es nicht um Faktensicherung, sagt Priem, „sondern um die poetische Übertragung der Einzigartigkeit, die jeden Ort umgibt“.

Info: Vernissage „Hoch-Flach-Tief“,
Sonntag, 11 Uhr. Einführung von Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel.
nach oben

Schriesheim: Sonderausstellung im Kerg-Museum / Eröffnung am Sonntag um 11 Uhr

Künstler befassen sich mit Druckgrafiken

20. April 2018

Am Sonntag, 22. April, 11 Uhr, eröffnet das Kerg-Museum Schriesheim eine Sonderausstellung. Harald Priem, Margarete Lindau (beide aus Mannheim) und Roswitha Josefine Pape (Heidelberg) präsentieren Druckgrafiken mit dem Titel „hoch-flach-tief“. „Diese Werke passen sehr gut in unser Museum, hatte sich doch Théo Kerg ebenfalls den Druckgrafiken verschrieben“, findet die Leiterin des Kerg-Museums Lynn Schoene. Bei einem Pressegespräch waren jetzt Harald Priem und Roswitha Josefine Pape, ebenso wie die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel anwesend.

Von Roswitha Josefine Pape sind neun Werke, darunter auch großformatige Holzschnitte, zu sehen. Bei ihren Holzschnitten verwendet sie die klassische Technik an, die sie mit weiteren Techniken erweitert. Ihre Ideen schöpft sie einmal aus dem Weltgeschehen, sie verarbeitet in ihren Werken aber auch persönliche Begebenheiten wie beispielsweise ihre Scheidung. Entstanden ist ein großformatiger Holzschnitt auf Reispapier gedruckt und auf einer Tischlerplatte aufgezogen. In Mitten prangt ein chinesischer Fächer, in dem sie feine Filamente hineingearbeitet hat. Daran habe sie ein viertel Jahr gearbeitet, berichtete sie. Ebenso beeindruckend zwei Drucke, die Prinz Harry mit nacktem Oberkörper beim Footballspiel darstellen. Beeindruckend ebenfalls ein Stuhl, ein Relikt aus der Heidelberger Jesuitenkirche, dessen Sitz mit einem Text aus Virginia Woolf ausgelegt ist.

Klassische Grundtechnik

Harald Priem arbeitet mit der klassischen Grundtechnik. Sein Atelier sind verlassene Orte, wie alte Fabrikhallen, abbruchreife Kindergarten oder Krankenhäuser, die für eine Zeit zum Atelier werden. Dort findet er Inspiration und die alten Gemäuer erzählen ihm Geschichten und die dort verlassenen Gegenstände werden zu Druckwerkzeugen. So entstand aus den Relikten einer Maschine aus einem alten Fabrikgebäude ein großformatiges Bild, das er „Briefe an Jim, einem nicht existierenden Briefpartner“, nennt. Durch das Eintauchen des Stempelwerkzeugs in die Tusche entstehen Grauwerte, die an das Schreiben mit Tusche und Feder erinnern. Zu sehen sind auch kleinformatige Drucke, die er nicht in den Abbruchhäusern gefertigt hat, sondern er nahm Fundstücke mit ins eigene Atelier. Da Margarete Lindau nicht anwesend sein konnte, übernahm die Einführung die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel. Die Künstlerin verwendet für ihre Arbeit die Risographie, eine farbliche aus Japan stammende Technik, eine Technik, die ohne Anwendung von Farbe und Chemikalien auskommt und ohne Hitze auf das Papier gebracht wird.

Die auf das Papier gebrachten Farbkleckse rot, blau und gelb werden vervielfältigt, verändern ihre Positionen und werden von einer schwarzen Linie umrandet. Lindau liebt es mit Techniken zu spielen, so wirken einige ihrer Werke auf den Betrachter als wären sie gepixelt. Auf anderen Zeichnungen und Drucken werden Abstraktionen von Landschaft oder Naturphänomenen dargestellt: Explosionen, Bergmassive, Bewegungen von Wasser oder meteorologische Erscheinungen.

Die Ausstellung „HOCH– FLACH – TIEF“ ist vom 22. April bis 27. Mai im Museum Théo Kerg zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 22. April, um 11 Uhr. Die Einführung in die Ausstellung gibt die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel. greg

© Mannheimer Morgen, Freitag, 20.04.2018
nach oben

RNZ von Montag, 23. April 2018

Drei Frauen überzeugten auf der Bühne des Zehntkellers

Dritter Poetry Slam des Kulturkreises wurde nicht nur dank der Kandidaten zum kurzweiligen Abend
Schriesheim. (fjm) „Definitiv ein Top- Publikum“, sagt Moderator Karsten Hohage, als er in der Pause eine Zigarette raucht. „Sehr entschlossen in der Abstimmung.“ Sylvie Le Bonheur und Meral Ziegler stimmen mit leichtem Nicken zu. Sie haben ihren Auftritt beim dritten Poetry Slam des Kulturkreises im Zehntkeller schon hinter sich. „Man hat auf jeden Fall das Gefühl, dass sie aufmerksam sind“, sagt Ziegler, die für diesen Abend aus Konstanz angereist ist.

Ihre fünf Minuten auf der Bühne hat sie für einen feministischen Beitrag genutzt unter dem Titel „Ich liebe Frauen, ich hasse Frauen“. Eine scharfe Kritik am Drang, den überzogenen Ansprüngen der Männer gerecht werden zu wollen. „Männliche Herrschaften, es sind genug für alle da“, sagt sie mit ausladender Gestik und lauter Stimme und appelliert an die weiblichen Zuschauer, sich ihrer Opferrolle zu entledigen: „Tu nicht so, als müsse man dich im Bobbycar zur Arbeit schieben.“

Duzen ist beim Poetry Slam völlig normal, unter den Wortkünstlern wie im Dialog mit dem Publikum. Die Kandidaten kennen sich meist, auch Meral Ziegler und Sylvie Le Bonheur sind sich schon häufiger begegnet. Letztere kam zum Slammen, als sie eine „Word up“- Veranstaltung in Heidelberg anschaute. „Da habe ich mich einfach mal angemeldet“, sagt die Mannheimerin. Inzwischen ist sie in der Szene zuhause, im Zehntkeller schafft sie es mit ihrem unterhaltsamen Rundumschlag „Lebst Du noch oder heiratest Du schon“ dank tosendem Applaus ins Finale.

Viele Kandidaten haben sich Beziehungen als Thema ihrer Beiträge herausgesucht. Die jüngere Generation wird dabei von Daniel Wagner aus Heidelberg mit dem „Todlichtmilieu der Zwangspostitution“ und unzähligen Wortwitzen zu Tinder, Selfies und Likes bedient. Die Älteren kommen bei Anna Teufel aus Karlsruhe auf ihre Kosten, die einen bewegenden Nachruf auf ihre fast 90 Jahre alte Nachbarin „Frau Maier“ verliest. Die immer nach Tee und Seife roch, zu viel Brot und Hefezopf kaufte und es dann an die Studenten weitergab, Weihnachts- und Ostergrüße verteilte und plötzlich starb. „Sie waren unsere Frau Maier“, sagt Teufel. „Sie waren nicht irgendeine, sie waren echt verdammt cool.“ Damit trifft sie einen Nerv beim Schriesheimer Publikum, fast jeder im Zehntkeller hat eine Person als eigene Frau Maier vor Augen. Für Anna Teufel geht es damit ins Finale.

Dort trifft sie auch auf Lisa Maria Olszakiewiecz aus Stuttgart, die ihre Fabel einer männlichen Biene mit Tanzbegabung auf der Suche nach Selbstverwirklichung in der Vorrunde ohne Vorlage und ohne Fehler präsentiert. Auch der zweite Beitrag überzeugt: ein modernes Märchen zwischen Partyleichen und Feinstaubteppich in einer Kneipe in Stuttgart, mit einer magischen Toilette, Herzschmerz, Brandstiftung und Happy End – wieder auswendig vorgetragen.

Anna Teufel erntet mit ihrem Text aus der Sicht eines Kindes mit Down-Syndrom, einem Plädoyer für Inklusion, Offenheit und Toleranz mindestens genauso viel Applaus, Moderator Karsten Hohage muss das sonst so entschiedene Schriesheimer Publikum um 22.42 Uhr ein zweites Mal um Abstimmung per Beifall bitten. Olszakiewiecz gewinnt.

Knapp drei Stunden dauert die Veranstaltung da bereits. „Das verging wie im Flug“, findet Bürgermeister Hansjörg Höfer, der sich bei seinem ersten Poetry-Slam-Besuch über ein altersmäßig bunt gemischtes Publikum freut, das auch von außerhalb kommt. Dass der Abend kurzweilig bleibt, liegt aber nicht nur an den neun Kandidaten, sondern auch an Moderator Hohage und Tilman Claas, der als Ein-Mann-Mariachi-Band, Country- Sänger und Stimmungsmacher in grauem Polohemd, Jeans und Adiletten an der Gitarre auf hohem Niveau herumblödelt. „Word up“-Organisator Frank Habrik scheint eine Mischung gefunden zu haben, die zum Schriesheimer Publikum passt – sehr zur Freude des Kulturkreises. Der nächste Poetry Slam ist jedenfalls bereits für November geplant.
nach oben

Jochen Hörisch im Museum Théo Kerg
Jochen Hörisch im Museum Théo Kerg Jochen Hörisch im Museum Théo Kerg Jochen Hörisch im Museum Théo Kerg
Fotos: Hans Waldenmayr

RNZ von Dienstag, 20. März 2018

Weil das Leben besser ist als sein Ruf

Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch philosophierte bei Kulturkreis-Matinee zu Überlebenskunst – Saxofonist Knut Rössler begleitete
Von Marco Partner

Schriesheim. Warum nicht mal wieder so richtig loben? Freunde, Familie, Bekannte, sich selbst – oder kurz gesagt: das Leben. Können wir das überhaupt noch? So richtig verbal, in Worten? Fern von Facebook-Daumen und WhatsApp-Smilies, während im Fernseher gerade mal wieder Politiker durch den Kakao gezogen werden? „Kritisieren kann jeder, aber loben? Es ist die anspruchsvollere Aufgabe“, schließt Professor Jochen Hörisch am Sonntagvormittag seinen Vortrag im Museum Théo Kerg.

„Überlebenskunst: Das Leben ist besser als sein Ruf“, tauft der in Schriesheim wohnhafte Literatur- und Medienwissenschaftler der Universität Mannheim sein unterhaltsames und hochphilosophisches Referat. Entsprungen ist es einer italienischen Sommerlaune. Es war während einer Kulturreise des Schriesheimer Kulturkreises nach Rom, der Blick auf die „Ewige Stadt“, die den Professor dazu bewog, der Ambivalenz von lebensbejahender Antike und der bisweilen abwertenden Lebenshaltung der Weltreligionen auf den Grund zu gehen.

Auch in der Geschichte des Christentums wirke das Leben manchmal wie eine Durchgangsstation. Zu Post Mortem, dem wahren Leben danach. „Ein sehr affirmatives Verhältnis zum Tod“, findet Hörisch – und kehrt die These um: „Nicht der Tod ist besser als sein Ruf, sondern das Leben.“

Um das zu beweisen, verordnet der Literaturprofessor wie sonst seinen Studenten auch den Besuchern im Museum Théo Kerg den sogenannten „Paradies-Test“. Wie könnte es aussehen, das persönliche Eldorado? Meist seien die Vorstellungen und Wünsche bescheiden.

„Sie wünscht sich einen etwas liebevolleren Mann und er eine weniger zickige Frau. Und beide wünschen sich etwas mehr Geld“, sagt Hörisch. Etwas ganz Anderes, das große Unbekannte, wünsche sich aber eigentlich niemand. Das wahre Paradies, es ist im Grunde genommen also der Himmel auf Erden, das Leben.

Doch es sei gerade diese Unvollkommenheit, die immer wieder Rätsel aufgibt. „Die gnostische These besagt, dass beim Schöpfungswerk etwas gründlich misslungen ist“, veranschaulicht der Professor große Theorie in einfachen Bildern. Und wirft wieder Fragen auf: Warum gibt es Sterben, Krankheit und Krieg? Wäre es nicht besser, nie geboren zu werden, mutmaßte bereits der griechische Dichter Sophokles 400 vor Christus. „Ist das Leben nur eine Störung des reinen Nicht seins?“, fragt auch Hörisch mehr als zwei Jahrtausende später. Die Antwort kennt niemand.

Außer Friedrich Nietzsche. Ausgerechnet der Zeit seines Lebens unter Migräne und anderen Krankheiten leidende Philosoph prägte mit seiner „Amor fati“, der Liebe zum Schicksal, eine sehr lebensbejahende Maxime. Und es ist ja kein Zufall, dass Hörisch auf diese Zusammenhänge ausgerechnet in Rom stieß. „Amor rückwärts gelesen ergibt Roma“, würzt der Literat seinen Vortrag mit Humor, Tiefgang und Musik.

Knut Rössler erzeugt mit seinem Saxofon mal schwermütige Töne, dann wieder Leichtigkeit. Je nachdem, in welche Richtung sich der Vortrag gerade bewegt. Der Grundtenor aber wird schnell klar und wurde bereits von einem anderen Italien und Lebensfan in Versform gebracht. „Wie es auch sei, das Leben. Es ist gut“, dichtete einer, der es wissen muss: Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe.
nach oben

Matinée im Museum Théo Kerg
Überlebenskunst: Das Leben ist besser als sein Ruf
Ein Vortrag von Professor Dr. Jochen Hörisch

Musikalische Intermezzi: Knut Rössler, Saxophon
Sonntag, 18. März 2018, um 11 Uhr im Museum Théo Kerg

Jochen HörischRom – hier in der fast dreitausendjährigen antiken Kulisse der „Ewigen Stadt“ entstand die Idee, das Spannungsfeld zwischen der lebensbejahenden Haltung und Denkweise der griechisch-römischen Antike einerseits und andererseits den mitunter lebensabwertend erscheinenden Offenbarungen der drei großen Buch-Religionen in einem Vortrag zu verarbeiten. Die Lehren des Christentums, Judentums und des Islam erklären das Lebensende als Eingang zum eigentlichen erlösten Leben bei Gott und führen zu der These, dass der Tod besser als sein Ruf sei. Hier wird der international renommierte Literatur- und Medienwissenschaftler Jochen Hörisch, seit 1988 Ordinarius für Neuere Germanistik und Medienanalyse an der Universität Mannheim, dialektisch ansetzen und mit dem ihm eigenen Wortwitz, mit elegantem Esprit und mit Goethe und anderen Rom-Enthusiasten die Gegenthese entwickeln. Und die heißt: Das Leben ist besser als sein Ruf!

Eintritt: € 7,50 (KKS-Mitglieder, SchülerInnen und StudentInnen € 5,-).
Nur Tageskasse im Museum Théo Kerg (Talstraße 52, 69198 Schriesheim).
nach oben

Vernissage der Mathaisemarktkunstausstellung
Mathaisemarktkunstausstellung 2018 Mathaisemarktkunstausstellung 2018 Mathaisemarktkunstausstellung 2018
Mathaisemarktkunstausstellung 2018 Mathaisemarktkunstausstellung 2018 Mathaisemarktkunstausstellung 2018
Fotos: Hans Waldenmayr
nach oben

RNZ von Samstag/Sonnatg, 03./04. März 2018

Kunstausstellung zeigt Werke Mannheimer Künstlernachlässe

Unter dem Titel "Reisen. Mannheimer KünstlerInnen unterwegs" sind Werke aus dem Depot ausgestellt

Von Marco Partner

Schriesheim. Ein großer, grauer Erdball sticht einem als erstes ins Auge. Fetzen aus Magazinen, Zeitungen und Illustrierten kleben an der Leinwand. Der karge Asphalt einer einsamen Straße wird ins Zentrum der Betrachtung gerückt. Bonjour Tristesse, möchte man beim Anblick der beiden großen Werke von Norbert Nüssle fast sagen. Und doch sind die gespachtelten Collagen-Bilder - vollgepackt mit Plakatresten, küssenden Reklamelippen und kunstvoll eingearbeiteten Kaugummipapierchen - fantasieanregend und ein Blickfang der Mathaisemarkt-Kunstausstellung. Dem Alltagsgrau entkommen, um mit neue Eindrücken heimzukehren: "Reisen. Mannheimer KünstlerInnen unterwegs", ist der Titel der diesjährigen Schau im Saal der Feuerwehr, mit der ein kleiner Einblick in das rund 1000 Exponate umfassende Depot der Mannheimer Künstlernachlässe gewährt wird.

"Die Erde als Kugel ist immer sichtbar. So hat Nüssle elegant die Frontalversion vermieden", erklärt Susanne Kaeppele am Freitag bei der gut besuchten Vernissage. Gemeinsam mit ihrer Kollegin, Christine Schumann, von den Künstlernachlässen moderiert die Eröffnung. Beleuchtet die Schaffenskraft und Motive der neun verstorbenen, ausgestellten Künstler, deren Schicksale zwei Gemeinsamkeiten einen: Mannheim als Heimat und Lebensstation sowie die Lust des Reisens. Der Weltenball als Sehnsuchtsort: Trude Stolp-Seitz malte in den 1950er Jahren zur Not auf dem Kofferraumdeckel ihres Autos, um die Pracht der Schweizer Berge oder das Glitzern des Gardasees in Form und Farbe festzuhalten. Abstrakt und wie in blaue Diagramme eingeteilt, wirken ihre Gemälde. Eher auf der Gerhard-Richter-Skala bewegen sich dagegen die ganz dem Taoismus zugewandten Bilder von Gabriele Dahms.

Bei ihr rücken die Farben selbst in den Mittelpunkt. "Sie ist zunächst nach Ostasien gereist. Und dann in sich hinein", erläutert Kaeppele. Bürgermeister Hansjörg Höfer verweilt kurz vor Vernissage-Beginn dagegen lieber vor einem mediterranen Aquarell. "So sonnig sollte es auch auf dem Mathaisemarkt sein", sagt er scherzhaft, während draußen bei Nullgraden zarte Schneeflocken auf die Fahrgeschäfte herabrieseln.

Wie ein Kontrast zur ungewohnten Märzkälte erscheinen die Werke von Peter Schnatz: Ein pechschwarzer Olivenbaum trieft aus der Leinwand, wie die sengende Hitze erstrahlt auch ein mit Sackleinen verarbeitete Erinnerung an die Provence. "So wird die ferne Welt daheim ins Wohnzimmer gebannt", sagt Schumann. Die neun Mannheimer Künstler, sie hätten zwar nicht die große Kunstgeschichte auf den Kopf gestellt: "Aber die Reisen haben ihre Kunst stark beeinflusst."

Hans Graeder hingegen bekämpfte mit seiner Kunst ein Trauma: Als Soldat musste er im Zweiten Weltkrieg Feldzüge in Polen, Frankreich, dem Balkan und Russland überstehen. Was der 1998 verstorbene Künstler durchlebt haben muss, wird in Gestalt von schreienden Mündern und auf Arme und Beine reduzierten Menschen sichtbar. "Die Künstlernachlässe sind eine wichtige Einrichtung. Das Leben und die Arbeiten der verstorbenen Künstler haben das kulturelle Bild Mannheims geprägt. So bleiben sie der Nachwelt erhalten", betont deshalb auch Gabi Mohr-Nassauer, die Vorsitzende vom Kulturkreis.

nach oben

RNZ von Samstag/Sonnatg, 17./18. Februar 2018

Kulturkreis zeigt Arbeiten aus Mannheimer Künstlernachlässen

Werke erinnern an Reisen als Wendepunkte - Zwischen Selbstfindung und Traumata

Schriesheim. (mpt) Gaugin hat es getan. Van Gogh ebenso. Picasso erst recht. Aber auch viele Mannheimer Künstler taten es den Meistern ihrer Zunft gleich. Zwar reisten sie nicht unbedingt nach Tahiti wie Gaugin, aber auch sie tingelten durch die Welt, erweiterten ihren Horizont, um ihre Eindrücke und Erfahrungen über den Pinselstrich auf die Leinwand zu bannen. Die Bilder sind geblieben, viele Künstler inzwischen verstorben. Nun wird neun Mannheimer Kunstschaffenden auf dem Mathaisemarkt eine Ausstellung gewidmet. "Reisen. Mannheimer KünstlerInnen unterwegs" heißt die Kunstschau, die im Saal der Feuerwehr vom 2. bis 11. März präsentiert wird.

Im Mannheimer "Speicher 7" gab es die Arbeiten aus dem Depot der Künstlernachlässe schon mal zu sehen. Anlass für die Ausstellung war ein Werk von Paul Löffler (1920-1995). "Manhattan" ist das Aquarell betitelt, auf welchem die Brooklyn Bridge mit den Wolkenkratzern zu verschmelzen scheint. "Eigentlich reisen unsere Künstler alle. Und es waren Wendepunkte in ihren Arbeiten", dachte sich Stiftungsmitglied Silvia Köhler beim Anblick der New Yorker Skyline.

Seit 2005 existieren die Mannheimer Künstlernachlässe. Der Tod von Peter Schnatz (1940-2004) war gleichzeitig die Geburtsstunde für die Bewahrer bedeutsamer Werke. Mittlerweile werden die Nachlässe von neun Künstlern aufbewahrt. Und alle werden bei der Ausstellung in Schriesheim zu sehen sein.

"Diese Künstler tragen mit ihren Werken auch ein Stück zur Stadt- und Kulturgeschichte und somit zur kulturellen Identität Mannheims und der Region bei", erklärt Köhler, "sie alle erzählen eine Geschichte." Norbert Nüssle (1932-2012) beispielsweise galt als sehr frankophil. "Er hatte ein verwunschenes Sommeratelier in der Bretagne, das aber auch sehr zugemüllt war", sagt Susanne Kaepple. Der Grund: Von Eintrittskarten bis Plakatresten sammelte Nüssle fast alles, was ihm zwischen die Finger kam, um die Fundstücke in Collagen festzuhalten. "Er ist ein unendlicher Quell", sagt Kaepple mit Blick auf einen grauen Erdball voller Papierfetzen, der auch die Flyer und Plakate zur Ausstellung ziert.

Während Nüssle die Hinterlassenschaften auf der Straße inspirierten, waren Will Sohl (1906-1969) und Franz Schömbs (1906-1976) von den Küsten des Mittelmeers fasziniert. Für Trude Stolp-Seitz (1913-2004) waren Ausflüge in die Alpenwelt gleichbedeutend mit einem Ausleben der kreativen Ader. Einen Umbruch in seiner künstlerischen Gestaltung stellte für Peter Schnatz eine Reise durch die Toskana dar. Für Gabriele Dahms (1944-1999) dagegen waren die Touren durch Asien gleichbedeutend mit einer Ankunft bei sich selbst.

Manchmal konfrontieren Reisen aber auch mit der bitteren Realität. Wie bei Hans Graeder (1919-1998), der seine Erfahrungen als Soldat im Zweiten Weltkrieg ein Leben lang in seiner Kunst verarbeitete. Oder Ilana Shenhavs (1931-1986), die von Theresienstadt über Israel nach Mannheim kam und in deren Bildern sich eine unruhige Lebensreise widerspiegelt. "Ich bin von den Werken und Künstlern, von der ganzen Idee total begeistert", findet Lynn Schoene, die gemeinsam mit Tom Feritsch als Kurator fungiert - und die Schau bereits im "Speicher 7" bewunderte.

Jetzt freut sich die Leiterin des Kerg-Museums wie Dieter Weitz und Jochen Wähling vom Kulturkreis, dass die Ausstellung in Schriesheim Station macht, um die Mathaisemarkt-Besucher in ihren Bann zu ziehen.

Info: Die Vernissage zur Ausstellung findet am Freitag, 2. März, von 17 bis 19 Uhr im Haus der Feuerwehr statt.

nach oben

Mathaisemarkt-Kunstausstellung 2018:

Reisen - Mannheimer KünstlerInnen unterwegs

Arbeiten aus dem Depot der Künstlernachlässe

Startbild


Kuratoren: Lynn Schoene und Tom Feritsch
Eröffnung: Freitag, 2. März 2018, um 17:00 Uhr im Haus der Feuerwehr
Einführung: Dr. Susanne Kaeppele und Dr. Christine Schumann, Künstlernachlässe Mannheim
Ausstellungsdauer: bis Sonntag, 11. März 2018
Öffnungszeiten: samstags 12-19 Uhr, sonntags 11-18 Uhr sowie Montag, Dienstag und Freitag 16-19 Uhr


Mathaisemarktausstellung 2018 Mathaisemarktausstellung 2018 Mathaisemarktausstellung 2018

Mittlerweile sind es weit mehr als 1.000 Werke, die die Künstlernachlässe Mannheim, eine seit 2005 außerordentlich aktiven und spezialisierten Initiative, verwaltet. Dabei liegt der Hauptfokus darauf, das Werk angesehener Mannheimer Künstlerinnen und Künstler als herausragendes Zeugnis der Kultur-, Stadt- und Zeitgeschichte Mannheims und der Region für die Öffentlichkeit präsent zu halten.

Mathaisemarktausstellung 2018Letztes Jahr sorgte eine vielbeachtete Ausstellung in den Räumen des Mannheimer „Club Speicher7“ mit Arbeiten aus dem Depot der Künstlernachlässe für viel Aufmerksamkeit: „Reisen – Mannheimer KünstlerInnen unterwegs“. Diese beeindruckende Retrospektive auf das künstlerische Schaffen wichtiger Künstler, die in der Stadt lebten, deren Werk sehr oft durch vielfältige Eindrücke aus anderen Ländern, durch Licht und Luft fremder Regionen geprägt wurde, kommt nun im Rahmen der diesjährigen Mathaisemarkt-Kunstausstellung nach Schriesheim.

Samuel Johnson, englischer Gelehrter, sagte bereits vor gut 250 Jahren, dass der Sinn des Reisens darin bestehe, „…unsere Phantasien durch die Wirklichkeit zu korrigieren…“ und er empfahl, statt sich „…die Welt vorzustellen, wie sie sein könnte…“, sie zu sehen wie sie ist.

Mathaisemarktausstellung 2018Vielleicht waren es ähnliche Gedanken, die Gabriele Dahms, Hans Graeder, Paul Löffler, Norbert Nüssle, Peter Schnatz, Franz Schömbs, Ilana Shenhav, Will Sohl und Trude Stolp-Seitz zu reisen veranlassten, in ihren Werken aufgriffen und ihnen damit eine besondere Prägung gaben.

Gezeigt werden rund 30 wunderbare Bilder, die auf oder durch Reisen der Künstler entstanden sind.

Zur Vernissage im Haus der Feuerwehr am 2. März 2018 um 17:00 Uhr und / oder zu inspirierenden Rundgängen durch die Ausstellung bis zum 11. März laden wir herzlich ein!

nach oben

Dreikönigsmatinée mit Heike Matthiesen
Dreikönigsmatinée 2018 Dreikönigsmatinée 2018 Dreikönigsmatinée 2018
Fotos: Hans Waldenmayr
nach oben

RNZ von Dienstag, 9.Januar 2018
Großes Kino für die Ohren
Gitarristin Heike Matthiesen begeisterte bei Dreikönigsmatinee des Kulturkreises – Leidenschaft des spanischen Barocks dargeboten

Schriesheim. (nip) Der Kulturkreis Schriesheim (KKS) begann das neue Jahr mit einem Kracher, besser gesagt, mit einem Hochkaräter: Heike Matthiesen, eine der wenigen klassischen Sologitarristinnen aus Deutschland, bezauberte ihr Publikum im großen Saal der katholischen Kirchengemeinde vom ersten bis zum letzten Ton mit einem so unprätentiösen wie empathischen Spiel. Die gebürtige Braunschweigerin und Diplom-Gitarristin kam ohne große Gesten, dafür jedoch mit einer wunderbar ansteckenden Spielfreude daher, die in ihrer Natürlichkeit begeisterte.

Konzentriert, handwerklich perfekt, ohne jedoch glatt zu sein, gefiel Matthiesens Darbietung ohne Wenn und Aber. Bei der Dreikönigsmatinee des Kulturkreises präsentierte die Musikerin eine feine Auswahl spanischer Barockmusik von Komponisten wie Fernando Sor, Isaac Albeniz und Enrique Granados sowie eine pfiffige Auswahl an kurzen Stückchen von Gaspar Sanz, der 1674 das erste Lehrwerk von Bedeutung für die fünfchörige Barockgitarre schrieb.

Leidenschaft, Temperament und Dramatik verbindet man allgemein mit dem spanischen Barock. Da sei es durchaus zur Sache gegangen, nämlich zumeist mit „Wein, Weib und Gesang“, erzählte Matthiesen zwischendurch in einer ihrer kompakt-informativen Ansagen. Doch dass die Spanier auch albernden Zirkusclowns gleich verrückte Noten zu Papier bringen konnten, das war neu und zugleich sehr erfrischend zu hören.

Eingebettet in lediglich zwei Harmonien, die ein wenig Wiener Schmäh in sich trugen, hatte Francisco Tárrega, der innovative Begründer der neuen spanischen Gitarrenschule, in „Gran Jota Aragonesa“, einem großen Rundtanz, zahlreiche Kunststückchen verpackt: Man müsse sich das so vorstellen, dass jeder Mittänzer ins Rund trat, um etwas vorzuführen, erklärte Gitarristin Matthiesen. Das war ganz großes Kino für die Ohren, belohnt von diversen „Bravo“-Rufen und langem Applaus.

Bereits im Vorfeld hatte sich der Vorstand des Kulturkreises um Gabriele Mohr-Nassauer auf diesen Vormittag gefreut. Zu Recht, wie die Zuhörer befanden. Musikerin und Verein waren gleichermaßen glücklich über die Resonanz auf dieses Konzert, das seinem Publikum zwei glückliche Stunden bescherte. Begonnen hatte Matthiesen mit einem „eingeschmuggelten“ Mozartstückchen. Die baue sie gerne ins Programm, verriet sie mit einem Augenzwinkern. Aus der berühmten Oper „Zauberflöte“ grüßte Papageno, eifrig bemüht, seine Gefangennahme durch Monostatos zu verhindern. Bekannte Klänge auch bei Isaac Albéniz‘ packender Hommage an die Region „Asturia“ im Nordwesten Spaniens, wobei fraglos deutlich wurde, weshalb selbst dem Komponisten und Pianisten seine eigenen Werke besser auf der Gitarre als auf dem Klavier gespielt gefielen: Saitenweise gab’s hier einfach mehr Emotion und Tiefe.

Mit Manuel de Fallas „Homenaje“ hatte Matthiesen das einzige Werk des Künstlers für Gitarre solo ins Programm genommen, eine so sensible wie expressive Komposition, gefolgt von dem nicht minder brillanten „L’Alhambra“ von Maria Dolores de Goñi, in Europa eher unbekannt geblieben, in den USA hingegen gefeiert.

Ihre deutsche Nachfolgerin Heike Matthiesen würdigte mit ihrer Programmauswahl das Schaffen de Goñis zu einer Zeit, als Rezensenten deutlich ihre Vorbehalte gegen die Gitarre als „sentimentales“ Instrument äußerten, „beschränkt, schäbig, dumm“. Um zum Ausdruck zu bringen, welch klanglich farbenreiches Instrument die Gitarre sein kann, ein Instrument, das man vielseitig bespielen und sogar als Cajón benutzen kann, dafür war Heike Matthiesen am Samstagabend in Schriesheim die beste Botschafterin.

nach oben

Schriesheim: - DREIKÖNIGSMATINEE DES KULTURKREISES MIT DER GITARRISTIN HEIKE MATTHIESEN

Musik, die unter die Haut geht

Dass die Dreikönigsmatinee des Schriesheimer Kulturkreises auch in diesem Jahr wieder ein tolles Erlebnis war und dass die Gitarrenmusik der Weltklassengitarristin Heike Matthiesen die Seele berührte, darüber war sich das Publikum einig. Leider verströmte der kühle und nüchterne Pfarrsaal im katholischen Gemeindehaus nicht den Charme wie einst der Raum im Gasthaus „Zum goldenen Hirsch". Da er nach dem Wechsel aber nicht mehr zur Verfügung stand, waren die Veranstalter glücklich, in den Gemeindesaal ausweichen zu können.

Der Saal war gut gefüllt, fast alle Stühle waren belegt. Begrüßt wurden die Konzertbesucher von der Vorsitzenden des
Kulturkreises, Gabriele Mohr-Nassauer. Sie freute sich über den guten Besuch. Viele Worte wolle sie nicht machen, denn an diesem Morgen stehe die Musik und eine der besten Konzertgitarristinnen im Mittelpunkt. Dann gab sie die Bühne für Heike Matthiesen frei.

Was das Publikum an diesem Morgen zu hören bekam, waren Klänge, die jeden regelrecht in den Bann zogen. Mit ihrem zwei mal 45 Minuten langen Programm entführte die Künstlerin ihre Zuhörerschaft in eine Welt der Leidenschaft, einer mediterranen Lebensfreude und der Emotionen, in das sonnenverwöhnte Spanien. Für ihr Konzert wählte die Künstlerin klassische Stücke, die nicht nur gute Laune versprühten. Es war Musik, die nachwirkte, die Entspannung verlieh und die unter die Haut ging.

Dass auch Mozart sehr schön auf der Gitarre klingen kann, das bewies sie mit dem „Glockenspiel" aus der Zauberflöte-Dann wechselte Matthiesen zu den typisch spanischen Gitarrenklängen, zu Fernando Sor, einem Barockmusiker und Gitarrenlehrer am Hofe des Vizekönigs von Neapel. Es folgten zwei rasante Stücke von Gaspar Sanz, der zu den ganz großen Barockkomponisten zählt. In ihrer Einführung erläuterte sie, dass das Stück ursprünglich für Klavier geschrieben war und später für Gitarre übertragen wurde.

Einen „Superhit" nannte Matthiesen Isaac Albenitz „Sevilla", das fast jeder Gitarrist in seinem Repertoire habe. Das nächste Stück, der Tanz von Franciso Tarrega, bestehe aus lediglich zwei Harmonien mit einer dramatischen Einleitung, erklärte sie. Da gehe jeder Tänzer in die Mitte des Kreises, wo er fast akrobatische Kunststücke vorführe. Weiter im Programm hatte die Gitarristin Komponisten wie Enrique Granados mit seinem spanischen Tanz und Manuel de Falla mit seinem „Homenaje".

Heike Matthiesen spielte nicht nur virtuos die Gitarre, sie führte mit ihr einen Dialog. Es war faszinierend zuzusehen, wie sie mit unglaublichen rasanten Läufen das Instrument zum Singen, Lachen und Weinen brachte. Es war ein Konzert, voller Temperament, Beschwingtheit und Lebensfreude, das die Zuhörer vom ersten Ton an fesselte. greg

© Mannheimer Morgen, Montag, 08.01.2018
nach oben