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Bilder zu "Schriesheim jaZzt" 2018
Schriesheim jaZzt 2018 Schriesheim jaZzt 2018 Schriesheim jaZzt 2018
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Schriesheim jaZzt 2018 Schriesheim jaZzt 2018 Schriesheim jaZzt 2018
Fotos: Hans Waldenmayr
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RNZ von Montag, 09. Juli 2018

Den Ton getroffen

„Schriesheim jazZt“ stellt die Fußball-WM in den Schatten – Medizinischer Notfall in der Oberstadt vorbildlich gelöst
Von Sebastian Blum
Schriesheim. Zum ersten Mal in seinem Leben sitzt Holger aus Angelbachtal im Evangelischen Kirchengarten. Die Bratwurst schmeckt ihm gut. Die Häuser passen zur Musik, die kleinen Gässchen zum Flair, sagt er. Seine Frau sitzt neben ihm und streckt die Arme in die Luft. Jedoch nur wegen des Sohnemanns. Der Fünf jährige hat nämlich einen Sound entdeckt. Jazz. Und er tanzt so ungeniert zum Sound von „Gordon Blue“, als hätte er nie etwas anderes gekannt.

Überall schunkeln Damen in bunter Sommermontur. Herren in aufgeknüpften Hemden schnipsen mit den Fingern. Über 1250 Besucher: Die Gassen sind voll, die Getränke eiskalt, das Wetter hat es gut gemeint. Auf sechs Bühnen in der Innen- stadt verteilt, zeigt Schriesheim beim „jazZt 2018“, wieso ein amerikanisches Musikexperiment in einer deutschen Weinstadt ankommt. Herzblutmusiker und ausgezeichnete Virtuosen aus der Region treffen den badischen Sommer, da kann Kroatien noch so viele Elfmeter verwandeln. „Die WM spielt heute die zweite Geige“, hat schon Bürgermeister Hansjörg Höfer zu Beginn prophezeit.

Und so kommt es. Die erste Geige spielt Anne Czichowski, die den organisatori-schen Aufwand am Samstagabend mit ihrer Stimme krönt, wie es einer Jazz- Preisträgerin gebührt. Drei Töne ins Mikrofon gehaucht, kann sie im prall gefüllten Strahlenberger Hof musikalische Maßstäbe nur noch neu definieren. „Ich bin auf der Durchreise“, sagt eine blonde Dame beim Hinausgehen, als sie ihr leeres Glas am Schanktisch abstellt, derweil akribisch in den Spielplan vertieft. Weiter geht’s in die Oberstadt, wo die Band Zigan Six einen frechen Stepptanz fordert, animiert vom grandiosen Nick Gordon.

Der Sänger beichtet gegenüber der RNZ, dass es innerhalb der Band einen me- dizinischen Notfall gab. Mit dem Resultat, dass sich die Musiker auf der Bühne teil- weise zum ersten Mal sehen. Im Publikum bemerkt das keiner. „Unser drittes Set müssen wir in der Pause planen“, sagt Gordon ohne einen Anflug von Nervosität. Sei- ne Stimme strotzt, doch der allemal ungeprobte Auftritt wird von einem weiteren Notfall unterbrochen.

Das Deutsche Rote Kreuz hatte bis dahin einen ruhigen Abend. Doch während Zigan Six eine ruhigere Nummer im Sitzen spielen, bricht der Akkordeonist der Band vor der Bühne zusammen. Notärzte kämpfen sich durch die Menge. Doch rasch bildet sich eine Rettungsgasse, von der sich alle Autofahrer auf Deutschlands Straßen eine Scheibe abschneiden können. Binnen weniger Minuten ist der Akkordeonist auf einer Trage, nach ein paar Schluck Wasser geht es ihm besser. Zum Zeichen sei- ner Genesung lächelt er schwach. Er gibt Nick Gordon einen Handschlag. Die Men- ge applaudiert.

Es ist genau diese „Einstellung der Leute“, die zwei rumänische Einwanderer an diesem Abend schätzen. Mit ihren Familien stehen sie abseits der Bühne vor dem Zehntkeller und trinken Bier. „Bevor Leute hier eine Zigarette auf den Boden werfen, suchen sie einen Mülleimer“, beschreibt Florentin, was für ihn „Einstellung“ ist. En Haufe Leit spielen den beliebten Dixieland-Sound. Aber für Florentin ist die Bühne weniger interessant als die Menschen, die vorbeilaufen. Deutsch will er lernen, und zwar schnell. Bevor er zum Goldenen Hirsch aufbricht, sammelt er seine Familie ein.

Dort, in einem Hinterhof der Heidelberger Straße, spielen Peter Lehel und sein Quartett eine ruhige Jazz-Nummer, die für die Rumänen noch mal zeigt, wie schön es Menschen in Schriesheim haben. Doch nun gähnen die Kinder, und „Schriesheim jazZt“ macht in diesem Jahr zum ersten Mal früher Schluss. Es ist 23.30 Uhr, nach einigen Zugaben haben auch Zigan Six in der Oberstadt ihr Set beendet. Leute sitzen noch immer an den Bierbänken vor dem Alten Rathaus und reden, witzeln und lachen, wä rend die L.A. Reed Bigband ihr Instrumentenarsenal abbaut. Der Swing auf dem Marktplatz findet an diesem Sommerabend jedoch auch nach Mitternacht kein Ende.
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RNZ von Montag, 09. Juli 2018

Schon zur Halbzeit gingen Vorräte aus

Beteiligte Gastronomen zeigten sich mit Zuspruch sehr zufrieden – Winzer Max Jäck musste in der Oberstadt sogar für Nachschub sorgen
Schriesheim. (fjm) Für Marcus Schlei cher beginnt „der Jazz“, wie ihn viele Schriesheimer nennen, schon am Samstagvormittag. Eifrig werden Bierbänke und die Theke in der Kirchstraße aufgebaut, denn die ersten Besucher stehen schon lange vor der offiziellen Eröffnung des Festivals Schlange. „Die Leute waren teilweise schon eine Stunde früher da“, sagt der Chef des Restaurants „Strahlenberger Hof“, der zu Beginn des ersten Sets der „New Jazzvoices“ im Innenhof am Grill keine Pause bekommt.

Während Schleichers Betrieb sonst für gehobene Gerichte zu gehobenen Preisen bekannt ist, gibt es beim „Jazz“ Südstaatenkost und „Seafood“: „Pulled Salmon Burger“ und Spareribs können die Besucher zu erschwinglichen Preisen ordern. „Für uns ist hochwertiges Fast Food mal was ganz Anderes“, sagt Schleicher. „Aber es macht auch einfach Spaß.“ Das einzige, was auf der Speisekarte an Luxuskost erinnert, sind Austern, die laut Schleicher aber auch erstaunlich häufig nachgefragt werden.

Um die Ecke ist Jürgen Opfermann unterdessen ständig in Bewegung. In Ko- operation mit Karl Forschner vom „Schützenhaus“ in Ladenburg bietet der Pächer des „Gasthauses“ und „Wirtshauses“ unter anderem Wildschwein- Burger und Bratwürste im Evangelischen Kirchgarten an. Schon bevor dort „Gordon Blue“ zu Blues- und Rockklassikern in jazzigem Gewand ansetzen, staut es sich vor der Theke. Auch die angebotenen Weine kommen gut an: „Hier gibt es einen Merlot Rosé“, sagt eine Besucherin begeistert. „So etwas habe ich noch nie probiert, aber er schmeckt super.“

Ähnlich positiv reagieren die Gäste in der Oberstadt auf das Getränke-Angebot vom Weingut Max Jäck: Es ist noch nicht mal 21.30 Uhr, als der Jungwinzer sich schon Gedanken darüber machen muss, wie er für Nachschub sorgen kann. „Dabei habe ich schon mit jeweils zwölf Flaschen mehr als im Vorjahr geplant“, sagt Jäck. Gegen 22.30 Uhr transportiert er schließlich noch einige Flaschen mit seiner Sackkarre vom Auto auf dem Festplatz in Richtung Diehm-Hof, die Nachfrage war größer als das geplante Angebot. Durstig bleiben muss aber niemand, auch für Speisen ist dank „Woiknorze“ und Laugenstangen der Bäckerei Heiß gesorgt. Der eigentlich eingeplante Gastro-Partner hatte zwei Wochen vor dem Festival überraschend abgesagt.

Einige Meter weiter, im Unteren Schulhof, schenkt Anne Kippenhan für die Winzergenossenschaft Weine, Wasser und Schorlen aus. „Der Anfang lief ein bisschen schleppend“, sagt sie. „Aber es füllt sich.“ Und die Besucher bleiben meist bis weit nach Ende des letzten Sets: „Je nachdem, wie gemütlich sich die Leute hier niederlassen, bleiben wir bis nach Mitternacht“, sagt sie. Nebenan freut sich das Imbissmobil der „Perseria“ über deutlich größeren Zuspruch als im vergangenen Jahr. Zufrieden zeigt sich auch Fabian Gieser, seit vergangenem Jahr Pächter des „Goldenen Hirschs“: „Vor allem unser ,Pulled Pork Burger’ läuft super“, sagt er, während das Quartett von Peter Lehel im voll besetzten Innenhof die vielen Gäste mitreißt. Auf dem Marktplatz sind die Bierbänke des Kaffeehauses auch nach der letzten Zugabe der „L.A. Reed Bigband“ noch gut gefüllt. Der Samstagabend endet für die beteiligten Gastronomen eben spät, wenn Schriesheim so richtig jazzt.
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Schriesheim jazZt am 7.7.2018 – der Vorverkauf läuft

Sechs Bands an sechs Orten - verteilt über die Schriesheimer Altstadt: das ist Schriesheim jazZt.  Am Samstag, den 7. 7. um 19.45 wird das Jazz-Open-Air vor dem Historischen Rathaus eröffnet.

Kurz danach geht es hier mit der L.A. Reed Bigband los. Diese Superband mit 22 Musikern und einer umwerfenden Sängerin hat 2016 am gleichen Ort bis nach Mitternacht das Publikum begeistert – und sie wollen es wieder wissen! Die Bewirtung obliegt hier  dem Kaffeehaus Schriesheim, das sich immer etwas besonderes zum Jazz einfallen läßt. Seien wir gespannt auf tollen Bigband-Sound und die Leckereien vor dem Historischen Rathaus.

Gleich um die Ecke im Strahlenberger Hof erwarten Sie die New Jazzvoices. Das Trio um Holger Nesweda setzt die Sängerin Anne Czichowsky (Jazzpreisträgerin) gekonnt in Szene und wird den anheimelnden Hof musikalisch vibrieren lassen. Im Hof und vor dem großen Tor des Strahlenberger Hof bietet das Restaurant wieder jazzige Speisen und Vortreffliches gegen den Durst.

Nebenan im Evangelischen Kirchgarten startet Gordon Blue in die lange Nacht. Das Quartett um den Pianisten Udo Sailer spielt Soul-, Rock- und Bluesklassiker im reinrassigen Jazzarrangement. Es sind Stücke, die jeder kennt, aber so noch nicht gehört hat. Dazu passend das Angebot von Jürgen Opfermanns Gasthaus und Karl Forschners Schützenhaus. Zusammen ergibt das eine runde Kirchgartenparty.

In der Oberstadt spielen Zigan Six im Diehm-Hof. Die sechs Vollblutmusiker an Violine, Gitarre, Bass, Piano/Akkordeon und Schlagzeug mit SängerNick Gordon haben's drauf auf ihre Art von „All of me“ bis „Yes Sir, that's my baby“. An diesem wunderschönen Platz in der Oberstadt ist Maximilian Jäck mit seinen Weinen zur Stelle und liefert mit Kleinigkeiten aus der Backstube der Bäckerei Heiß  gleich die leckere Grundlage zum Weingenuss mit.

Vor dem Zehnkeller ist En Haufe Leit mit reichlich Blech für Dixie vertreten. Neun Musiker, ein Sänger treten an, um den Platz zu füllen und die Zuhörer an den Tischen zu halten. Dabei werden sie von der Winzergenossenschaft Schriesheim und der Perseria mashti bestens unterstützt, denn es gibt vor dem Zehntkeller nicht nur Leckeres auf die Ohren!

Von hier sind es nur wenige Schritte zum Peter Lehel Quartett im Hof Zum Goldenen Hirsch. Diese Jazzformation gibt es seit nunmehr 20 Jahren und zeichnet sich aus durch Kreativität und Vielfalt, wie ihre 15 CD-Veröffentlichungen und ihr Auftriff es belegen. Doch nicht nur gute Musik wird aufgetischt, es wird auch hier köstlich bewirtet. Das Hirsch-Team wird zapfen, brutseln und braten, was das Zeug hält.

Im Vorverkauf kostet der Eintritt zu diesem prallen Musikangebot 15 Euro. Er läuft ab sofort in Utes Bücherstube und im Laden der Winzergenossenschaft Schriesheim. An der Abendkasse beträgt der Eintritt 17,50 Euro, Schüler, Auszubildende, Studenten zahlen 5 Euro – ausschließlich an der Abendkasse. Und die jüngsten Jazzfans, die Vor-Schüler, haben freien Eintritt.

Die Musiker, die Wirte, der Bürgermeister der Stadt Schriesheim als Schirmherr und der Kulturkreis sagen: Herzlich willkommen zu Schriesheim jazZt 2018 in der Schriesheimer Altstadt!

Plakat zum Download

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"Hoch-Flach-Tief"— Bilder zur Vernissage
Sonderausstellung 1/2018 Sonderausstellung 1/2018 Sonderausstellung 1/2018
Sonderausstellung 1/2018 Sonderausstellung 1/2018 Sonderausstellung 1/2018
Fotos: Hans Waldenmayr
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RNZ von Freitag, 27. April 2018

Jetzt sind „Stiefkinder musealer Präsentation“ zu sehen

In der Sonderausstellung „Hoch-Flach-Tief “ im Museum Théo Kerg werden bis zum 25. Mai druckgrafische Techniken präsentiert
Schriesheim. (keke) Nicht nur Bürgermeister Hansjörg Höfer fand es im Rahmen der Vernissage „spannend und interessant“, was als aktuelle Sonderausstellung unter dem Titel „Hoch-Flach- Tief“ noch bis zum 27. Mai in den Räumen des Théo-Kerg-Museums in unterschiedlichster künstlerischer Herangehensweise an das Medium „Druckgrafik“ zu sehen ist.

Obwohl der Namensgeber des Museums selbst ein begeisterter Druckgrafiker gewesen war, so die Leiterin des Museums, Lynn Schoene, handelt es sich um die erste Ausstellung dieser Art in Schriesheim. Diese widmet sich drei druckgrafischen Techniken, wie es bereits der Titel der Präsentation verrät.

Roswitha Josefine Pape, Margarete Lindau und Harald Priem sind Vertreter von frei mit der Hand gezeichneten Arbeiten, die unter Zuhilfenahme technischer Geräte vervielfältigt werden. Über Stempeldruck in Kombination mit Zeichnung bis hin zum klassischen, ohne maschinell erstellten Holzabzug, zeigen die drei Künstler ihre jüngsten Arbeiten.

Die der Druckgrafik eigene Möglichkeit, Auflagen in hoher Stückzahl herzustellen, werde dabei nicht immer angestrebt, erklärte die Heidelberger Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel in ihrer die Hintergründe des Mediums beleuchtenden Einführung. Viele der vor Ort gezeigten Arbeiten existieren nur in einem Abzug als Unikat. Was den Handabzug eines Holzschnitts betrifft, sagt Weigel, leitet sich dieser nicht nur von der Dimension des Druckstockes ab, sondern auch von der Körpergröße des jeweiligen Kunstschaffenden:„Muss dieser doch beim Abzug mit der Hand oder einem Holzlöffel das Papier auf das Holz pressen können“. Dass Druckgrafiken lange Zeit ihr Dasein als „Stiefkinder musealer Präsentation“ fristeten, führt die Kunsthistorikerin auf die mit ihnen verbundene „Verringerung von Farbe“ zurück. „Diese ließ die Grafik stets hinter die farbgewaltigen Gemälde zurücktreten“, erzählt Weigel. Die sprichwörtliche „Druckerschwärze“ beherrschte das Erscheinungsbild von Druckgrafik über Jahrhunderte hinweg. Das änderte sich mit demTechnikboom der letzten Jahrzehnte.

Weigel: „Neue technische Erfindungen boten farbigen Gestaltungen jetzt andere Voraussetzungen und brachten neue Farbzusammensetzungen mit sich.“ Bei den in der Ausstellung gezeigten Arbeiten handelt es sich bei der Verwendung des trotzdem noch immer vorherrschenden Schwarz um die freie ästhetische Entscheidung des einzelnen Künstlers. Sie sei aber keine drucktechnisch bedingte Notwendigkeit.

Pape ist mit großformatigen Holzschnitten und Druckstöcken vertreten, die als reliefartiger Holzkorpus in Übereinstimmung mit dem Papierabzug angeordnet sind. Beispielgebend stehen hierfür die Arbeiten „Life is too short to be small“ und „Prince Harry“.

Margarete Lindau zeigt in ihren Flachdrucken unter anderem vierfarbige „Risographien“. Dabei handelt es sich um eine Technik halbautomatisierten Siebdrucks, die in Japan für die Vervielfältigung in Behörden und Schulen entwickelt wurde und heutzutage bei Grafikdesignern groß in Modeist. Mit „Copydrawings“ betitelt sind zwei Künstlerbücher von Lindau, die Vervielfältigungen von analog erstellte Zeichnungen enthalten. Fragmente von Rapportmustern werden gegeneinander versetzt platziert, sodass sie „Formenechos“ ausbilden, erklärt Weigel.

Mit an sogenannten „Un-Orten“ gefertigten Stempeldrucken lenkt Harald Priem die Aufmerksamkeit auf sich. In zum Abriss freigegebenen Fabrikhallen oder Kindergärten, die ihm über Wochen hinweg als Arbeits- und Meditationsraum dienten, fertigte er auf seiner „Spurensuche aus den Überbleibseln menschlicher Anwesenheit“ Stempeldrucke.

Dabei Gefundenes wird von Priem als Arbeitswerkzeug genutzt, mit dem er Rollen von oftmals großformatig dimensionierten Papieren bedruckt. Abstrakte Bildrhythmen stellen sich dann ein, wenn der Stempel in Tusche getaucht und mehrmals abgedruckt wird, bis seine Farbintensität nachlässt. Auch in diesem Fall kann die Kunsthistorikerin alle auftretenden Fragen zufriedenstellend beantworten.
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FEUILLETON der RNZ von Donnerstatg, 26.April 2018
Mit Intensität und Intuition
Eindrucksvolle Druckgrafik im Kerg-Museum Schriesheim

Von Julia Behrens
Unter dem Titel „Hoch – Flach - Tief“ dreht sich in der neuen Sonderschau des Museum Théo Kerg alles um künstlerische Drucktechniken. Kuratorin Lynn Schoene legt diesmal – in Anlehnung an das umfangreiche druckgrafische Werk des Luxemburger Künstlers, dem das Museum in Schriesheim gewidmet ist– ganz bewusst den Schwerpunkt auf dieses vielseitige Medium. Dafür hat sie drei Kunstschaffende aus der Metropol-Region eingeladen, die sich ungewöhnlicher Druckverfahren bedienen. Was sie verbindet, ist eine spannende Mischung aus handwerklicher Präzision und spontaner Eingebung.

Roswitha Pape aus Heidelberg ist mit beeindruckenden Großformaten vertreten. Gleich im Eingangsbereich besticht ihr wandfüllender Druckstock für ein Seestück und zwei dazu gehörige, auf Leinwand aufgebrachte Abzüge von 2017. Die in eine Tischlerplatte hinein geschnitzte Schilflandschaft hat Pape zum Schluss noch mit dem Bohrer durchfurcht, um die Gegenständlichkeit zu verfremden. Auch den nur einmal abgezogenen, fast lebensgroßen Schwarz- Weiß-Druck, der Prince Harry beim Footballspielen in Afghanistan zeigt, wurde von ihr in einem letzten Arbeitsschritt intuitiv mit dem ironisch aufgefassten Begriff „Icon“ dekoriert.

Der Mannheimer Künstler Harald Priem bezieht seine Inspiration aus verlassenen Gebäuden, die langfristig umgenutzt oder abgerissen werden.Er macht diese „Un-Orte“ zu seinem temporären Atelier und arbeitet mit den Dingen, die die zuvor anwesenden Menschen hinterlassen haben. So nutzt er zum Beispiel vorgefundene Gegenstände als Stempel, mit denen er große Papierbahnen bedruckt. Oder er zaubert mit dem Messer aus vorhandenen Linoleumböden riesige Linolschnitte. Die oft Wochen andauernde archäologische Präzision, mit der Priem sich den jeweiligen Ort aneignet, konterkariert er gelegentlich mit schnell gesetzten zeichnerischen Elementen.

Auch Margarete Lindau aus Mannheim favorisiert ungewöhnliche Techniken. In Schriesheim zeigt die Künstlerin, die an der Hochschule Darmstadt im Fachbereich Gestaltung lehrt, sogenannte Risografien und Copydrawings. Erstere sind farbige, halb automatisch angefertigte Siebdrucke, zweitere Schwarz- Weiß-Zeichnungen, die in Form von Fotokopien vervielfältigt und teils zu Künstlerbüchern zusammengefasst werden. Gern nimmt Lindau Elemente automatischer Verfahren in ihre mit der Hand ausgeführten Zeichnungen auf. Mit einem Mix aus fein ziselierten Anordnungen, einer andererseits gestischen Strichführung und einer zum Teil dem Zufall überlassenen farblichen Gestaltungbewegtsie sich – wie ihre Kollegen – in einem Spannungsfeld von bewusst kontrollierter und freier Darstellung.

Info: Bis 27. Mai im Museum Théo Kerg, Talstraße 52, 69198 Schriesheim.
Mi. 17-19 Uhr, Sa./So. 14-17 Uhr u. n. V.
www.kk-schriesheim.de
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Schriesheim: Vernissage der Ausstellung „Hoch-Flach-Tief“ im Museum Théo Kerg / Bürgermeister Hansjörg Höfer begeistert

„Das hat es hier noch nicht gegeben“

24. April 2018

„Die Idee zu dieser Ausstellung mit Druckgrafiken ist uns über Théo Kerg gekommen, auch er hat sich mit den Druckgrafiken beschäftigt“, erklärte die Leiterin des Kerg Museums, Lynn Schoene, den Besuchern, die zur Eröffnung der Sonderausstellung von drei Künstlern gekommen waren: Harald Priem wohnt in Mannheim, doch er konnte nicht persönlich bei der Eröffnung dabei sein, Roswitha Josefine Pape stammt aus Heidelberg und Margarete Lindau aus Mannheim.

Bürgermeister Höfer nannte die Ausstellung spannend und interessant, es gereiche Schriesheim zur Ehre diese Druckgrafiken ausstellen zu dürfen. „Das hat es hier noch nicht gegeben“. Alle Druckgrafiken zeigen ein großes handwerkliches Können und sie existieren nur einmal. In ihrer Laudatio auf die Künstler und ihre Werke bedauerte die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel, dass bislang Druckgrafiken in Museen als Stiefkind behandelt wird.

Roswitha Josefine Pape bevorzugt großformatige Holzschnitte. Dem Betrachter fällt ein auf Holz gezogener Druck auf, der einen chinesischen Fächer zeigt, in den die Jahreszeiten exakt hineingearbeitet sind. „Life is too short to be small“ fällt der Text einer Schablonen-Art sofort ins Auge, wie sie in der Werbung genutzt wird. Ein weiterer Blickfang, ein klassischer Holzdruck, ist ein Werk mit dem Titel „Prince Harry“. Um dem Schwarz-weiß- Druck eine farbliche Nuance zu geben und um seinen gesellschaftlichen Rang als Mitglied des britischen Königshauses hervorzuheben, hat sie dem Druck in einem neo-orange den Schriftzug „icon“ hinzugefügt.

Ganz anders die aus der ehemaligen DDR stammende Künstlerin Margarete Lindau. Sie verwendet für ihre Arbeit die Risographie, eine aus Asien stammende Technik, einen halbautomatisierten Siebdruck, der in Japan für kostengünstige Vervielfältigungen genutzt wurde. Die Kunsthistorikerin verwies auf eine Serie, die sie „9 x 3“ nennt. Die auf das Papier gebrachten Farbkleckse sind rot, blau und gelb, werden vervielfältigt, verändern dadurch ihre Positionen und werden von einer schwarzen Linie schmeichelnd umspielt. Durch weitere Überlagerung von Farben entstehen weitere Nuancen. So wird aus einem hellrot ein dunkelgrün. Lindau bevorzugt neben dem Neo-Orange die Farbe Schwarz, die sie mit Tusche, Edding oder Fineliner aufbringt. Sie liebt es mit Techniken zu spielen. So wirken einige ihrer Werke auf den Betrachter, als wären sie gepixelt. Auf anderen Zeichnungen und Drucken werden Abstraktionen von Landschaft oder Naturphänomene dargestellt.

Harald Priems Ateliers sind „Un-Orte“, wie er sie nennt, Abbruchhäuser, in denen er Inspirationen sucht und sie in Kunst umwandelt. Gefundenes wird zum Stempel, den er in Tusche taucht und solange druckt, bis die Farbintensität nachlässt. So entstand der Druck „Briefe an Jim“,eine Inspiration, die ihm eine verlassene Kokerei in Dortmund zugeflüstert hat und die er einem nicht existierenden Briefpartner widmete. Weiter sind kleinformatige Drucke zu sehen, die er nicht in den Abbruchhäusern gefertigt hat. Er nahm die Fundstücke mit ins eigene Atelier und schuf Serien von Drucken, die durch weiteres Überstempeln immer schwärzer werden und die er Kurzgeschichten nennt. In einem verlassenen Kindergarten in Mannheim-Käfertal fand er einen Spielstein, den er in den Linoleum-Boden dort einschnitt und von dem er nur einen einzigen Druck herstellte.

Die Ausstellung „Hoch- Flach-Tief“ ist bis 27. Mai im Museum Theo Kerg zu sehen. greg

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 24.04.2018
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RNZ von Samstag/Sonntag, 21./22. April 2018

Drei Künstler loten Potenzial ihrer Techniken aus

Museum Théo Kerg zeigt in Sonderausstellung „Hoch-Flach-Tief“ vielfältige Druckgrafiken – Vernissage mit Einführung am Sonntag
Schriesheim. (keke) „Hoch – Flach – Tief“: eine Ausstellung, drei Künstler, drei verschiedene Drucktechniken. Das erwartet Kunstfreunde am Sonntag, 22. April, ab 11 Uhr im Museum Théo Kerg, wenn Harald Priem (Mannheim), Roswitha Josefine Pape (Heidelberg) und Margarete Lindau (Mannheim) einen Einblick in ihr aktuelles künstlerisches Schaffen erlauben.

Auch wenn etliche seiner Werke im Obergeschoss hinter Wänden und in Grafikschränken verborgen sind: Auch Théo Kerg sei ein hervorragender Druckgrafiker gewesen, schlug Museumsleiterin Lynn Schoene im Gespräch mit der Presse den Bogen vom kongenialen Namensgeber des Museums zu den ebenfalls über die Region hinaus bekannten Künstlern.

Nach etlichen Präsentationen, die sich vorwiegend der Malerei und Skulpturen gewidmet hatten, so Schoene, sei es jetzt an der Zeit gewesen, „auch einmal in die Welt der Druckgrafik einzutauchen und zu zeigen, welche unterschiedlichen Möglichkeiten und Potenziale darin liegen und wie sie von den jeweiligen Künstlern auf ihre Art ausgedeutet werden“.

Nur mit knapp zwei Handvoll Arbeiten ist die 1954 in Dortmund geborene Pape vertreten: „Ich bin keine Auflagenkünstlerin“. Doch die haben es in sich. Wie der großformatige, auf das Wesentliche reduzierte Holzschnitt „Life is too short to be small“: Grobgeschnittene Stempelbuchstaben, wie man sie auf Kisten findet, kontrastieren mit einem japanischen Fächer in Rot – in dem der aufmerksame Betrachter bei genauem Hinsehen alle Jahreszeiten auf einmal erkennen kann.

Scheidung, Tod, Katastrophen: „Alle meine Arbeiten markieren einen entscheidenden Punkt in meinem Leben oder haben direkten Bezug zur Welt“, sagt Pape und zeigt auf einen antiquarischen Holzstuhl als „Fundstück aus der Jesuitenkirche“. Die Sitzfläche hat Pape zu einem Druckstock zweckentfremdet und in Kontrast zu einem meterlangen Text zu Virginia Woolfs Essay „Ein Zimmer für sich allein“ gesetzt. Dann ist da noch „Bad Boy“ Prinz Harry, als „Post-Machismo“- Ikone à la Wladimir Putin mit nacktem Oberkörper und mit Lupe fein in Holz gestochen.

Margarete Lindaus Arbeiten zeigen zwei „malerische“ Seiten der Künstlerin. Die eine Seite erinnert in einem variantenreichen Duktus aus auf- und abschwellenden Linien an die Aufzeichnungen eines Seismografen und an Wolkenformationen, die andere Seite bilden „Risografien“ als farbige „Stücke“. Bei diesem Siebdruck-ähnlichen elektronischen Verfahren wird die Schablone des zu druckenden Bildes elektronisch erstellt und vollautomatisch auf die Druckwalze gespannt. Die Masterschablone wird an den Stellen, an denen gedruckt werden soll, thermisch durchlöchert. Eine Farbwalze zieht das Papier mechanisch ein und bringt die Farbe durch die Poren der Schablone auf. Durch Überlagern erzeugt Lindau Mischvariationen.

„Verlorene Orte“, von ihm auch „Unorte“ genannt und oft wochen- und monatelang als Atelier- und Arbeitsräume genutzt, gehören zu den Vorlieben von Harald Priem. Dabei handelt es sich um aufgelassene Fabriken, Depots, zum Abriss stehende Kindergärten und Krankenhäuser oder die Alte Synagoge in Hemsbach, deren Hinterlassenschaften ihm als Arbeitsmittel dienen und auf Menschen hinweisen, die hier gelebt haben.

„Ich gehe an diese Orte, lasse sie erzählen und mich von ihnen inspirieren“, so Priem. Gefundene Gegenstände wie „Spielsteine“ dienen ihm als Stempel, mit denen er nicht lesbare „Briefe an Jim“ schreibt, eine imaginäre Person. Diese bis zu 20 Meter langen Bahnen können in ihrer Bedeutung durchaus als „spektakulär“ bezeichnet werden. Etwa seine „Bodenschnitte“ in steinhart gewordenes, zuvor von Tausenden von Menschen abgelaufenes Linoleum oder der Druck von „in vier Jahrzehnten zu Kunst gewordenen Gebrauchsspuren“. Ihm gehe es nicht um Faktensicherung, sagt Priem, „sondern um die poetische Übertragung der Einzigartigkeit, die jeden Ort umgibt“.

Info: Vernissage „Hoch-Flach-Tief“,
Sonntag, 11 Uhr. Einführung von Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel.
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Schriesheim: Sonderausstellung im Kerg-Museum / Eröffnung am Sonntag um 11 Uhr

Künstler befassen sich mit Druckgrafiken

20. April 2018

Am Sonntag, 22. April, 11 Uhr, eröffnet das Kerg-Museum Schriesheim eine Sonderausstellung. Harald Priem, Margarete Lindau (beide aus Mannheim) und Roswitha Josefine Pape (Heidelberg) präsentieren Druckgrafiken mit dem Titel „hoch-flach-tief“. „Diese Werke passen sehr gut in unser Museum, hatte sich doch Théo Kerg ebenfalls den Druckgrafiken verschrieben“, findet die Leiterin des Kerg-Museums Lynn Schoene. Bei einem Pressegespräch waren jetzt Harald Priem und Roswitha Josefine Pape, ebenso wie die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel anwesend.

Von Roswitha Josefine Pape sind neun Werke, darunter auch großformatige Holzschnitte, zu sehen. Bei ihren Holzschnitten verwendet sie die klassische Technik an, die sie mit weiteren Techniken erweitert. Ihre Ideen schöpft sie einmal aus dem Weltgeschehen, sie verarbeitet in ihren Werken aber auch persönliche Begebenheiten wie beispielsweise ihre Scheidung. Entstanden ist ein großformatiger Holzschnitt auf Reispapier gedruckt und auf einer Tischlerplatte aufgezogen. In Mitten prangt ein chinesischer Fächer, in dem sie feine Filamente hineingearbeitet hat. Daran habe sie ein viertel Jahr gearbeitet, berichtete sie. Ebenso beeindruckend zwei Drucke, die Prinz Harry mit nacktem Oberkörper beim Footballspiel darstellen. Beeindruckend ebenfalls ein Stuhl, ein Relikt aus der Heidelberger Jesuitenkirche, dessen Sitz mit einem Text aus Virginia Woolf ausgelegt ist.

Klassische Grundtechnik

Harald Priem arbeitet mit der klassischen Grundtechnik. Sein Atelier sind verlassene Orte, wie alte Fabrikhallen, abbruchreife Kindergarten oder Krankenhäuser, die für eine Zeit zum Atelier werden. Dort findet er Inspiration und die alten Gemäuer erzählen ihm Geschichten und die dort verlassenen Gegenstände werden zu Druckwerkzeugen. So entstand aus den Relikten einer Maschine aus einem alten Fabrikgebäude ein großformatiges Bild, das er „Briefe an Jim, einem nicht existierenden Briefpartner“, nennt. Durch das Eintauchen des Stempelwerkzeugs in die Tusche entstehen Grauwerte, die an das Schreiben mit Tusche und Feder erinnern. Zu sehen sind auch kleinformatige Drucke, die er nicht in den Abbruchhäusern gefertigt hat, sondern er nahm Fundstücke mit ins eigene Atelier. Da Margarete Lindau nicht anwesend sein konnte, übernahm die Einführung die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel. Die Künstlerin verwendet für ihre Arbeit die Risographie, eine farbliche aus Japan stammende Technik, eine Technik, die ohne Anwendung von Farbe und Chemikalien auskommt und ohne Hitze auf das Papier gebracht wird.

Die auf das Papier gebrachten Farbkleckse rot, blau und gelb werden vervielfältigt, verändern ihre Positionen und werden von einer schwarzen Linie umrandet. Lindau liebt es mit Techniken zu spielen, so wirken einige ihrer Werke auf den Betrachter als wären sie gepixelt. Auf anderen Zeichnungen und Drucken werden Abstraktionen von Landschaft oder Naturphänomenen dargestellt: Explosionen, Bergmassive, Bewegungen von Wasser oder meteorologische Erscheinungen.

Die Ausstellung „HOCH– FLACH – TIEF“ ist vom 22. April bis 27. Mai im Museum Théo Kerg zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 22. April, um 11 Uhr. Die Einführung in die Ausstellung gibt die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel. greg

© Mannheimer Morgen, Freitag, 20.04.2018
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AUSSTELLUNG „HOCH – FLACH –TIEF“

22. APRIL – 27.  MAI  IM MUSEUM THEO KERG

VERNISSAGE: SONNTAG, 22. APRIL 2018, 11 UHR

EINFÜHRUNGSREDNERIN: DR. MARIA LUCIA WEIGEL


ÖFFNUNGSZEITEN: Sa + So  1 4-17 Uhr, Mi 17 -19 Uhr u. n. V.




Margarete Lindau, Strahlenrauschen Roswitha Josefine Pape, Position of Trust Harald Priem, So long
Strahlenrauschen, 2017
aus Künstlerbuch
©Margarete Lindau
Position of Trust, 2015
© Roswitha Josefine Pape
So long! 2014
©Harald Priem

Die erste Gastausstellung des Jahres 2018 im Museum Théo Kerg bestreiten drei  in der Metropolregion lebende und arbeitende Künstler: Margarete Lindau, Roswitha Josefine Pape und Harald Priem, die sich den diversen drucktechnischen Verfahren widmen.

In ihren Arbeiten entwickelt Margarete Lindau einen vielfältigen Kosmos aus Linien. Manche Linien sind wie Aufzeichnungen eines Seismografen: Tempo und Energie des Zeichenprozesses werden wie Spuren ihrer selbst auf dem Papier notiert. Auf- und abschwellende Linien erinnern an lauter- oder leiser werdende Töne, weitere Linien sind bewegt, gekritzelt, zitternd. Scharf am Lineal gezogenen Linien sortieren sich zu Linienbündeln und breiten sich virtuell in den Bildraum aus. Auf anderen Zeichnungen und Drucken werden Abstraktionen von Landschaft oder Naturphänomene dargestellt: Explosionen, Bergmassive, Bewegungen von Wasser oder meteorologische Erscheinungen. In Lindaus Arbeitsweise verbinden sich Präzision und Reduktion, Kalkül und Spiel, bewusstes Setzen und Intuition.
(Text: Margaret Lindau)

Es ist die klassische Technik des Holzschnitts und die Abbildung der Realität, Portrait und Landschaftsdarstellung unter Anderem, die die Werke von Roswitha Josefine Pape auszeichnen.  Sie erweitert Ihr Repertoire mit Techniken wie Stencils, eine Schablonen Technik, die aus der Bewegung der Street Art kommt. Immer bleibt der Blick der Künstlerin skeptisch und kritisch gegenüber der sie umgebenden Wirklichkeit, der sie in ihrer Malerei und Druckgrafik durch die Hinzufügung von Schriftelementen in Frage stellt, und die den unbefangenen Betrachter irritieren und ihm dadurch eine weitere Ebene der Interpretation öffnen können.
* (Ausschnitt aus einem Text von Hartmuth Schweizer im Katalog R. J. Pape /Retrospektive/2016 im Kurpfälzischen Museum Heidelberg)

Es sind verlorene Orte, die der Künstler Harald Priem als Atelier- und Arbeitsräume nutzt. Wie ein Archäologe und Forscher nähert er sich seinem Gegenstand. Quelle und zugleich Lokalität seiner Bildfindungen sind meist „Unorte“, wie er sie selbst nennt, aufgelassene Brachen wie Fabriken, Depots oder Wohnhäuser, deren Hinterlassenschaften ihn anregen und teils direkt als Arbeitsmittel dienen. Es geht ihm nicht um Faktensicherung, sondern um eine poetische Übertragung der Einzigartigkeit, die jedem Ort anhaftet. Er sucht nach noch vorhandenen Gegenständen und Spuren vergangenen Lebens. Manche Fundstücke dienen ihm später als Stempelmodel für seine großformatigen Tuschearbeiten, die er als „Briefe“ bezeichnet, weil der Prozess des Eintauchens und Stempelns an das Schreiben mit Tusche und Feder erinnert.

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RNZ von Montag, 23. April 2018

Drei Frauen überzeugten auf der Bühne des Zehntkellers

Dritter Poetry Slam des Kulturkreises wurde nicht nur dank der Kandidaten zum kurzweiligen Abend
Schriesheim. (fjm) „Definitiv ein Top- Publikum“, sagt Moderator Karsten Hohage, als er in der Pause eine Zigarette raucht. „Sehr entschlossen in der Abstimmung.“ Sylvie Le Bonheur und Meral Ziegler stimmen mit leichtem Nicken zu. Sie haben ihren Auftritt beim dritten Poetry Slam des Kulturkreises im Zehntkeller schon hinter sich. „Man hat auf jeden Fall das Gefühl, dass sie aufmerksam sind“, sagt Ziegler, die für diesen Abend aus Konstanz angereist ist.

Ihre fünf Minuten auf der Bühne hat sie für einen feministischen Beitrag genutzt unter dem Titel „Ich liebe Frauen, ich hasse Frauen“. Eine scharfe Kritik am Drang, den überzogenen Ansprüngen der Männer gerecht werden zu wollen. „Männliche Herrschaften, es sind genug für alle da“, sagt sie mit ausladender Gestik und lauter Stimme und appelliert an die weiblichen Zuschauer, sich ihrer Opferrolle zu entledigen: „Tu nicht so, als müsse man dich im Bobbycar zur Arbeit schieben.“

Duzen ist beim Poetry Slam völlig normal, unter den Wortkünstlern wie im Dialog mit dem Publikum. Die Kandidaten kennen sich meist, auch Meral Ziegler und Sylvie Le Bonheur sind sich schon häufiger begegnet. Letztere kam zum Slammen, als sie eine „Word up“- Veranstaltung in Heidelberg anschaute. „Da habe ich mich einfach mal angemeldet“, sagt die Mannheimerin. Inzwischen ist sie in der Szene zuhause, im Zehntkeller schafft sie es mit ihrem unterhaltsamen Rundumschlag „Lebst Du noch oder heiratest Du schon“ dank tosendem Applaus ins Finale.

Viele Kandidaten haben sich Beziehungen als Thema ihrer Beiträge herausgesucht. Die jüngere Generation wird dabei von Daniel Wagner aus Heidelberg mit dem „Todlichtmilieu der Zwangspostitution“ und unzähligen Wortwitzen zu Tinder, Selfies und Likes bedient. Die Älteren kommen bei Anna Teufel aus Karlsruhe auf ihre Kosten, die einen bewegenden Nachruf auf ihre fast 90 Jahre alte Nachbarin „Frau Maier“ verliest. Die immer nach Tee und Seife roch, zu viel Brot und Hefezopf kaufte und es dann an die Studenten weitergab, Weihnachts- und Ostergrüße verteilte und plötzlich starb. „Sie waren unsere Frau Maier“, sagt Teufel. „Sie waren nicht irgendeine, sie waren echt verdammt cool.“ Damit trifft sie einen Nerv beim Schriesheimer Publikum, fast jeder im Zehntkeller hat eine Person als eigene Frau Maier vor Augen. Für Anna Teufel geht es damit ins Finale.

Dort trifft sie auch auf Lisa Maria Olszakiewiecz aus Stuttgart, die ihre Fabel einer männlichen Biene mit Tanzbegabung auf der Suche nach Selbstverwirklichung in der Vorrunde ohne Vorlage und ohne Fehler präsentiert. Auch der zweite Beitrag überzeugt: ein modernes Märchen zwischen Partyleichen und Feinstaubteppich in einer Kneipe in Stuttgart, mit einer magischen Toilette, Herzschmerz, Brandstiftung und Happy End – wieder auswendig vorgetragen.

Anna Teufel erntet mit ihrem Text aus der Sicht eines Kindes mit Down-Syndrom, einem Plädoyer für Inklusion, Offenheit und Toleranz mindestens genauso viel Applaus, Moderator Karsten Hohage muss das sonst so entschiedene Schriesheimer Publikum um 22.42 Uhr ein zweites Mal um Abstimmung per Beifall bitten. Olszakiewiecz gewinnt.

Knapp drei Stunden dauert die Veranstaltung da bereits. „Das verging wie im Flug“, findet Bürgermeister Hansjörg Höfer, der sich bei seinem ersten Poetry-Slam-Besuch über ein altersmäßig bunt gemischtes Publikum freut, das auch von außerhalb kommt. Dass der Abend kurzweilig bleibt, liegt aber nicht nur an den neun Kandidaten, sondern auch an Moderator Hohage und Tilman Claas, der als Ein-Mann-Mariachi-Band, Country- Sänger und Stimmungsmacher in grauem Polohemd, Jeans und Adiletten an der Gitarre auf hohem Niveau herumblödelt. „Word up“-Organisator Frank Habrik scheint eine Mischung gefunden zu haben, die zum Schriesheimer Publikum passt – sehr zur Freude des Kulturkreises. Der nächste Poetry Slam ist jedenfalls bereits für November geplant.
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Jochen Hörisch im Museum Théo Kerg
Jochen Hörisch im Museum Théo Kerg Jochen Hörisch im Museum Théo Kerg Jochen Hörisch im Museum Théo Kerg
Fotos: Hans Waldenmayr

RNZ von Dienstag, 20. März 2018

Weil das Leben besser ist als sein Ruf

Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch philosophierte bei Kulturkreis-Matinee zu Überlebenskunst – Saxofonist Knut Rössler begleitete
Von Marco Partner

Schriesheim. Warum nicht mal wieder so richtig loben? Freunde, Familie, Bekannte, sich selbst – oder kurz gesagt: das Leben. Können wir das überhaupt noch? So richtig verbal, in Worten? Fern von Facebook-Daumen und WhatsApp-Smilies, während im Fernseher gerade mal wieder Politiker durch den Kakao gezogen werden? „Kritisieren kann jeder, aber loben? Es ist die anspruchsvollere Aufgabe“, schließt Professor Jochen Hörisch am Sonntagvormittag seinen Vortrag im Museum Théo Kerg.

„Überlebenskunst: Das Leben ist besser als sein Ruf“, tauft der in Schriesheim wohnhafte Literatur- und Medienwissenschaftler der Universität Mannheim sein unterhaltsames und hochphilosophisches Referat. Entsprungen ist es einer italienischen Sommerlaune. Es war während einer Kulturreise des Schriesheimer Kulturkreises nach Rom, der Blick auf die „Ewige Stadt“, die den Professor dazu bewog, der Ambivalenz von lebensbejahender Antike und der bisweilen abwertenden Lebenshaltung der Weltreligionen auf den Grund zu gehen.

Auch in der Geschichte des Christentums wirke das Leben manchmal wie eine Durchgangsstation. Zu Post Mortem, dem wahren Leben danach. „Ein sehr affirmatives Verhältnis zum Tod“, findet Hörisch – und kehrt die These um: „Nicht der Tod ist besser als sein Ruf, sondern das Leben.“

Um das zu beweisen, verordnet der Literaturprofessor wie sonst seinen Studenten auch den Besuchern im Museum Théo Kerg den sogenannten „Paradies-Test“. Wie könnte es aussehen, das persönliche Eldorado? Meist seien die Vorstellungen und Wünsche bescheiden.

„Sie wünscht sich einen etwas liebevolleren Mann und er eine weniger zickige Frau. Und beide wünschen sich etwas mehr Geld“, sagt Hörisch. Etwas ganz Anderes, das große Unbekannte, wünsche sich aber eigentlich niemand. Das wahre Paradies, es ist im Grunde genommen also der Himmel auf Erden, das Leben.

Doch es sei gerade diese Unvollkommenheit, die immer wieder Rätsel aufgibt. „Die gnostische These besagt, dass beim Schöpfungswerk etwas gründlich misslungen ist“, veranschaulicht der Professor große Theorie in einfachen Bildern. Und wirft wieder Fragen auf: Warum gibt es Sterben, Krankheit und Krieg? Wäre es nicht besser, nie geboren zu werden, mutmaßte bereits der griechische Dichter Sophokles 400 vor Christus. „Ist das Leben nur eine Störung des reinen Nicht seins?“, fragt auch Hörisch mehr als zwei Jahrtausende später. Die Antwort kennt niemand.

Außer Friedrich Nietzsche. Ausgerechnet der Zeit seines Lebens unter Migräne und anderen Krankheiten leidende Philosoph prägte mit seiner „Amor fati“, der Liebe zum Schicksal, eine sehr lebensbejahende Maxime. Und es ist ja kein Zufall, dass Hörisch auf diese Zusammenhänge ausgerechnet in Rom stieß. „Amor rückwärts gelesen ergibt Roma“, würzt der Literat seinen Vortrag mit Humor, Tiefgang und Musik.

Knut Rössler erzeugt mit seinem Saxofon mal schwermütige Töne, dann wieder Leichtigkeit. Je nachdem, in welche Richtung sich der Vortrag gerade bewegt. Der Grundtenor aber wird schnell klar und wurde bereits von einem anderen Italien und Lebensfan in Versform gebracht. „Wie es auch sei, das Leben. Es ist gut“, dichtete einer, der es wissen muss: Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe.
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Matinée im Museum Théo Kerg
Überlebenskunst: Das Leben ist besser als sein Ruf
Ein Vortrag von Professor Dr. Jochen Hörisch

Musikalische Intermezzi: Knut Rössler, Saxophon
Sonntag, 18. März 2018, um 11 Uhr im Museum Théo Kerg

Jochen HörischRom – hier in der fast dreitausendjährigen antiken Kulisse der „Ewigen Stadt“ entstand die Idee, das Spannungsfeld zwischen der lebensbejahenden Haltung und Denkweise der griechisch-römischen Antike einerseits und andererseits den mitunter lebensabwertend erscheinenden Offenbarungen der drei großen Buch-Religionen in einem Vortrag zu verarbeiten. Die Lehren des Christentums, Judentums und des Islam erklären das Lebensende als Eingang zum eigentlichen erlösten Leben bei Gott und führen zu der These, dass der Tod besser als sein Ruf sei. Hier wird der international renommierte Literatur- und Medienwissenschaftler Jochen Hörisch, seit 1988 Ordinarius für Neuere Germanistik und Medienanalyse an der Universität Mannheim, dialektisch ansetzen und mit dem ihm eigenen Wortwitz, mit elegantem Esprit und mit Goethe und anderen Rom-Enthusiasten die Gegenthese entwickeln. Und die heißt: Das Leben ist besser als sein Ruf!

Eintritt: € 7,50 (KKS-Mitglieder, SchülerInnen und StudentInnen € 5,-).
Nur Tageskasse im Museum Théo Kerg (Talstraße 52, 69198 Schriesheim).
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Vernissage der Mathaisemarktkunstausstellung
Mathaisemarktkunstausstellung 2018 Mathaisemarktkunstausstellung 2018 Mathaisemarktkunstausstellung 2018
Mathaisemarktkunstausstellung 2018 Mathaisemarktkunstausstellung 2018 Mathaisemarktkunstausstellung 2018
Fotos: Hans Waldenmayr
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RNZ von Samstag/Sonnatg, 03./04. März 2018

Kunstausstellung zeigt Werke Mannheimer Künstlernachlässe

Unter dem Titel "Reisen. Mannheimer KünstlerInnen unterwegs" sind Werke aus dem Depot ausgestellt

Von Marco Partner

Schriesheim. Ein großer, grauer Erdball sticht einem als erstes ins Auge. Fetzen aus Magazinen, Zeitungen und Illustrierten kleben an der Leinwand. Der karge Asphalt einer einsamen Straße wird ins Zentrum der Betrachtung gerückt. Bonjour Tristesse, möchte man beim Anblick der beiden großen Werke von Norbert Nüssle fast sagen. Und doch sind die gespachtelten Collagen-Bilder - vollgepackt mit Plakatresten, küssenden Reklamelippen und kunstvoll eingearbeiteten Kaugummipapierchen - fantasieanregend und ein Blickfang der Mathaisemarkt-Kunstausstellung. Dem Alltagsgrau entkommen, um mit neue Eindrücken heimzukehren: "Reisen. Mannheimer KünstlerInnen unterwegs", ist der Titel der diesjährigen Schau im Saal der Feuerwehr, mit der ein kleiner Einblick in das rund 1000 Exponate umfassende Depot der Mannheimer Künstlernachlässe gewährt wird.

"Die Erde als Kugel ist immer sichtbar. So hat Nüssle elegant die Frontalversion vermieden", erklärt Susanne Kaeppele am Freitag bei der gut besuchten Vernissage. Gemeinsam mit ihrer Kollegin, Christine Schumann, von den Künstlernachlässen moderiert die Eröffnung. Beleuchtet die Schaffenskraft und Motive der neun verstorbenen, ausgestellten Künstler, deren Schicksale zwei Gemeinsamkeiten einen: Mannheim als Heimat und Lebensstation sowie die Lust des Reisens. Der Weltenball als Sehnsuchtsort: Trude Stolp-Seitz malte in den 1950er Jahren zur Not auf dem Kofferraumdeckel ihres Autos, um die Pracht der Schweizer Berge oder das Glitzern des Gardasees in Form und Farbe festzuhalten. Abstrakt und wie in blaue Diagramme eingeteilt, wirken ihre Gemälde. Eher auf der Gerhard-Richter-Skala bewegen sich dagegen die ganz dem Taoismus zugewandten Bilder von Gabriele Dahms.

Bei ihr rücken die Farben selbst in den Mittelpunkt. "Sie ist zunächst nach Ostasien gereist. Und dann in sich hinein", erläutert Kaeppele. Bürgermeister Hansjörg Höfer verweilt kurz vor Vernissage-Beginn dagegen lieber vor einem mediterranen Aquarell. "So sonnig sollte es auch auf dem Mathaisemarkt sein", sagt er scherzhaft, während draußen bei Nullgraden zarte Schneeflocken auf die Fahrgeschäfte herabrieseln.

Wie ein Kontrast zur ungewohnten Märzkälte erscheinen die Werke von Peter Schnatz: Ein pechschwarzer Olivenbaum trieft aus der Leinwand, wie die sengende Hitze erstrahlt auch ein mit Sackleinen verarbeitete Erinnerung an die Provence. "So wird die ferne Welt daheim ins Wohnzimmer gebannt", sagt Schumann. Die neun Mannheimer Künstler, sie hätten zwar nicht die große Kunstgeschichte auf den Kopf gestellt: "Aber die Reisen haben ihre Kunst stark beeinflusst."

Hans Graeder hingegen bekämpfte mit seiner Kunst ein Trauma: Als Soldat musste er im Zweiten Weltkrieg Feldzüge in Polen, Frankreich, dem Balkan und Russland überstehen. Was der 1998 verstorbene Künstler durchlebt haben muss, wird in Gestalt von schreienden Mündern und auf Arme und Beine reduzierten Menschen sichtbar. "Die Künstlernachlässe sind eine wichtige Einrichtung. Das Leben und die Arbeiten der verstorbenen Künstler haben das kulturelle Bild Mannheims geprägt. So bleiben sie der Nachwelt erhalten", betont deshalb auch Gabi Mohr-Nassauer, die Vorsitzende vom Kulturkreis.

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RNZ von Samstag/Sonnatg, 17./18. Februar 2018

Kulturkreis zeigt Arbeiten aus Mannheimer Künstlernachlässen

Werke erinnern an Reisen als Wendepunkte - Zwischen Selbstfindung und Traumata

Schriesheim. (mpt) Gaugin hat es getan. Van Gogh ebenso. Picasso erst recht. Aber auch viele Mannheimer Künstler taten es den Meistern ihrer Zunft gleich. Zwar reisten sie nicht unbedingt nach Tahiti wie Gaugin, aber auch sie tingelten durch die Welt, erweiterten ihren Horizont, um ihre Eindrücke und Erfahrungen über den Pinselstrich auf die Leinwand zu bannen. Die Bilder sind geblieben, viele Künstler inzwischen verstorben. Nun wird neun Mannheimer Kunstschaffenden auf dem Mathaisemarkt eine Ausstellung gewidmet. "Reisen. Mannheimer KünstlerInnen unterwegs" heißt die Kunstschau, die im Saal der Feuerwehr vom 2. bis 11. März präsentiert wird.

Im Mannheimer "Speicher 7" gab es die Arbeiten aus dem Depot der Künstlernachlässe schon mal zu sehen. Anlass für die Ausstellung war ein Werk von Paul Löffler (1920-1995). "Manhattan" ist das Aquarell betitelt, auf welchem die Brooklyn Bridge mit den Wolkenkratzern zu verschmelzen scheint. "Eigentlich reisen unsere Künstler alle. Und es waren Wendepunkte in ihren Arbeiten", dachte sich Stiftungsmitglied Silvia Köhler beim Anblick der New Yorker Skyline.

Seit 2005 existieren die Mannheimer Künstlernachlässe. Der Tod von Peter Schnatz (1940-2004) war gleichzeitig die Geburtsstunde für die Bewahrer bedeutsamer Werke. Mittlerweile werden die Nachlässe von neun Künstlern aufbewahrt. Und alle werden bei der Ausstellung in Schriesheim zu sehen sein.

"Diese Künstler tragen mit ihren Werken auch ein Stück zur Stadt- und Kulturgeschichte und somit zur kulturellen Identität Mannheims und der Region bei", erklärt Köhler, "sie alle erzählen eine Geschichte." Norbert Nüssle (1932-2012) beispielsweise galt als sehr frankophil. "Er hatte ein verwunschenes Sommeratelier in der Bretagne, das aber auch sehr zugemüllt war", sagt Susanne Kaepple. Der Grund: Von Eintrittskarten bis Plakatresten sammelte Nüssle fast alles, was ihm zwischen die Finger kam, um die Fundstücke in Collagen festzuhalten. "Er ist ein unendlicher Quell", sagt Kaepple mit Blick auf einen grauen Erdball voller Papierfetzen, der auch die Flyer und Plakate zur Ausstellung ziert.

Während Nüssle die Hinterlassenschaften auf der Straße inspirierten, waren Will Sohl (1906-1969) und Franz Schömbs (1906-1976) von den Küsten des Mittelmeers fasziniert. Für Trude Stolp-Seitz (1913-2004) waren Ausflüge in die Alpenwelt gleichbedeutend mit einem Ausleben der kreativen Ader. Einen Umbruch in seiner künstlerischen Gestaltung stellte für Peter Schnatz eine Reise durch die Toskana dar. Für Gabriele Dahms (1944-1999) dagegen waren die Touren durch Asien gleichbedeutend mit einer Ankunft bei sich selbst.

Manchmal konfrontieren Reisen aber auch mit der bitteren Realität. Wie bei Hans Graeder (1919-1998), der seine Erfahrungen als Soldat im Zweiten Weltkrieg ein Leben lang in seiner Kunst verarbeitete. Oder Ilana Shenhavs (1931-1986), die von Theresienstadt über Israel nach Mannheim kam und in deren Bildern sich eine unruhige Lebensreise widerspiegelt. "Ich bin von den Werken und Künstlern, von der ganzen Idee total begeistert", findet Lynn Schoene, die gemeinsam mit Tom Feritsch als Kurator fungiert - und die Schau bereits im "Speicher 7" bewunderte.

Jetzt freut sich die Leiterin des Kerg-Museums wie Dieter Weitz und Jochen Wähling vom Kulturkreis, dass die Ausstellung in Schriesheim Station macht, um die Mathaisemarkt-Besucher in ihren Bann zu ziehen.

Info: Die Vernissage zur Ausstellung findet am Freitag, 2. März, von 17 bis 19 Uhr im Haus der Feuerwehr statt.

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Mathaisemarkt-Kunstausstellung 2018:

Reisen - Mannheimer KünstlerInnen unterwegs

Arbeiten aus dem Depot der Künstlernachlässe

Startbild


Kuratoren: Lynn Schoene und Tom Feritsch
Eröffnung: Freitag, 2. März 2018, um 17:00 Uhr im Haus der Feuerwehr
Einführung: Dr. Susanne Kaeppele und Dr. Christine Schumann, Künstlernachlässe Mannheim
Ausstellungsdauer: bis Sonntag, 11. März 2018
Öffnungszeiten: samstags 12-19 Uhr, sonntags 11-18 Uhr sowie Montag, Dienstag und Freitag 16-19 Uhr


Mathaisemarktausstellung 2018 Mathaisemarktausstellung 2018 Mathaisemarktausstellung 2018

Mittlerweile sind es weit mehr als 1.000 Werke, die die Künstlernachlässe Mannheim, eine seit 2005 außerordentlich aktiven und spezialisierten Initiative, verwaltet. Dabei liegt der Hauptfokus darauf, das Werk angesehener Mannheimer Künstlerinnen und Künstler als herausragendes Zeugnis der Kultur-, Stadt- und Zeitgeschichte Mannheims und der Region für die Öffentlichkeit präsent zu halten.

Mathaisemarktausstellung 2018Letztes Jahr sorgte eine vielbeachtete Ausstellung in den Räumen des Mannheimer „Club Speicher7“ mit Arbeiten aus dem Depot der Künstlernachlässe für viel Aufmerksamkeit: „Reisen – Mannheimer KünstlerInnen unterwegs“. Diese beeindruckende Retrospektive auf das künstlerische Schaffen wichtiger Künstler, die in der Stadt lebten, deren Werk sehr oft durch vielfältige Eindrücke aus anderen Ländern, durch Licht und Luft fremder Regionen geprägt wurde, kommt nun im Rahmen der diesjährigen Mathaisemarkt-Kunstausstellung nach Schriesheim.

Samuel Johnson, englischer Gelehrter, sagte bereits vor gut 250 Jahren, dass der Sinn des Reisens darin bestehe, „…unsere Phantasien durch die Wirklichkeit zu korrigieren…“ und er empfahl, statt sich „…die Welt vorzustellen, wie sie sein könnte…“, sie zu sehen wie sie ist.

Mathaisemarktausstellung 2018Vielleicht waren es ähnliche Gedanken, die Gabriele Dahms, Hans Graeder, Paul Löffler, Norbert Nüssle, Peter Schnatz, Franz Schömbs, Ilana Shenhav, Will Sohl und Trude Stolp-Seitz zu reisen veranlassten, in ihren Werken aufgriffen und ihnen damit eine besondere Prägung gaben.

Gezeigt werden rund 30 wunderbare Bilder, die auf oder durch Reisen der Künstler entstanden sind.

Zur Vernissage im Haus der Feuerwehr am 2. März 2018 um 17:00 Uhr und / oder zu inspirierenden Rundgängen durch die Ausstellung bis zum 11. März laden wir herzlich ein!

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Dreikönigsmatinée mit Heike Matthiesen
Dreikönigsmatinée 2018 Dreikönigsmatinée 2018 Dreikönigsmatinée 2018
Fotos: Hans Waldenmayr
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RNZ von Dienstag, 9.Januar 2018
Großes Kino für die Ohren
Gitarristin Heike Matthiesen begeisterte bei Dreikönigsmatinee des Kulturkreises – Leidenschaft des spanischen Barocks dargeboten

Schriesheim. (nip) Der Kulturkreis Schriesheim (KKS) begann das neue Jahr mit einem Kracher, besser gesagt, mit einem Hochkaräter: Heike Matthiesen, eine der wenigen klassischen Sologitarristinnen aus Deutschland, bezauberte ihr Publikum im großen Saal der katholischen Kirchengemeinde vom ersten bis zum letzten Ton mit einem so unprätentiösen wie empathischen Spiel. Die gebürtige Braunschweigerin und Diplom-Gitarristin kam ohne große Gesten, dafür jedoch mit einer wunderbar ansteckenden Spielfreude daher, die in ihrer Natürlichkeit begeisterte.

Konzentriert, handwerklich perfekt, ohne jedoch glatt zu sein, gefiel Matthiesens Darbietung ohne Wenn und Aber. Bei der Dreikönigsmatinee des Kulturkreises präsentierte die Musikerin eine feine Auswahl spanischer Barockmusik von Komponisten wie Fernando Sor, Isaac Albeniz und Enrique Granados sowie eine pfiffige Auswahl an kurzen Stückchen von Gaspar Sanz, der 1674 das erste Lehrwerk von Bedeutung für die fünfchörige Barockgitarre schrieb.

Leidenschaft, Temperament und Dramatik verbindet man allgemein mit dem spanischen Barock. Da sei es durchaus zur Sache gegangen, nämlich zumeist mit „Wein, Weib und Gesang“, erzählte Matthiesen zwischendurch in einer ihrer kompakt-informativen Ansagen. Doch dass die Spanier auch albernden Zirkusclowns gleich verrückte Noten zu Papier bringen konnten, das war neu und zugleich sehr erfrischend zu hören.

Eingebettet in lediglich zwei Harmonien, die ein wenig Wiener Schmäh in sich trugen, hatte Francisco Tárrega, der innovative Begründer der neuen spanischen Gitarrenschule, in „Gran Jota Aragonesa“, einem großen Rundtanz, zahlreiche Kunststückchen verpackt: Man müsse sich das so vorstellen, dass jeder Mittänzer ins Rund trat, um etwas vorzuführen, erklärte Gitarristin Matthiesen. Das war ganz großes Kino für die Ohren, belohnt von diversen „Bravo“-Rufen und langem Applaus.

Bereits im Vorfeld hatte sich der Vorstand des Kulturkreises um Gabriele Mohr-Nassauer auf diesen Vormittag gefreut. Zu Recht, wie die Zuhörer befanden. Musikerin und Verein waren gleichermaßen glücklich über die Resonanz auf dieses Konzert, das seinem Publikum zwei glückliche Stunden bescherte. Begonnen hatte Matthiesen mit einem „eingeschmuggelten“ Mozartstückchen. Die baue sie gerne ins Programm, verriet sie mit einem Augenzwinkern. Aus der berühmten Oper „Zauberflöte“ grüßte Papageno, eifrig bemüht, seine Gefangennahme durch Monostatos zu verhindern. Bekannte Klänge auch bei Isaac Albéniz‘ packender Hommage an die Region „Asturia“ im Nordwesten Spaniens, wobei fraglos deutlich wurde, weshalb selbst dem Komponisten und Pianisten seine eigenen Werke besser auf der Gitarre als auf dem Klavier gespielt gefielen: Saitenweise gab’s hier einfach mehr Emotion und Tiefe.

Mit Manuel de Fallas „Homenaje“ hatte Matthiesen das einzige Werk des Künstlers für Gitarre solo ins Programm genommen, eine so sensible wie expressive Komposition, gefolgt von dem nicht minder brillanten „L’Alhambra“ von Maria Dolores de Goñi, in Europa eher unbekannt geblieben, in den USA hingegen gefeiert.

Ihre deutsche Nachfolgerin Heike Matthiesen würdigte mit ihrer Programmauswahl das Schaffen de Goñis zu einer Zeit, als Rezensenten deutlich ihre Vorbehalte gegen die Gitarre als „sentimentales“ Instrument äußerten, „beschränkt, schäbig, dumm“. Um zum Ausdruck zu bringen, welch klanglich farbenreiches Instrument die Gitarre sein kann, ein Instrument, das man vielseitig bespielen und sogar als Cajón benutzen kann, dafür war Heike Matthiesen am Samstagabend in Schriesheim die beste Botschafterin.

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Schriesheim: - DREIKÖNIGSMATINEE DES KULTURKREISES MIT DER GITARRISTIN HEIKE MATTHIESEN

Musik, die unter die Haut geht

Dass die Dreikönigsmatinee des Schriesheimer Kulturkreises auch in diesem Jahr wieder ein tolles Erlebnis war und dass die Gitarrenmusik der Weltklassengitarristin Heike Matthiesen die Seele berührte, darüber war sich das Publikum einig. Leider verströmte der kühle und nüchterne Pfarrsaal im katholischen Gemeindehaus nicht den Charme wie einst der Raum im Gasthaus „Zum goldenen Hirsch". Da er nach dem Wechsel aber nicht mehr zur Verfügung stand, waren die Veranstalter glücklich, in den Gemeindesaal ausweichen zu können.

Der Saal war gut gefüllt, fast alle Stühle waren belegt. Begrüßt wurden die Konzertbesucher von der Vorsitzenden des
Kulturkreises, Gabriele Mohr-Nassauer. Sie freute sich über den guten Besuch. Viele Worte wolle sie nicht machen, denn an diesem Morgen stehe die Musik und eine der besten Konzertgitarristinnen im Mittelpunkt. Dann gab sie die Bühne für Heike Matthiesen frei.

Was das Publikum an diesem Morgen zu hören bekam, waren Klänge, die jeden regelrecht in den Bann zogen. Mit ihrem zwei mal 45 Minuten langen Programm entführte die Künstlerin ihre Zuhörerschaft in eine Welt der Leidenschaft, einer mediterranen Lebensfreude und der Emotionen, in das sonnenverwöhnte Spanien. Für ihr Konzert wählte die Künstlerin klassische Stücke, die nicht nur gute Laune versprühten. Es war Musik, die nachwirkte, die Entspannung verlieh und die unter die Haut ging.

Dass auch Mozart sehr schön auf der Gitarre klingen kann, das bewies sie mit dem „Glockenspiel" aus der Zauberflöte-Dann wechselte Matthiesen zu den typisch spanischen Gitarrenklängen, zu Fernando Sor, einem Barockmusiker und Gitarrenlehrer am Hofe des Vizekönigs von Neapel. Es folgten zwei rasante Stücke von Gaspar Sanz, der zu den ganz großen Barockkomponisten zählt. In ihrer Einführung erläuterte sie, dass das Stück ursprünglich für Klavier geschrieben war und später für Gitarre übertragen wurde.

Einen „Superhit" nannte Matthiesen Isaac Albenitz „Sevilla", das fast jeder Gitarrist in seinem Repertoire habe. Das nächste Stück, der Tanz von Franciso Tarrega, bestehe aus lediglich zwei Harmonien mit einer dramatischen Einleitung, erklärte sie. Da gehe jeder Tänzer in die Mitte des Kreises, wo er fast akrobatische Kunststücke vorführe. Weiter im Programm hatte die Gitarristin Komponisten wie Enrique Granados mit seinem spanischen Tanz und Manuel de Falla mit seinem „Homenaje".

Heike Matthiesen spielte nicht nur virtuos die Gitarre, sie führte mit ihr einen Dialog. Es war faszinierend zuzusehen, wie sie mit unglaublichen rasanten Läufen das Instrument zum Singen, Lachen und Weinen brachte. Es war ein Konzert, voller Temperament, Beschwingtheit und Lebensfreude, das die Zuhörer vom ersten Ton an fesselte. greg

© Mannheimer Morgen, Montag, 08.01.2018
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